Lade Inhalte...

Frankfurt-Ostend „Die Ungewissheit ist sehr belastend“

Der Vermieter hat dem Jugend- und Kulturverein die Unterkunft in der Zoo-Passage gekündigt. Vorstandmitglied Saadet Sönmez spricht im FR-Interview über den Kampf um neue Räumlichkeiten und welche Bedeutung ihr Verein für das Ostend hat.

Saadet Sönmez kämpft für den Erhalt der Vereinsräume. Foto: Andreas Arnold

Seit 2007 hat der Jugend- und Kulturverein seinen Sitz an der Hanauer Landstraße. In den rund 220 Quadratmeter großen Räumen betreut er vor allem türkisch stämmige Jugendliche, bietet ihnen unter anderem Mittagessen und Hilfe bei den Hausaufgaben. Im November wurde dem Verein gekündigt. Mit Protesten machten sie auf ihre prekäre Lage aufmerksam.

Frau Sönmez, haben die Proteste etwas gebracht?
An der Rechtslage hat sich nichts geändert. Die Kündigung besteht weiterhin. Jedoch wurde uns von unserem Vermieter ein Angebot über ein anderes Objekt in der Zoo-Passage unterbreitet. Es wurde uns noch kein konkreter Besichtigungstermin mitgeteilt. Es ist nur bekannt, dass die Räume etwa 100 Quadratmeter kleiner sind als die jetzigen. Wir wären bereit, das in Kauf zu nehmen. Wir sind noch in Verhandlungen. Fakt ist: Wir müssen immer noch aus- beziehungsweise umziehen. Daran hat sich leider nichts geändert. Die Ungewissheit, wie es weitergeht, ist sehr belastend.

Die Zoo-Passage wird umgebaut, müssen Sie Platz machen für gewinnbringendere Mieter?
In der Zoo-Passage wird renoviert, das sieht man. Es ist im Gespräch, dass Firmen wie eine Drogerie einziehen. Die Veränderungen im Ostend sind nicht zu übersehen, wir sind auch nicht prinzipiell gegen Veränderung und Aufwertung des Viertels. Wir hätten aber gerne einen Platz darin.

Sie wollen sich mit der Kündigung nicht abfinden, was haben Sie bis jetzt unternommen?
Wir haben in der Ortsbeiratssitzung unser Anliegen geschildert und vor dem Jugend- und Sozialausschuss gesprochen, Unterstützung bekommen wir unter anderem von der Mieterinitiative Nordend Bornheim Ostend, vom Jugendring und Jugend – und Sozialamt. Wir haben uns an Oberbürgermeister Peter Feldmann gewandt, er wollte sich für den Erhalt unseres Vereins einsetzen.

Ist es so schwer einen anderen Raum zu finden?
Am besten wäre es, wenn wir im Stadtteil bleiben könnten. Wir sind hier verwurzelt, die meisten Mitglieder kommen aus dem Viertel. Zudem zahlen wir eine verhältnismäßig geringe Miete und können uns keine teuren Räume leisten. Erschwerend kommt hinzu, dass schon der Name unseres Vereins „Jugend und Kulturverein“ für viele Vermieter mit sehr vielen Vorurteilen verbunden ist, wie „Jugendliche sind sehr laut und machen nur Randale“.

Könnte der Verein auch ohne Räume bestehen bleiben?
Das wäre ein riesengroßes Problem. Ohne Räume könnten wir den pädagogischen Mittagstisch und die Hausaufgabenbetreuung nicht mehr anbieten. Zudem treffen sich hier regelmäßig Jugendliche aus dem Viertel zu Diskussionen und Infoabenden, besuchen unsere Theatergruppe, den Frauenchor oder unseren Sonntagsbrunch. Wir müssten unsere Projekte für unbestimmte Zeit einstellen und dies hätte fatale Folgen für unsere Arbeitsgruppen.

Welche Bedeutung hat der Verein für den Stadtteil?
Es gibt keinen vergleichbaren Verein im Viertel. Wir sind eine Anlaufstelle für soziale Probleme und stehen beratend zur Seite. Soziale Treffpunkte gibt es sonst nicht im Ostend für diejenigen, die auf günstige Freizeitangebote angewiesen sind. Ziel ist es auch, einen Beitrag zur Integration zu leisten. Gerade in Zeiten, in denen viele Jugendliche radikalisiert werden, ist es wichtig, diese Angebote zu erhalten, da sie solchen Entwicklungen entgegentreten und zum Frieden in unserer Gesellschaft beitragen könnten.

Was gedenken Sie als nächstes zu tun?
Allein sind wir leider nicht in der Lage das Ganze zu bewältigen. Wir sind auf die Unterstützung der Stadt und anderen Verbänden und Gremien angewiesen. Unsere Jugendlichen und der Vorstand werden in den nächsten Tagen leerstehende Räume in verschiedenen Stadtteilen abklappern. Da aber der Verbleib im Ostend beziehungsweise in der Zoo-Passage Priorität für uns hat, werden wir uns auch stark auf die Verhandlungen mit unserem Vermieter konzentrieren und versuchen mit ihm eine Lösung zu finden.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen