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Frankfurt Ostbahnhof Schandfleck am Gleis

Der Frankfurter Ostbahnhof ist eine Katastrophe. Generationen von Politikern haben sich Gedanken über ihn gemacht. Passiert ist jedoch nichts.

Ein einziger Schandfleck: der Ostbahnhof in Frankfurt. Foto: Michael Schick

Der Frankfurter Ostbahnhof ist eine Katastrophe. Generationen von Politikern haben sich Gedanken über ihn gemacht. Passiert ist jedoch nichts.

Der Frankfurter Ostbahnhof ist der Bahnhof für Tage, an denen die Frisur nicht so gut sitzt. Oder wenn man sich mal fühlen will wie in der Bronx. Der Ostbahnhof ist ein Ort für Katastrophentourismus. Drehort für einen Film über den Weltuntergang.

„Ich bin jetzt 50“, sagt Bodo Pfaff-Greiffenhagen, der Ortsvorsteher, „und ich kannte den Ostbahnhof als Kind schon so, wie er heute ist.“ Das kann im Ostend jeder bestätigen. Und wenn sich doch etwas geändert hat, dann zum Schlechteren.

Irgendwann müssen Gleis 1 und 2 gesperrt worden sein. Irgendwann muss jemand die Außenfassade mit Stahlträgern abgestützt haben, damit sie nicht umfällt und Passanten erschlägt. Irgendwann hat man den Tabakladen verrammelt. Und irgendwann haben Menschen angefangen, die Unterführung zu Gleis 3 und 4, Pardon, vollzupissen. Es stinkt erbärmlich. Jenen, die den Eingang zur S-Bahn-Station überhaupt finden. Vom Schild hängen nur noch sinnfreie Fragmente.

Alles hängt voller Warnschilder

Ein Mann stolpert die Treppe zum Bahnsteig hinauf und rülpst. Oben hängt alles voller Warnschilder, Fahrpläne flattern im kalten Wind. Der Blick fällt auf Graffiti-Wände, verlassene Gebäude und den ebenfalls seit Jahrzehnten von allen guten Geistern verlassenen Danziger Platz.

„Hier müsste was gemacht werden“, spricht Vanessa Albert das Offenkundige aus. „Unten übernachten Obdachlose, oben regnet es durch das Blechdach auf den Bahnsteig.“ Die 19-Jährige ist auf dem Weg zur Musical-Schule an der Hanauer Landstraße. Der Bahnhof würde als Kulisse für die West Side Story taugen. East Side Story halt. Fehlen nur die rivalisierenden Jugendgangs.

Generationen von Politikern machten sich Gedanken über den Ostbahnhof. In ihren Plänen zogen Ideenwettbewerbe, Abrisse und Neubauten in Scharen vorüber. Passiert ist: nichts.

Der Regionalzug hält

„Eine Veralberung des Ortsbeirats“ sei der jüngste Auftritt der Bahn-Verantwortlichen in Sachen Ostbahnhof gewesen, sagt der Ortsvorsteher. Veralberung ist das sanfte Wort für das, was Bodo Pfaff-Greiffenhagen meint. Wobei: „Einen Verantwortlichen finden Sie ja da sowieso nicht.“ Kloake, Schandfleck nennt der CDU-Mann das ganze Areal. Eigentlich sollte es eine Lücke im Grüngürtelzug vom Ostpark zum Hafenpark schließen, sagt er. „Schöne Idee – eigentlich.“

Auf Gleis 3 hält der Regionalzug an. Erstaunlich viele Menschen strömen heraus. 30, 40 Leute, mitten am Tag, in Sekunden verschwunden, nichts wie weg hier. Zurück bleiben der kalte Wind und ein Plakat: „Entdecken Sie, was unser Land so einzigartig macht.“ Gemeint ist Island.

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