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Frankfurt-Oberrad Mit Liebe gekelterter Apfelwein

Beim Apfelweinfestival in Oberrad messen sich 14 Hobby-Kelterer darin, wer das beste Stöffsche des Stadtteils aus seinen Fässern geholt hat. Die Jury besteht aus den Besuchern. Neben der Farbe kommt es auch auf Aroma und Geruch der Weine an.

Farbe, Aroma, Geruch: 14 Schoppe gilt es zu bewerten. Foto: Rolf Oeser

Auf einer langen Theke im Bürgerhaus stehen sie auf roten Plastiktischdecken: 15 große Bembel mit dem gleichfarbigen Ortswappen von Oberrad. Beim Apfelweinfestival, das zum wiederholten Mal der Ski-Club organisiert hat, messen sich 14 Hobby-Kelterer darin, wer das beste Stöffsche des Stadtteils aus seinen Fässern geholt hat.

Zur Jury gehören alle Besucher, die nach Probe der Weine Punkte verteilen. Daneben tritt außer Konkurrenz auch ein Gast-Kelterer mit an, in diesem Jahr ist es das dreiköpfige Team der „Seckbacher Pressung“. Michael Koch vom Ski-Club berichtet: „In Seckbach wollen sie auch so etwas aufziehen und hier Erfahrungen sammeln.“ Für Koch bedeutet das Festival, eine „Tradition zu erhalten“. Bereits zum neunten Mal findet es statt, in den ersten sieben Jahren wurde es vom Männerchor organisiert.

Rund 250 Besucher leisten an diesem Sonntagnachmittag ihren Teil zur Traditionserhaltung. Mit kritischem Blick werden die gerippten Gläser gegen das Licht gehalten, um die Farbe des Getränks zu prüfen. Das ist auch ein Kriterium für André Stranz, der mit seiner Familie aus der Wetterau angereist ist. Der Landwirt ist mit einem der teilnehmenden Hobby-Kelterer befreundet. Aber die Punkteverteilung läuft anonym, wird sogar von einem Notar überwacht. So kann er seinem Freund keine Punkte zuschanzen. Der 34-Jährige keltert selbst und weiß, wovon er spricht. „Wenn die Farbe goldgelb ist, ist der Schoppen optimal.“ Ein „Hausgemachter“ dürfe aber auch naturtrüb sein. Daneben sind für ihn Aroma und Geruch von Bedeutung. Für ihn ist die Probe Nummer 15 der Favorit: „Nicht zu süß, nicht zu sauer.“ Eine „1++“ hat er auf seinem Notizzettel vermerkt.

Die richtige Temperatur ist wichtig

Ralf Dinse aus Bornheim bevorzugt leichte Apfelweine mit „Sommer-Cuvée“. Vergangenes Jahr votierte er für den späteren Sieger; in diesem Jahr ist die Nummer 6 sein Lieblingswein. Zu den erfahrensten Kelterern gehört Adolf Krämer. Der 81-Jährige hat das Keltern vom Vater übernommen. Mittlerweile sind auch seine Frau und Tochter dabei. Er schwört auf „Steinberger Hefe“, Holzfässer und die richtige Temperatur. „Im Keller sollte es nicht über 13 Grad sein.“

Die Vorjahres-Drittplatzierten sind die „Abbelsinen“, drei Schwestern und ihre Cousine. Sie sind die jüngsten im Teilnehmerfeld und erst zum zweiten Mal dabei. Im elterlichen Gewölbekeller im Ortskern wird ihr Saft gegoren. Die Äpfel für die 400-Liter-Jahresproduktion seien alle aus Oberrad und selbst gesammelt, betont Angelika, die kürzlich ihr BWL-Studium abgeschlossen hat. „Wir machen reinen Apfelwein, ohne Schwefel und Hefe“, so die 24-jährige. „Liebe“ sei ihr Geheimrezept für das Gelingen, sagt Schwester Daniela. Am Ende reicht es für die Abbelsinen für den zweiten Platz, Gewinner wird Reinhold Scondo.

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