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Frankfurt-Nordend Ein gallisches Dorf

Der Ortsbeirat will die Grünflächen nicht für das neue Innovationsquartier opfern. Er unterstützt damit eine Initiative aus Kleingärtnern und Umweltaktivisten, die für den Erhalt der grünen Oasen kämpfen.

Protest in Zettelform ruft zum Schutz der Natur auf. Foto: Christoph Boeckheler

„Hier wird Wachstum auf dem Rücken der Ökologie erzwungen“, sagte Thilo Lichtenberg von der Bürgerinitiative „Grüne Lunge am Günthersburgpark“ bei der jüngsten Sitzung des Ortsbeirates 3. Seine Kritik richtet sich gegen das geplante Innovationsquartier im Norden des Stadtteils.

Die Initiative hatte sich im Mai aus Kleingärtnern und Umweltaktivisten gebildet. Sie fürchten durch das Großprojekt um die grünen Oasen im Stadtbild, von denen es im Nordend ohnehin zu wenig gebe. Aber auch die sogenannte Frischluftschneise, eine Art Stadtteil-Klimaanlage, die die Häuserschluchten mit kühler Taunusluft versorgt, sehen sie in Gefahr: „Deren Wichtigkeit haben wir im heißen Sommer gespürt“, sagte Lichtenberg. Neue Bauprojekte als Kardinalslösung für die Probleme des Stadtteils? Leute wie Lichtenberg zeigen nun auf, dass es nicht so einfach ist.
Zur Erinnerung: „Wir müssen bauen, bauen, bauen!“, forderte Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) kürzlich. Wolle man die akute Verdrängung eindämmen, müsse es mehr Wohnungsbau geben – auch um den ungebrochenen Zustrom abzufedern. Denn im zweitgrößten Stadtteil Frankfurts ist schon jetzt kein Platz mehr. Rund 52 000 Einwohner drängen sich auf nur rund drei Kilometern Luftlinie zwischen Eschenheimer Landstraße und Günthersburgpark – die dichteste Besiedelung im Stadtgebiet.

Die Stadt sah das neue Innovationsquartier deshalb auch als Entlastung, Wohnraum für bis zu 10 000 Menschen soll dort entstehen. „Nachhaltig und vorbildlich“, wie Planungsdezernent Olaf Cunitz (Grüne) jüngst betonte. Das bezweifeln viele Anwohner jedoch grundlegend.

Notfalls gegen eigene Partei

Nun erhalten sie Unterstützung vom Ortsbeirat. Während der Sitzung am Donnerstag einigten sich die Abgeordneten auf eine einheitliche Linie, die die Opferung von Grünflächen ablehnt. „Wir müssen dem Magistrat die Stimmung im Stadtteil klarmachen“, meinte Michael Mirsch (Grüne). Diese ist für ihn eindeutig: Das Nordend sei ein „gallisches Dorf gegen ökologische Schäden beim Bau“, so Mirsch weiter. Auch die Stadtteil-SPD möchte sich unmissverständlich positionieren. „Wir sind klar für die Erhaltung der Frischluftschneise, des Abenteuerspielplatzes und den Erhalt der Kleingärten“, sagte der Fraktionsvorsitzende Rüdiger Koch. Dies wolle man notfalls auch gegen die Römer-SPD so vertreten.

Der Wohnungsbau soll jedoch trotz des Votums für die Umwelt nicht von der Agenda verschwinden. Man müsse aber auf die ökologische Verträglichkeit achten und „Kompromisse finden“, so Mirko Trudin (CDU). Auch Gerhard Brandt von der FDP hält den Wohnungsbau für unabdingbar, gab jedoch zu bedenken, dass der Naturschutzbeirat des Magistrats die Einhausung im Rahmen des Projekts als „ökologisch negativ“ eingestuft habe.

Die Gegner des Bauvorhabens gaben sich erleichtert über die Unterstützung. Am Ziel sehen sie sich noch nicht: „Es ist ein langer Weg, die 3000 gefährdeten Bäume zu retten“, sagte Lichtenberg.

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