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Frankfurt-Preungesheim Fürs Mobbing sensibilisieren

Schüler der Carlo-Mierendorff-Schule üben den richtigen sozialen Umgang miteinander. Ein Theaterstück verdeutlicht den Sechstklässlern das Thema.

Mehr als ein Drittel der beteiligten Schüler gab an, schon einmal Opfer gezielter Schikane geworden zu sein. Foto: Andreas Arnold

Hannah verliert eine Freundin nach der anderen an Timo. Sogar Martin, ihren besten Freund. Und dass nur, weil Timo mit Karten für die Eintracht lockt. Eben noch inmitten ihrer Freunde, ist Hannah plötzlich einsam. Glücklicherweise ist alles nur gespielt. Hannah und Timo heißen eigentlich Katharina und Efe, sind zwölf und elf Jahre alt und besuchen die sechste Klasse der Carlo-Mierendorff-Schule. Sie beteiligten sich am Dienstag am einem Experiment im Rahmen des Theaterstücks „Kein normaler Tag“, in dem es um Mobbing geht.

Seit vielen Jahren schon ist in der Gesamtschule am Gravensteiner Platz das Thema Soziales Lernen fest verankert, sagt Schulleiterin Nicole Schiffer-Brams. Dabei gebe es auf verschiedenen Ebenen Programme, die das gute und soziale Miteinander thematisieren – auch das Mobbing. Obgleich an der Mierendorff-Schule nur wenige Fälle bekannt seien, passe das Theaterstück ganz fantastisch in das Konzept, „weil es sensibilisiert“.

Gespielt wird das von der Deutschen Kinderhilfe geförderte und von zwei Münchener Autoren geschriebene Stück von Birgit Reibel und Wencke Matthai. Die beiden Theaterpädagoginnen sind damit hessenweit unterwegs. „Theater bietet den Kindern auch einen emotionalen Zugang zu dem Thema Mobbing“, sagt Reibel. „Nicht nur einen kognitiven.“ Als Türöffner bezeichnet Schiffer-Brams das Theater.

Das Stück handelt von Tamara, die neu an die Schule kommt. Obwohl sie in ihrer alten Schule selbst Mobbingopfer gewesen war, beginnt sie Hannah zu schikanieren – bis diese emotional aufgebraucht und völlig alleingelassen zurückbleibt, weil sich jeder von ihr abwendet. Reibel und Matthai präsentieren die Geschichte in einer Schlichtheit – es werden kaum Kostüme und Requisiten eingesetzt –, um so eine Identifikationsmöglichkeit zu schaffen. Und sie präsentieren das Stück mit einem offenen Ende. „Wir wollen zum Nachdenken anregen.“

Lösungsvorschläge bieten die rund 100 Schüler im Anschluss genügend. Das Theater scheint aufzurütteln. Für das Experiment mit den Eintracht-Karten melden sich viele. „Schlimm hat sich das angefühlt“, sagt Katharina, nachdem sie alleine rund ein Dutzend Kindern gegenübersteht. Und Efe? „Ich fühle mich groß und stark.“ Dabei sei er selbst einmal Opfer gezielter Schikane gewesen, über das Internet. „Das hatte sich komisch angefühlt.“

Als Theaterpädagogin Matthai fragt, wer schon Erfahrung mit Mobbing gemacht hat, heben mehr als ein Drittel der Kinder die Hand. Umso eindringlicher fällt ihr Appell am Ende der Veranstaltung aus: „Schaut hin, hinterfragt, redet darüber und helft!“ Efe und Katharina nehmen den Rat gerne an. „Ich fand das heute spannend und cool“, sagt der Elfjährige.

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