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Frankfurt räumt auf Neujahrsputz am Main

Viele Männer und Jugendliche sorgen alljährlich für Verwunderung und Neugier. Sie räumen am Neujahrstag auf, was die Feiernden in der Nacht hinterlassen haben. Wie jedes Jahr hat auch diesmal die Ahmadiyya-Gemeinde aufgerufen gemeinsam das Mainufer zu reinigen. Viele packten mit an.

02.01.2012 21:01
Von Laura Wagner
Den suchenden Augen der fleißigen Helfer entgeht nichts. Foto: Oeser

Erstaunte, neugierige und auch leicht irritierte Blicke ernten die rund 100 Männer und Jugendlichen, die sich am Neujahrsmorgen mit Besen, Greifzangen und Müllbeuteln bewaffnet am Eisernen Steg treffen. „Was machen die Männer denn da“, fragt ein Mädchen seine Mutter. Die zuckt die Achseln. „Das weiß ich auch nicht. Sieht aus als ob sie das Mainufer putzen“, antwortet die ihrer Tochter. „Komisch.“

Für die Mitglieder der Khuddam-ul-Ahmadiyya, der Jugendorganisation des islamischen Vereins Ahmadiyya Muslim Jamaat, ist das, was sie tun, nicht komisch, sondern Tradition.

Putzaktion hat Tradition

Seit zehn Jahren beginnen sie das neue Jahr mit einer Putzaktion. Gemeindemitglieder beseitigen die Spuren der Silvesternacht rund um den Eisernen Steg. Die ist besonders in der Innenstadt dringend nötig, denn das Feuerwerk zum Jahreswechsel hat dort einen besonders unansehnlichen Anblick hinterlassen.

Am Eisernen Steg, dem Mainufer und auf dem Römerberg herrscht in der Silvesternacht ein riesiges Gedränge. Tausende Menschen treffen sich hier, um das neue Jahr zu begrüßen. Dabei wird ordentlich geböllert. Blaue, grüne, rote Raketen erhellen den Himmel. Das Feuerwerk versetzt die Zuschauer in Entzücken, „Oh“, „Ah“, „Wie schön“, ist aus allen Richtungen zu hören. Auch auf dem Friedberger Platz im Nordend haben sich mehrere hundert Menschen versammelt. Mülleimer werden zu Raketenabschussbahnen umfunktioniert, leere Flaschen geben ebenfalls Starthilfe. Es knallt, blitzt und raucht, wohin man blickt.

Gedanken um den Morgen danach machen sich die wenigsten. „Das macht doch die Stadt wieder weg“, sagt einer. „Ach, wird schon nicht so schlimm, da bleibt nicht so viel liegen“, fügt ein anderer hinzu. Wenig ist es nicht, was am nächsten Morgen den Römer und den Eisernen Steg bedeckt. Sektkorken, Raketenhülsen und Kartonreste, ganze Feuerwerksbatterien und zersplitterte Flaschen sind kreuz und quer verstreut. Auf den Straßen haben sich braune Klumpen gebildet, Überreste des Feuerwerks, die von Autos platt gewalzt wurden. Auf dem Geländer des Eisernen Stegs reihen sich Flaschen aneinander.

20 Tonnen Müll

Bereits am Sonntagmorgen zwischen sechs und zwölf Uhr beginnen 40 Mitarbeiter des städtischen Entsorgungs- und Servicedienstes FES mit dem Neujahrsputz. Rund 20 Tonnen Müll sammeln sie am Mainufer, in der Innenstadt und in Sachsenhausen auf. Um neun Uhr ist der Römerberg wieder blitzblank, die ersten Touristengruppen laufen mit gezückten Kameras darüber und fotografieren Frankfurts Wahrzeichen.

Auch die Männer der Ahmadiyya-Gemeinde, die meisten zwischen 15 und 40 Jahre alt, erregen ihre Aufmerksamkeit. Während andere noch schlafen, fegen sie Glasscherben, Feuerwerksüberreste und anderen Müll zu großen Haufen zusammen, stopfen ihn in Müllbeutel der FES und türmen diese aufeinander. Sie seien ja wie die Heinzelmännchen, sagt eine Spaziergängerin. Tolle Aktion, da könne man ja auch mal mitmachen. Tut sie dann aber nicht.

Ob das eine deutsche Tradition sei, die Stadt am Neujahrsmorgen zu reinigen, will eine japanische Touristin wissen. Ist es nicht. Wenn es nach Sajad Atique, dem Organisator der Reinigungsaktion geht, soll es das aber werden. „Wir versuchen immer, auch andere Gemeinden und Religionsgemeinschaften mit ins Boot und aus dem Bett zu holen.“

Doch das ist schwer. Shariq hat damit keine Probleme. Der 16-Jährige ist schon zum vierten Mal dabei. „Es ist keine große Sache, das kann jeder schnell mal machen.“ Gemeinsam etwas für die Gesellschaft tun und anderen ein Freude bereiten, dass wolle man mit der Aktion bewirken, sagt Atique.

Zwei Stunden im Einsatz

Unterstützt wird die Muslim-Gemeinde von der Stabsstelle Sauberes Frankfurt, deren Leiter, Peter Postleb, am Neujahrsmorgen ebenfalls am Mainufer zugange ist. Der wünscht sich mehr Einsatz. „Wenn jeder ein bisschen mit anpacken würde, wäre alles halb so wild“, sagt Postleb, den vor allem die großen Feuerwerksbatterien verärgern. „Diese Biester können die Maschinen nicht aufnehmen.“

Doch immerhin sei es mild. Bei Schnee, wie im vergangenen Jahr, könnten die Kehrmaschinen nicht zum Einsatz kommen. „Da musste alles per Hand aufgelesen werden. Das dauert.“

Nach zwei Stunden ist die Arbeit getan. Die Gemeindemitglieder geben die Reisigbesen wieder an die FES ab, die auch unzählige Müllsäcke abtransportiert. Das Mainufer ist wieder vorzeigbar. In den kommenden Tagen wird nach und nach der Rest der Stadt gereinigt.

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