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Frankfurt-Nordend Mehr Toleranz von der Stadt

Die Stadt lässt im Frankfurter Nordend am Wasserhäuschen Gudes Sessel und Stühle entfernen. Grüne, SPD und Anwohner wollen jedoch die Sitzmöbel am Matthias-Beltz-Platz zurück. Sie wünschen sich von der Stadt mehr Toleranz und Flexibilität.

Die Terrasse vom Gudes ist so gut wie leergeräumt. Foto: Michael Schick

Die Stadt profitiere von der Toleranz und Gutmütigkeit der beiden Betreiber des Wasserhäuschen Gudes am Matthias-Beltz-Platz. Freitagabends etwa, wenn sie ihren Kiosk schließen und die Massen vom Friedberger Platz so nicht zu sich locken. Deshalb findet SPD-Nordend-Chef Rüdiger Koch, könne die Stadt auch flexibler und toleranter mit den zwei Männern umgehen. „Das ist ein Geben und Nehmen, beide Seiten profitieren doch.“

Seit einigen Monaten schon haben Florian Abel und Felix Wegener Ärger mit der Stadt. Zunächst stellte sich heraus, dass eine Ausschank-Lizenz fehlt. Die Männer wollten sie beantragen, warten jedoch seit fast einem halben Jahr auf Unterlagen vom Finanzamt. Da auf ihrem Areal niemand Alkohol konsumieren durfte, räumten sie ihre Terrasse. Anwohner reagierten darauf und stellten selbst Möbel hin. Die wiederum ließ die Stadt als „wilden Sperrmüll“ abholen und entsorgen (die FR berichtete).

Für Anwohner, SPD und Grüne im Nordend ist das Vorgehen des Amtes für Straßenbau und Erschließung sowie des Ordnungsamtes nicht nachvollziehbar. „Der Matthias-Beltz-Platz müsste ein stadtplanerischer Erfolg sein“, heißt es in einer Mitteilung der Nordend-Grünen. Sie sprechen von einem „Open-Air-Wohnzimmer“ der Nachbarn, die sich „dort nicht nur zum Feierabend-Bier trafen, sondern gemeinsam Musik machten, feierten, Fußball guckten“. Die Lokalpolitiker bezeichnen die Aktion der Anwohner als „Ausdruck von Kreativität und urbaner Lebendigkeit“.

Schnelle Ausschank-Lizenz

Zahlreich kommentierten Anwohner den FR-Beitrag. „ Wir, die Bürger bezahlen euch, liebe Stadt, also handelt auch in unserem Sinne. Wir wollen doch einfach nur wie echte Hessen gesellig beieinander sitzen, Schwätzchen halten und einen Schoppe trinken“, schreibt etwa ein Leser. Viele kritisieren, dass Dreck und Müll an anderer Stelle nicht so schnell entfernt wird. „Frankfurt möchte immer mit dem Anspruch Metropole glänzen. Lächerlich, es reicht nicht einmal für Metropölchen“, kommentiert ein Mann.

SPD-Mann Koch wirbt für ein Miteinander: „Die Stadt könnte Mobiliar tolerieren, wenn die Kiosk-Betreiber ein Auge darauf haben, dass es nicht zu einer Sperrmüllsammlung wird“, sagt er. Man müsse die positiven Seiten sehen: die Belebung des teuer sanierten Platzes an der Friedberger Landstraße. Das Amt für Straßenbau und Erschließung konnte sich am Dienstag der FR gegenüber noch nicht äußern. Leiterin Michaela Kraft sagte, sie müsse Rücksprache mit Kollegen halten.

Kritik gibt es von der Nordend-FDP. „Das ist ein schön gestalteter, ästhetischer Platz. Daher können Leute nicht einfach gammelige Sitzmöbel aufstellen“, sagt der Fraktionsvorsitzende Gerhard Brandt. „Das war eine Vermüllung und sah grenzwertig aus.“

Die Ausschank-Lizenz – Auslöser des ganzen Übels –, und da sind sich alle einig, müsste nun schnell erteilt werden. „Schon allein für die Existenz der Betreiber ist das sinnvoll“, sagt Brandt. Koch wünscht sich, dass die Stadt flexibler reagiert. „Wenn alle Unterlagen beisammen sind und man nur noch auf das Finanzamt wartet, könnte die Stadt übergangsweise Großzügigkeit walten lassen.“

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