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Frankfurt Offenes Ohr für Polizisten

Sabine Christe-Phillipi arbeitet im Frankfurter Polizeipräsidium als Seelsorgerin. Sie ist hessenweit in der katholischen Polizeiseelsorge die erste Frau im Amt.

Polizeiseelsorgerin
Die katholische Polizeiseelsorgerin Sabine Christe-Philippi. Foto: Rolf Oeser

An der mit rotem Samt bespannten Pinnwand von Sabine Christe-Philippi prangt nur ein Wort: Gelassenheit. Mit diesem Schlagwort versucht sie ihre neue Aufgabe als Seelsorgerin im Polizeipräsidium Frankfurt anzugehen und diese Gelassenheit auch ein Stück weit auf die Beamten zu übertragen. In ihrem kleinen Arbeitszimmer im Erdgeschoss bekommt sie zur Zeit noch nicht die Tür eingerannt von Beamten auf der Suche nach Zuspruch oder einem offenen Ohr. „Das braucht Zeit“, sagt die studierte Theologin des Bistums Limburg.

In der katholischen Polizeiseelsorge ist Christe-Philippi hessenweit die erste und einzige Frau. Nach ihrem Studium in Mainz hat sie zunächst als Gemeindevertreterin in Harheim und Nieder-Erlenbach gearbeitet und so erste Kontakte zu Frankfurt geknüpft. Von 2003 bis 2016 wirkte die Mutter zweier Kinder dann als Studienleiterin im Haus am Dom. Dann wollte Christe-Philippi nochmal etwas anderes machen. Daher zögerte sie nicht lange, als im Sommer 2016 die Anfrage des Bistums kam, ob sie in der Polizeiseelsorge arbeiten wolle. Zunächst war sie für das Polizeipräsidium Westhessen zuständig, nun kümmert sich Christe-Philippi auch um die Polizeibeamten in Frankfurt.

Derzeit versucht die Seelsorgerin vor allem, sich bei polizeiinternen Veranstaltungen bekanntzumachen und das persönliche Gespräch mit den Beamten zu finden. Christe-Philippi will dabei auch vermitteln, dass sie von außen kommt, der Verschwiegenheitspflicht unterliegt und somit, wie sie selbst sagt, „richtig was bieten kann“.

Auch mal unter die Streifenbeamten mischen

In Wiesbaden ist die Theologin ein bisschen besser vernetzt, dort ist die Seelsorgerin auch schon auf Streife mitgefahren und hat beim Schießtraining zugeschaut. Auch in Frankfurt will sie sich mal unter die Streifenbeamten mischen. Als zusätzliche Brückenköpfe fungieren die Beiratsmitglieder der Katholischen Polizeiseelsorge, Polizeibeamte, die sich in der kirchlichen Arbeit engagieren.

In Frankfurt ist Arno Menge als Beiratsmitglied aktiv. Der Hauptkommissar hat aus seinem Glauben nie einen Hehl gemacht und weiß von der ein oder anderen Spitze zu berichten, die er sich anhören musste. Eine Dame auf dem Geschäftszimmer habe ihn mal „den Tempelprediger“ genannt. Wegen möglicher Vorbehalte in der Männerdomäne Polizei weiß Menge, wie wichtig der persönliche Kontakt ist. „Sonst ist die Hürde einfach zu hoch.“

Christe-Philippi verspricht, sich alle Sorgen unabhängig von Konfession oder Religion anzuhören. Sei es ein Streit im privaten Bereich oder die Belastung durch den G20-Gipfel. Auf einem Flyer zu ihrer Arbeit steht: „Zuhören, Begleiten, Aushalten“. Patentrezepte, sagt die Seelsorgerin, habe sie keine, aber Anteil nehmen kann sie, mit aller Gelassenheit.

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