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Frankfurt-Nordend Sorge um die „Grüne Lunge“

Die CDU besucht die Kleingärtner-Initiative nördlich des Günthersburgparks. In ihr haben sich Kleingärtner und Anwohner zusammengeschlossen, die dagegen kämpfen, dass das Gelände zwischen Friedberger Land- und Dortelweiler Straße in ein Wohnviertel umgewandelt wird.

Meinungsaustausch auf dem Weg in die Idylle. Foto: peter-juelich.com

Neben den Lavendelbüschen steht ein mit fetten Früchten beladener Pfirsichbaum. Die Blätter anderer, größerer Bäume rauschen im Wind. Und nichts – außer vielleicht den Kondensstreifen der Flugzeuge am blauen Himmel – erinnert einen in den freien Gärten nördlich des Günthersburgparks daran, dass man sich hier mitten in Frankfurt befindet.

„Für Kinder ist das hier ein Paradies. Und diese Gärten sind die einzige Möglichkeit, sie wohnortnah an die Natur heranzuführen“, sagt Peter Beckmann. Der junge Vater ist Mitbegründer der Bürgerinitiative „Grüne Lunge am Günthersburgpark“, die in den kommenden Wochen Vereinsstatus erhalten soll.

Mehrere Dutzend Kleingärtner und Anwohner haben sich der Initiative angeschlossen. Sie kämpfen seit einigen Monaten lautstark dagegen, dass auf dem Gelände zwischen Friedberger Land- und Dortelweiler Straße das sogenannte Innovationsquartier als westlicher Ausläufer des Ernst-May-Viertels gebaut werden soll Ein Wohngebiet, das laut Planungsdezernent Olaf Cunitz (Grüne) „nachhaltigen und vorbildlichen“ Charakter haben soll.

Bewegung in die Pläne für das Quartier hatte die Entscheidung des Bundes gebracht, das Projekt Alleentunnel fallen zu lassen. Für den Tunnel hatte die Stadt über Jahrzehnte eine Trasse zwischen A661 und Hauptfriedhof freigehalten – und auf diesem Stück befinden sich einige der Grünflächen, um die es geht. Auch der Abenteuerspielplatz könnte dem Vorhaben im Weg sein.

Am Mittwochnachmittag haben Beckmann und einige Mitstreiter nun Mitglieder der CDU-Fraktion im Ortsbeirat 3 durch das weitläufige und verwinkelte Areal geführt und gezeigt, welche grünen Schätze dort zu finden sind – wo zum Beispiel die Bienenvölker und Füchse leben, wo die Kinder am liebsten spielen und wo die größten Kürbisse wachsen. Die Christdemokraten sind im Ortsbeirat neben der FDP die einzige Partei, die sich in den Sitzungen bislang nicht deutlich gegen die Bebauung des Areals ausgesprochen hat.

„Wir sind hier, um uns eine Meinung zum Thema zu bilden“, erklärte Mirko Trutin bei dem Rundgang, warum seine Fraktion sich jetzt näher mit den Nöten und Sorgen der Kleingärtner beschäftigt. Vor allem Fraktionsmitglied Rainer Krug scheute sich dabei nicht, inmitten der Gärten auch kritische Fragen zu stellen. So erwähnte er beispielsweise, dass das Areal bislang zu großen Teilen nicht öffentlich zugänglich ist. Die BI-Mitglieder zeigten sich offen dafür, in Zukunft Flächen für die Nutzung durch andere Stadtteilbewohner im Sinne eines öffentlichen Gartens vorzuhalten.

Einen anderen Knackpunkt stellte bei dem Rundgang das Thema Wohnen dar. „Dass wir in der Stadt mehr Flächen für Wohnungen brauchen, ist klar“, sagte Krug. Dass das Areal genau so bleibt, wie es jetzt ist, sei für die CDU deshalb keine realistische Option. „Die Stadt muss auf das Bevölkerungswachstum reagieren“.

Die Gärtner haben zum Thema Wohnen eine andere Meinung – auch das wurde bei dem Rundgang deutlich. So sagen viele, dass es sinnvoller sei, ökologisch nicht so wertvolle Ackerflächen nahe der Vororte zu bebauen als dicht bewachsene Gärten in Innenstadtnähe, die zudem soziale Treffpunkte sind. „Und wir müssen auch über das Klima in der Stadt reden“, so Beckmann. Schon jetzt sei die Frankfurter Innenstadt an Sommertagen völlig überhitzt – man dürfe deshalb keinesfalls eine der verbliebenen Frischluftschneisen verbauen.

Kompromisse in punkto Bebauung können sich einige Gärtner, wie etwa Viktor Robert, jedoch im Bereich der Friedberger Landstraße vorstellen – hier befinden sich kaum Gärten, sondern vor allem Gebrauchtwagenhändler und Schuppen. Nach der Sommerpause möchten die Garten-Aktivisten Olaf Cunitz einladen, um auch ihm den grünen Schatz am Rande des Nordends zu zeigen.

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