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Frankfurt NS-Geschichte Ein Leben gegen rechts

Der Kommunist Hans Schwert stirbt im Alter von 105 Jahren. Der Frankfurter überlebte eine Odyssee durch 14 Gefängnisse und Lager der Nationalsozialisten. Der Gewerkschafter sah es danach als seine Lebensaufgabe, die Erinnerung an den Faschismus wachzuhalten.

Ein Bild wenige Wochen vor seinem Tod. Foto: Sascha Rheker

Der Kommunist Hans Schwert stirbt im Alter von 105 Jahren. Der Frankfurter überlebte eine Odyssee durch 14 Gefängnisse und Lager der Nationalsozialisten. Der Gewerkschafter sah es danach als seine Lebensaufgabe, die Erinnerung an den Faschismus wachzuhalten.

Noch am 2. Mai hat er im Frankfurter Gewerkschaftshaus gesprochen. Mit kraftvoller Stimme, ohne Mikrofon, wie Teilnehmer der Veranstaltung berichten. Hans Schwert erzählte von der Erstürmung der Zentrale der Gewerkschaften durch Schlägertrupps der Nationalsozialisten 80 Jahre zuvor. Er war der letzte lebende Zeitzeuge. Nach seiner Rede erhob sich das Publikum zu einem zehnminütigen Beifall. Jetzt ist der Kommunist im Alter von 105 Jahren gestorben.

Seine 67-jährige Tochter Doris Fisch und weitere Angehörige waren bis zur letzten Minute an seiner Seite. „Das war uns eine große Beruhigung, dass er im Tod nicht alleine war.“ Nach seinem letzten Auftritt im Gewerkschaftshaus hatte der alte Mann mehrere Schwächeanfälle erlitten und am Ende erklärt, er wolle nicht mehr leben. Das war so ungewöhnlich, dass alle erschraken. Denn zuvor hatte der gebürtige Nürnberger über viele Jahrzehnte unerschütterliche Lebenskraft bewiesen. Sie war sein Markenzeichen gewesen – auch unter schlimmsten Umständen.

Aufgewachsen im fränkischen Pfaffendorf in ärmlichen Verhältnissen, konnte er die Volksschule nur bis zum 14. Lebensjahr besuchen. Für eine Weiterbildung fehlte der Familie das Geld. 1927 kam der junge Maurer und Gewerkschafter nach Frankfurt. Er besuchte die Marxistische Arbeiterschule und trat in die KPD ein.

SA-Leute grölen vor Freude

Wie er den 2. Mai 1933 erlebte, hat Schwert unzählige Male erzählt. Wie Hunderte von SS- und SA-Leuten von den Lastwagen sprangen und in das Gewerkschaftshaus eindrangen. Wie gerade die SA-Leute „vor Freude grölten“. Wie die Menschen „rausgeschmissen, zum Teil geschlagen“ wurden. Viele Gewerkschafter wurden an diesem Tag verschleppt, Schwert aber entkam.

Bis zuletzt wurde er nicht müde, zu wiederholen: „Faschismus ist ja Terrorismus.“ Und er warnte bei seinen öffentlichen Auftritten: „Seien wir vorsichtig, die Gefahr besteht noch heute.“ Im Untergrund während der ersten Jahre der Nazi-Zeit sammelte er Geld für den Widerstand, auch für den Kampf der Internationalen Brigaden im Spanischen Bürgerkrieg. Im August 1936 wurde der Kommunist von der Gestapo verhaftet und mehr als ein Jahr lang im Frankfurter Gefängnis „Klapperfeld“ im Gerichtsviertel immer wieder verhört, misshandelt, brutal zusammengeschlagen. Man wollte Namen von Genossen aus ihm herauspressen, die er aber nicht preisgab.

Es war der Beginn einer unglaublichen, jahrelangen Odyssee durch insgesamt 14 Gefängnisse und Lager der nationalsozialistischen Terrorherrschaft. Erst im Frühjahr 1945 wurde er durch US-Truppen befreit.

Trotz dieser Erlebnisse gelang es Schwert, nach seiner Rückkehr nach Frankfurt ein Berufsleben zu führen. „Er arbeitete bei der Stadt und war Angestellter im Versicherungsamt“, sagt seine Tochter. Bald war er Vorsitzender des Personalrates und blieb es bis zu seiner Pensionierung.

Auftritte vor Schulklassen

Vor allem aber sah es der Kommunist als seine Lebensaufgabe an, die Erinnerung an den Faschismus wachzuhalten. Ungezählt waren seine Auftritte und Reden vor Schulklassen. Er organisierte antifaschistische Stadtführungen durch Frankfurt – immer wieder mit Schülern, Auszubildenden, anderen Jugendgruppen. Auch vor dem „Klapperfeld“ machte er dabei Station – betrat aber den Ort selbst nie mehr.

Die Stadt Frankfurt würdigte ihn mit der Johanna-Kirchner-Medaille. Bis zuletzt war er Mitglied in der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN).

Die Trauerfeier für Hans Schwert ist am 29. Mai ab 13 Uhr auf dem Frankfurter Hauptfriedhof.

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