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Frankfurt Osthafen Der unbekannte Hafen

Der Frankfurter Osthafen wandelt sich - und kaum ein Frankfurter bekommt das mit. Das kann sich am Wochenende ändern - dann gibt es die große Jubiläumsfeier.

Foto: Martin Weis

Der Frankfurter Osthafen wandelt sich - und kaum ein Frankfurter bekommt das mit. Das kann sich am Wochenende ändern - dann gibt es die große Jubiläumsfeier.

Das neue EZB-Hochhaus ist schon 175 Meter hoch und zum Teil in Glas gehüllt, die neue Mainbrücke hat ihre Bogenform erreicht und wird in wenigen Tagen in die künftige Position gebracht. Osthafenbrücke soll sie heißen, wie Planungsdezernent und Bürgermeister Olaf Cunitz (Grüne) kürzlich vorgeschlagen hat – nach dem Gebiet, das sie ab nächstem Jahr erschließen wird. Der Plan für der Brücke ist so alt wie der Osthafen: 100 Jahre.

Am kommenden Wochenende wird der Osthafen gefeiert. Zwei Tage lang gibt es viel Programm: Livemusik, Tanz, Sport, Führungen und Rundfahrten. Am Samstagabend wird der Hafen mit einer großen Show mit Feuerwerk und Musik inszeniert. Bereits das erste Fest vor sechs Jahren war auf das Jubiläum hin geplant worden: „Der Osthafen ist wenig bekannt“, sagt Herbert Janicke, einer der beiden Geschäftsführer der HFM Managementgesellschaft für Hafen und Markt. Viele wüssten nicht einmal, dass Frankfurt einen Hafen habe. Seit den bisherigen zwei Festen und einigen Veröffentlichungen habe die öffentliche Wahrnehmung zugenommen, so Janicke.

Nur wenige verirren sich zufällig in den Osthafen

Der Osthafen ist nicht gerade ein Gebiet, in das man sich als Passant verirren könnte. Höchstens alle zwei Wochen samstags, wenn in der Lindleystraße der Flohmarkt stattfindet, im Wechsel mit dem Schaumainkai. Doch parallel zu der Straße, am Nordbecken des Unterhafens, warnen Schilder vor dem Betreten des Geländes: 500 Euro Strafe drohen, allerdings scheint sich niemand darum zu scheren. Von den rund 8000 Beschäftigten im Osthafen sieht man nicht viel in der anonymen Landschaft zwischen Lager- und Fabrikhallen, Backsteinbauten und modernen Gebäuden mit Glasfassaden. Obwohl hier so viel gearbeitet wird, herrscht meist eine Sonntagsstimmung.

Am westlichen Ende des Hafenbeckens spannt sich der Bogen der Honsellbrücke über das Wasser und verbindet das nördliche Mainufer mit der südlichen Mole, allerdings noch ohne Fahrbahn. Die Pfeiler schweben in der Luft, denn die Brücke wird derzeit saniert. Auf der einen Seite liegt das Außenlager eines Baumaterialhändlers, auf der anderen häufen Laster Sand auf. Der Osthafen ist noch immer vor allem ein Umschlagplatz für Massengüter: Sand und Kies machen 60 Prozent des Umschlagvolumens aus.

Doch neben all den Sandhaufen macht sich der Wandel bemerkbar: Hier stapeln zwei Entladebrücken Container wie bunte Bauklötzchen. Die Stahlkisten haben Konjunktur, selbst Massengüter werden darin transportiert. In diesem Jahr hat das Unternehmen Contargo seine Fläche von 24.000 auf 30.000 Quadratmeter erweitert, in den nächsten Jahren sollen 20 Millionen Euro in das Containerterminal investiert werden.

Die Flächen im Hafen sind fast komplett vermietet

Auf der südlichen Mole fällt an einem Fabrikgebäude der gelbe Sonnenstern auf rotem Grund auf: Aurora, Markenzeichen der Kampffmeyer-Mühlen. Eigentlich wollte das Unternehmen seinen Standort für die größte hessische Mühle aufgeben, doch nachdem sich die HFM bereit erklärte, „Hilfestellung zu leisten“, wie Janicke sagt, hat sich Kampffmeyer schließlich entschieden zu bleiben. Details will Janicke aber nicht nennen. Seit 1914 wird in der Hildebrandmühle, wie das Unternehmen am Frankfurter Standort heißt, Getreide gemahlen, mittlerweile 150.000 Tonnen im Jahr. Nun erneuert Kampffmeyer seine Maschinen und Gebäude für zehn Millionen Euro.

Herbert Janicke ist zufrieden mit der wirtschaftlichen Lage des Hafens: 50 Millionen Euro haben die Hafenanlieger in den vergangenen fünf Jahren investiert, weitere 100 Millionen sollen es bis zum Jahr 2020 sein. Außerdem seien 99 Prozent der Hafenfläche durch mittel- oder langfristige Verträge vermietet oder verpachtet. Seit ihrer Gründung im Jahr 2001 macht die HFM Gewinn.

