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Frankfurt NS-Geschichte Die gerade Linie - ganz links

Der Gewerkschafter Hans Schwert wird an diesem Montag, 17. September, 105 Jahre alt. Seit er politisch aktiv ist, hat der Kommunist sich immer an seinen Idealen orientiert. Bis heute.

17.09.2012 21:40
Natalie Kiehl
Hans Schwert erklärt. Foto: Martin Weis

Der Gewerkschafter Hans Schwert wird an diesem Montag, 17. September, 105 Jahre alt. Seit er politisch aktiv ist, hat der Kommunist sich immer an seinen Idealen orientiert. Bis heute.

Hans Schwert hat nie bloß zugeschaut. Um gesellschaftliches Unrecht zu beseitigen, war ihm der Preis für sein Engagement egal. Und als Kommunist und Gewerkschafter in der Weimarer Republik war dieser Preis sehr hoch. Nach der Machtübernahme der Nazis 1933 kann er nur noch illegal tätig sein. „Ich habe kaum eine Nacht geschlafen,“ erzählt er, zu viel gab es zu tun: heimlich Flugblätter drucken, Fabrikarbeiter organisieren, sich mit anderen Widerständlern vernetzen.

Er ist sich des Risikos bewusst, das er eingeht. Als er 1936 von der Gestapo verhaftet wird, „habe ich mit allem abgeschlossen,“ sagt er in einem Interview, dass er 2009 der Initiative „Faites votre jeu“ gab. „Ich wusste: Ich bin in der Hand von Mördern.“

In 14 Gefängnissen eingesessen

Ein Jahr hält ihn die Gestapo fest, er wird immer wieder verhört und misshandelt. Aber: „Ich habe keinen belastet. Es war die Richtlinie meiner Partei, vor dem Feind keine Aussage zu machen. Das war für mich eine heilige Sache.“ Viele seiner Mitstreiter halten sich daran nicht: Im Prozess belasten ihn 25 Zeugen schwer. Hans Schwert wird zu zehn Jahren Haft verurteilt.

Doch auch das Zuchthaus kann ihn nicht von seinen Überzeugungen abbringen. Als er von der Hinrichtung eines Hamburger KPD-Funktionärs erfährt, organisiert er eine heimliche Gedenkminute. „Wenn die Wärter das mitbekommen hätten.. “ schüttelt Schwert heute den Kopf über sich. „Aber ich habe Glück gehabt.“ Erst 1945, nach einer Odyssee durch 14 Gefängnisse wird er befreit und geht zurück nach Frankfurt.

Zeitzeuge für "Faites votre jeu"

Seitdem hat er sich immer für andere eingesetzt. Er engagiert sich 20 Jahre lang im Personalrat für die städtischen Angestellten. Als Kommunist muss er immer wieder berufliche Einschränkungen hinnehmen, doch das hält ihn nicht auf. „Man kann nur einen Weg gehen, ganz gerade,“ sagt er. „Ich habe mich für ganz links entschieden.“ Diese Integrität und sein Engagement haben dazu beigetragen, dass er von seinen Kollegen sehr geschätzt wurde.

Bis heute tritt er auf Veranstaltungen gegen Rechts auf. Als „Faites votre jeu“ in das ehemalige Polizeigefängnis am Klapperfeld einzog, stellte er sich für Zeitzeugeninterviews zur Verfügung. Aber noch einmal in das Gebäude hineinzugehen, in dem ihm so viel Leid zugefügt wurde, hat er bis heute nicht über sich bringen können. „Ich habe das alles noch genau vor Augen,“ sagt er. Manche Erinnerungen hören nie auf, weh zu tun.

Sein politisches Engagement hat er mit großer Konsequenz durchgezogen. Das gibt ihm Trost, wenn er an die heutige Finanzkrise denkt: „Dann sage ich mir: Reg’ Dich nicht mehr auf. Du hast in Deinem Leben alles getan, was Du konntest.“

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