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Frankfurt-Ostend Schandfleck Ostbahnhof

Seit Jahrzehnten ärgern sich Anwohner über den Zustand des Ostbahnhofs und seinen Vorplatz. „Das Provisorium stellt die Dauerlösung dar“, sagt der Stadtbezirksvorsteher Wilhelm Guth.

Die Brachfläche vor dem Ostbahnhof versuchen Hobbygärtner zu begrünen. Foto: Rolf Oeser

Als sich Wilhelm Guth im Ortsbeirat erstmals mit dem Danziger Platz im Ostend beschäftigte, sei dieser in die Annalen eingegangen als einziger Platz, der keine Bank hatte. Das war vor 13 Jahren. Stets hätten er und Mitstreiter versucht, den Platz aufzuhübschen – ohne durchschlagenden Erfolg. „Es ist keine gestalterische Hand zu erkennen“, sagt der 62-Jährige, inzwischen Stadtbezirksvorsteher. „Das Provisorium stellt die Dauerlösung dar.“

Seit Jahrzehnten bemängeln Anwohner und Stadtteilpolitiker die Zustände am Danziger Platz und am Ostbahnhof. Von „Schandflecken“ sprach Ex-Ortsvorsteher Bodo Pfaff-Greiffenhagen Ende 2012 im Interview mit der FR. Der CDU-Politiker führte das damals auf die Sturheit der Bahn zurück. Alles hänge an der nordmainischen S-Bahn.

Mehr als drei Jahre später sieht es an selbiger Stelle zwar nicht mehr ganz so trostlos aus. Doch noch immer muss die nordmainische S-Bahn kommen, ehe der Wandel des Bahnhofs samt Vorplatz endgültig vollzogen werden kann. Das Problem: Der Gleisbau soll erst 2021 beginnen.

Auf rund 20 Kilometern nördlich des Mains sollen die Bahnen der Linie 5 künftig von Frankfurt über Maintal nach Hanau fahren. Ein 1,4 Kilometer langer Tunnel ist von der Konstablerwache bis zum Danziger Platz vorgesehen. Dort soll eine unterirdische S-Bahn-Station entstehen. Anwohner, Unternehmen und Behörden haben jüngst Einwände vorgetragen. Die Deutsche Bahn muss ihre Pläne nun nochmals überarbeiten.

Immerhin: Der Ostbahnhof hat inzwischen eine hellere Beleuchtung, einen neuen Bahnsteig und eine neue Unterführung erhalten. Die Bahn hat auch nicht benötigte Gleise zurückgebaut und ein neues Dach auf dem Bahnsteig errichtet. Es sorgte wohl nicht zuletzt der Druck, den der Umzug der Europäischen Zentralbank ins Ostend ausgelöst hat, dafür, dass zumindest eine provisorische Lösung möglich wurde.

Einstiges Industrie- und Arbeiterviertel

Als der heutige Bahnhof 1913 eröffnet wurde, war das Ostend noch kein bei Investoren begehrtes Quartier, sondern ein Industrie- und Arbeiterviertel. „Der Bahnhof vor der Zerstörung war sehr schön“, sagt Christiane Dubuque aus der Geschichts-AG im Nachbarschaftszentrum. Damit spricht sie die Bomben an, die den Bahnhof im Zweiten Weltkrieg verwüsteten. Das ursprüngliche Empfangsgebäude brannte aus – und wurde abgerissen. Es entstand ein nüchterner Zweckbau im Stil der 60er Jahre, den heute Stahlgerüste vor dem Verfall bewahren. Bis zur Inbetriebnahme des Durchgangsbahnhofs fuhren die Züge den Hanauer Bahnhof an – einen Kopfbahnhof, der sich zwischen Röderbergweg, Zobelstraße und Hanauer Landstraße befand.

Zurück in die Gegenwart, wo der Wandel des Ostends weiter Fahrt aufnimmt. Seit 2012 hat hier der Globetrotter-Markt – ein Fachgeschäft für Trekking-Zubehör, eine Filiale. Auf der daneben liegenden Brachfläche, wo früher ein Hochbunker stand, soll ein Drei-Sterne-Haus der Hotelkette Hampton by Hilton mit 182 Zimmern entstehen. „Das ist in der vergangenen Woche genehmigt worden“, teilt der Sprecher des Planungsdezernats, Mark Gellert, mit.

Auf einer weiteren Brachfläche trägt der Frankfurter Garten zur Aufwertung bei. Mitten auf dem Danziger Platz, um den herum einst Straßenbahnen fuhren, begrünen Hobbygärtner den Asphalt. „Der Platz verändert sich Stück für Stück“, sagt Christiane Dubuque und fügt hinzu: „Er ist nicht mehr ganz so wüst.“ Allerdings: Das Wort Schandfleck kommt auch ihr noch über die Lippen.

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