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Frankfurt-Nordend Wo das Nordend den Sommer verbringt

Das Frankfurter Nordend ist der am dichtesten besiedelte Stadtteil - wer in einem heißen Sommer wie diesem ins Freie will, findet hier nur wenig Grün. Jenseits des Günthersburgparks lebt das Nordend vor allem auf seinen Plätzen. Nordend-Tipps fürs Wochenende.

Massenauflauf auf dem Wochenmarkt, „Friedi“ genannt. Foto: Andreas Arnold

Es soll sie ja geben, die Frankfurter, die es nur einmal im Jahr in den Günthersburgpark verschlägt. Während des Stoffel-Festivals sitzen sie zwischen den Bäumen, blinzeln in die Abendsonne und denken sich, dass man hier doch eigentlich viel häufiger mal aufschlagen müsste.

Nordendbewohnern kann das eigentlich nicht passieren. Denn dafür gibt es in Frankfurts am dichtesten besiedeltem Stadtteil zu wenig öffentliches Grün. Zu erfrischend ist der Unterschied zwischen den lärmenden Hauptverkehrsadern, die das Viertel durchziehen und dem großen, häufig von einer Brise durchwehten, Park. „Schöner ist Frankfurt nur am Main“, sagte ein Mittvierziger neulich beim Stoffel dem Autor dieses Textes – und es dürfte einige geben, die seine Meinung teilen.

Die vielen Kinder etwa: Sie lieben es, wenn vormittags die Pumpen des Wassersprühfelds im südlichen – seit 1892 öffentlich zugänglichen – Teil des Parks anfangen zu blubbern und zu spritzen. Gedankenverloren springen sie dann quietschend durch die Fontänen.

Jenseits des Günthersburgparks lebt das Nordend – vom kleinen Holzhausenpark und dem Bethmannpark abgesehen – aber vor allem auf seinen Plätzen. Zumal wenn der Sommer so heiß ist wie in diesem Jahr. Jedes noch so kleine Stück Stadt wird dann in Beschlag genommen. Am besten lässt sich das am Friedberger Platz beobachten: Freitags treffen sich hier Tausende meist gut gelaunte und meist nicht besonders leise Menschen und frönen ihrer Wein- und Bierlaune. Großstädtisch, urban, lebensfroh wirken der Platz und sein Umfeld an diesen Abenden. Doch die Feiernden hinterlassen vollgepinkelte Vorgärten und entnervte Nachbarn.

Im zuständigen Ortsbeirat 3 ist man mittlerweile ratlos. In einem Antrag vom Juli wird der Magistrat mit fast flehendem Unterton dazu aufgefordert, die „Option feste Toilettenanlagen für den Friedberger Platz“ nochmals zu prüfen.

Auch auf dem benachbarten Luisenplatz ist am Wochenende viel los und der nach dem Kabarettisten Matthias Beltz benannte und seit dem Umbau 2013 umso beliebtere Platz an der Friedberger Landstraße schäumt an manchen Abenden geradezu über vor Lebensfreude. Am vergangenen Donnerstag zum Beispiel: Neben dem Wasserhäuschen „Gudes“, wo eine Klingel betätigt wird, wenn ein Gast Trinkgeld gegeben hat, hatte sich eine Jazzband aufgebaut. Das melancholische Tröten eines Saxofons tönte durch die Luft. Und Alt wie Jung saß mit Bier oder Kaffee in der Hand daneben – Kinder jagten Seifenblasen hinterher.

Doch auch die kleineren Plätze, die in der jüngeren Vergangenheit nicht architektonisch aufgewertet wurden, haben sich teils zu beliebten Treffpunkten entwickelt. So etwa der Adlerflychtplatz am Oeder Weg. Grund für die Menschenknäuel dort ist der Imbiss „Aroma“, dessen frittierte Kichererbsenbällchen im Internet und in Gastro-Guides regelmäßig als „die besten Falafeln der Stadt“ gepriesen werden. Dementsprechend überlaufen ist der Imbiss in der Mittagszeit. So überlaufen, dass die Gäste für ihre Bestellung Nummern ziehen müssen.

Leerstand ist kaum ein Thema

Auch andernorts sind es Cafés oder Restaurants, die für eine Extraportion Leben im öffentlichen Raum sorgen – man denke nur an „Eis Christina“ in der Eckenheimer Landstraße oder an den Merianplatz mit seinem ikonisch-achteckigen Volksbrausebad von 1888. Etliche Gastrobetriebe haben sich rund um den am Rande der Berger Straße gelegenen Platz angesiedelt, Leerstand ist kaum ein Thema. Manche Läden wie das „Bethmanns Café“ sind neu – andere, wie das „Café Kante“, längst Institutionen.

Doch wie vielerorts im Nordend ist auch hier eine Veränderung hin zum Hochpreisigen zu erkennen. So eröffnet nur unweit des Merianplatzes dieser Tage das Nobelrestaurant „Trares“ – samt großer Champagnerbar, wie Sommelière Serkan Müller erzählt.

Sorge bereitet einigen Nordendlern, dass sie vielleicht trotz der jetzt schon überfüllten Freiflächen bald ein weiteres Stück von ihrem rarem Grün verlieren könnten – denn östlich der Friedberger Landstraße soll das so genannte Innovationsquartier entstehen, Kleingärten müssen dafür weichen. In der Facebook-Gruppe „Grüne Lunge am Günthersburgpark“ posten nun Anwohner und Gärtner täglich, warum die Gärten erhalten bleiben müssen. Ein „Tag der offenen Gärten“ ist geplant. Vielleicht tobt ja auch hier bald das Leben.

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