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Frankfurt Ochsenfrosch im Einmachglas

Spannende Fragen beim Tag der offenen Tür am Senckenberg Institut für Biodiversität.

Senckenberg Museum
Das Senckenberg Museum in Frankfurt. Foto: imago stock&people (imago stock&people)

Es gibt natürlich viele Wege, Kinder für die Wissenschaft zu begeistern. Mindestens zwei davon sind am Samstag auch beim Tag der offenen Tür am „Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum“ vertreten.

Eine davon ist ein Quiz. In der Station „Wir sind die Neuen!“ etwa klärt Hanno Seebens über Neuankömmlinge im heimischen Tierreich auf. Wer Quizfrage Nummer zehn lösen will, kommt an ihm nicht vorbei. „Welche Art kommt ursprünglich in Deutschland vor?“ lautet die Frage, „Gottesanbeterin, Lupine, Halsband-Sittich, Fasan“ lauten die möglichen Antworten.

Fast keines der Kinder weiß, dass die Gottesanbeterin schon immer hier lebt – wenn auch bis vor kurzem fast ausschließlich im Süddeutschen, in der Gegend um Freiburg. Und was ist mit dem Fasan, der im Gegensatz zur Gottesanbeterin durch so manches deutsche Märchen geistert? Von den Römern eingeschleppt, weiß Seebens, aus kulinarischen Gründen.

Die Frage, ob der Fasan nach so langer Zeit nicht das Bürgerrecht verdient hat, kann Seebens aber auch nicht beantworten. Es gebe Wissenschaftler, die die Trennung zwischen alten und neuen Arten zeitlich in der Zeit zögen, in der der olle Kolumbus Amerika bereiste, aber hier stritten die Gelehrten.

Und als ob das alles nicht spannend genug wäre, gibt es in dem Raum noch ein paar eingelegte oder ausgestopfte Exponate fragwürdiger Fauna-Einwanderer: einen veritablen Marderhund, eine etwas gruselige Blumentopfschlange, die sich via Umtopfungen verbreitet, oder einen amerikanischen Ochsenfrosch, der bereits seit 1958 sein Leben nach dem Tode in einem Einmachglas fristet. „Davor hat der einen Höllenlärm gemacht“, verrät Seebens einem Jungen, der eigentlich wegen der Gottesanbeterin-Frage da ist. „Das sollen Frösche ja auch machen!“, sagt der Junge.

Das ist natürlich ein Weg, Kinder für die Welt der Wissenschaft und Biodiversität zu gewinnen. Sie ist allerdings ein bisschen aufwendig. Der andere Weg ist einfacher. Denn es gibt im Forschungszentrum an diesem Tag auch ein paar Türen, die verschlossen bleiben, und an denen doch kein Kind ab dem lesefähigen Alter vorbeigeht, ohne einen sehnsuchtsvollen Blick hinter die Kulissen zu versuchen. „Gentechnische Anlage, Sicherheitsstufe 1, kein Zutritt für Unbefugte!“, ist dort zu lesen, und „Feuer- und Explosionsgefahr“. Vor allem letzteres lässt junge Forscherherzen offenkundig schneller schlagen, da hat sich seit Kolumbus’ Zeiten nichts geändert.

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