Lade Inhalte...

Frankfurt-Nordend Miteinander auf engstem Raum

Neue Haltestellen der U5 und mehr Sicherheit für Fußgänger: Ortsvorsteherin Karin Guder (Grüne) zieht Bilanz. Die Fraktionen im Ortsbeirat 3 bereiten sich auf März vor.

Karin Guder an der Haltestelle „Musterschule“. Foto: Peter Jülich

Ein Jahrzehnte dauerndes Projekt geht dem Ende entgegen. Der Ausbau der Haltestellen Musterschule und Glauburgstraße…
Karin Guder: Es gibt wohl kaum zwei Haltestellen, die so viel geprüft und nachgebessert wurden, ästhetisch und sicherheitstechnisch, wie Musterschule und Glauburgstraße. Ich freue mich, dass man mit der U5 bald vom Hauptbahnhof barrierefrei ins Nordend kommt. Ich bin neugierig, wie die Pläne letztlich umgesetzt werden.

Einige Anwohner protestieren gegen die Pläne.
Es gab kaum ein Projekt in den letzten zehn Jahren, das so intensiv diskutiert wurde. Die Anliegen von Anwohnern wurden aufgenommen und teilweise umgesetzt. Es wird sicher nicht jeden zufriedenstellen, aber ich denke, die Kooperation war gut und die Anliegen wurden geprüft.

Am Beispiel der U5 zeigen sich die Konflikte der Verkehrsteilnehmer auf engem Raum. Wie entschärft der Ortsbeirat?
Für Fußgänger und Radfahrer ist einiges passiert. Gehwege an den Ecken zu verbreitern, ermöglicht mehr Platz für Fußgänger. Eine große Verbesserung gibt es im Sandweg. Dort haben wir kleine Buchten mit Bänken, es sind Bäume hingekommen. Der Sandweg hatte den Charakter einer Durchgangsstraße, er hat sich zu einer Wohn- und Geschäftsstraße entwickelt. Den Sandweg gegen die Einbahnstraße für Radfahrer zu öffnen, hat sich besser bewährt als ich dachte.

In der Elkenbachstraße klappt es weniger gut mit den Rädern.
Die Elkenbachstraße ist ein Beispiel dafür, dass es leicht unübersichtlich wird, aber nicht, weil es eine Fahrradstraße ist, sondern weil die Ecken zugeparkt sind. Wir machen uns im Nordend alles kaputt, weil wir alles mit Autos zustellen. Die Stadt kann gestalten und versuchen, Flächen für Fußgänger und Radler zu schützen, wenn diese Flächen zugestellt werden, ist das frustrierend. Radfahren gegen die Einbahnstraße ist ein Erfolgsrezept, es baut auf gegenseitige Rücksichtnahme. In diesem Sinne ist positiv, dass die Einbahnstraße in der unteren Berger Straße geöffnet wurde.

Die Menschen parken die Ecken aus Mangel an Parkplätzen zu. Warum hat sich der Ortsbeirat dennoch gegen weitere Quartiersgaragen entschieden?
Quartiersgaragen sind keine Lösung, weil man den Verkehr damit anzieht. Es muss ein Umdenken stattfinden: Umstieg auf ÖPNV und Modelle wie Carsharing. Wir sehen an der Quartiersgarage Glauburg, dass wir trotz der 100 Parkplätze nicht weniger Verkehr haben. Durch die Verdichtung im Stadtteil müssen sich noch mehr Leute den Platz teilen.

2015 war auch: Überbelegung in der Friedberger, Vertreibung der Altmieter in Wingert- und Kepplerstraße, eine Hausbesetzung in der Berger. Was hat der Ortsbeirat gegen die Gentrifizierung getan?
Die Idee zur Milieuschutzsatzung kam aus dem Nordend, vor Jahren schon. Der Stadtteil lebt von Menschen, die lange hier wohnen und sich beteiligen an der Gestaltung. Gegen die Vertreibung haben wir wenige Mittel, außer es öffentlich zu machen. Wir brauchen mehr geförderten Wohnraum. Das Nordend ist attraktiv, weil es eine soziale und kulturelle Mischung gibt.

In ferner Zukunft sollen im Innovationsquartier 1300 Wohnungen entstehen. Die Pläne werden Anfang des Jahres vorgestellt. Ist es das 2016 ein Thema?
Wenn der Planungsdezernent sagt, dass die Pläne bekannt seien, ist das nicht richtig. Man kann diese allgemeinen Pläne nicht als Diskussionsgrundlage nehmen. Man sieht nicht, wo welche Häuser hin sollen. Der Ortsbeirat will Kleingärten, Abenteuerspielplatz und Baumbestand erhalten. Für uns ist wichtig, die klimatischen Bedingungen abzuklären. Wir haben mitten im Nordend eine Verdichtung akzeptiert, wissend, dass es an manchen Stellen sehr belastend und eng ist, weil es eine Grüne Lunge gibt. Wir haben nicht unendlich viele Klimaschneisen und Grünflächen. Ich wünsche mir, dass die Wege in der Kleingartensiedlung öffentlich werden. Dann könnten mehr Bürger sehen, was es für fantastische Bäume dort gibt.

Was für eine Note würden Sie – als Lehrerin – dem Ortsbeirat fürs vergangene Jahr geben?
Im Aufgreifen von Diskussionen von Bürgern erteile ich eine 2. Aber was die Abarbeitung der Tagesordnung angeht, ist es eine 4-. Ich wünsche mir, dass wir nicht mehr so lange tagen, dass die Tagesordnung nicht immer wieder verschoben wird.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
  • Nutzungsbasierte Onlinewerbung
  • Mediadaten
  • Wir über uns
  • Impressum