Doch es ist nicht alles rosig: „Unsere Hauptsorge ist die Verkehrssituation“, sagt Janicke. „Problematisch ist die Sanierung der Honsellbrücke.“ Weil diese nicht befahrbar ist, sei der Verkehr eingeschränkt. Die LKW müssen einen Umweg über die Intzestraße machen. Kolonnenweise sieht und hört man sie dort durchfahren. Einige Unternehmen sollen über Umsatzeinbußen klagen. „Wenn die Brücken Mitte 2013 fertig sind, wird das eine wesentliche Verbesserung für uns sein“, sagt Janicke. Allerdings müsse der Zeitplan eingehalten werden, wäre eine Verzögerung problematisch.“ Zudem sei die Franziusstraße auf der südliche Halbinsel sanierungsbedürftig. Der größte Teil des Umschlags wird per LKW abgewickelt.

Nur wenige Schiffe in einem der zehn größten Häfen

Für einen der zehn größten Binnenhäfen Deutschlands sind in den Hafenbecken wenige Schiffe zu sehen. Das sei, so Geschäftsführer Janicke, der Tatsache geschuldet, dass die Schiffe mit der Zeit größer geworden seien. Noch immer sei aber der Binnenschiffverkehr das ökologischste und kostengünstigste Transportmittel, allerdings auch vergleichsweise langsam und abhängig von Witterung. Zwar habe man im vergangenen Jahr wegen Niedrigwasser und einer vierwöchigen Sperrung des Rheins Einbrüche im Umschlag gehabt, dies aber durch die Bahn ausgeglichen. In diesem Jahr erwarte man wieder einen Schiffsgüterumschlag von zweieinhalb Millionen Tonnen.

Seit vier Jahren ertüchtigt die HFM die Kaimauern. Auch das 52 Kilometer umfassende Schienennetz der Hafenbahn wird erneuert. Sie bildet die dritte Komponente im trimodalen Verkehr (Schiff, LKW und Bahn). Seit dem Jahr 2003 fahren die Lokomotiven auch auf dem Schienennetz der Deutschen Bahn. Die Hafenbahn verläuft auf der ältesten Schienenstrecke Frankfurts zwischen dem alten Ostbahnhof und dem Westhafen. Mit der Zeit wurden einige Gleise stillgelegt. An der Intzestraße kann man alte Güterwaggons der ehemaligen städtischen Hafenbetriebe zugewuchert auf einem Abstellgleis stehen sehen.

An einigen Stellen im Osthafen riecht es nach Müll

Sonst dominiert im Osthafen eine nachhaltigere Form des Recyclings: Einige Unternehmen verwerten Bauschutt und Schrott wieder, die FES hat hier einige Anlagen. Dementsprechend riecht es an einigen Stellen östlich der Autobahn, auf dem Gelände des Oberhafens, nach Müll. Daneben finden sich an den zwei Hafenbecken aus den 50er Jahren viele riesige Tanks mit Mineralöl und Gas, aber auch Zementhersteller und Fahrzeug-Firmen.

Insgesamt sind 115 Unternehmen am Frankfurter Hafen, zu dem auch der Gutleuthafen gehört, angesiedelt. Dazu zählen auch Firmen wie Nokia, Napster und die Effekte-Schmiede Pixomondo. Außerdem hat sich im Gewerbegebiet eine Mischung von Institutionen wie dem Verein Abenteuerspielplatz Riederwald, der Integrativen Drogenhilfe und FKK-Clubs angesiedelt.

Am Schwedlersee, einem abgetrennten und begrünten Teil des Nordbeckens im Unterhafen, sind zwei Vereine zu Hause: Die Frankfurter Fischer- und Schifferzunft von 945 und der erste Frankfurter Schwimmclub von 1891, der den See nutzt. Über die angeschlossene Bar kommen auch Nicht-Mitglieder in den Genuss der Oase inmitten des Gewerbegebiets.

Immer wieder sollten am Osthafen Wohnungen entstehen

Immer wieder war davon die Rede, am Osthafen Wohnraum zu schaffen. Herbert Janicke sieht solche Vorhaben als Problem. „Ein großes zusammenhängendes Gewerbegebiet ist von Vorteil“, sagt er. „Bei Belastungen kann es sich besser entwickeln als mit Wohnbebauung.“ Entsprechende Pläne an der benachbarten Offenbacher Hafenmole ließen sechs Osthafen-Betriebe klagen, da sie Einschränkungen fürchteten. Schließlich wurde ein Vergleichsvertrag mit Lärmschutzvereinbarungen zwischen Kommune und Klägern geschlossen.

Und so lässt sich auch guten Gewissens am kommenden Wochenende das Hafenfest feiern, als große Party oder als Bildungsausflug, auf jeden Fall aber mit einem Feuerwerk, das der 100 wechselvollen Jahre würdig sein soll. Unter anderem wird auch die Jubiläumsausstellung, die drei Monate im Institut für Stadtgeschichte zu sehen war, gezeigt werden – ganz in der Tradition des Osthafens auf einem Kiesfrachter.

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