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Frankfurt-Niederrad Laufen für Kenias Waisenkinder

750 Läufer starten beim zweiten Bürostadtlauf im Frankfurter Stadtteil Niederrad. Sie laufen für einen guten Zweck. Die Startgelder gehen an ein Waisenhaus in Kenia.

Die schnellsten brauchen 17 Minuten und 23 Sekunden für fünf und 34 Minuten und 43 Sekunden für zehn Kilometer. Foto: Christoph Boeckheler

„Guck mal, da vorne machen schon welche schlapp“, sagt Jutta von der Decken, als sie mit zwei Arbeitskollegen den Stadtwald erreicht. Wenige hundert Meter auf der Tartanbahn der Sportanlage Hahnstraße liegen hinter ihnen. Vor ihnen sind etwa 750 Läufer in den Forst gerannt – alle anderen Teilnehmer des Niederräder Bürostadtlaufs. Die drei haben sich für einen Waldspaziergang entschieden, fünf Kilometer. Sie plaudern. Von hinten kann niemand mehr kommen – und somit auch nicht den Rückenaufdruck der Shirts ihrer Logistikfirma lesen: „Per Express ans Ziel.“

Es ist Donnerstagabend, immer noch mehr als 30 Grad Außentemperatur. Trotzdem sind beim zweiten Bürostadtlauf rund 300 Teilnehmer mehr an den Start gegangen als bei der Premiere im vergangenen Jahr. Organisiert haben ihn Sportler der Lufthansa-Betriebssportgruppe „Cargo Bulls“, Kooperationspartner ist die Standortinitiative Neues Niederrad (Sinn).

Die Teilnehmer haben zehn Euro für fünf Kilometer und 15 Euro für zehn Kilometer Startgeld gezahlt. Die Einnahmen bekommt der von Mitarbeitern der Lufthansa Cargo gegründete Verein „Cargo Human Care“. In Kenia unterstützt der Verein ein Waisenhaus, fördert Bildung, betreibt ein medizinisches Zentrum. Erst im vergangenen Jahr wurde ein Jugendzentrum eröffnet, in dem arbeitslose Waisen nach ihrem Schulabschluss auf den Berufsalltag vorbereitet werden, seit diesem Jahr sind deutsche Ärzte zudem in der Masai Mara aktiv.

„Ist ja für einen guten Zweck“, sagt von der Decken, ihren Spaziergang beim Laufevent rechtfertigend. Wie schnell, sei doch egal. „Wir schaffen das in zwei Stunden“, sagt ihr Kollege Stefan Wolf, der Gehen als Sport in seiner Freizeit betreibt. Nach einem Streckenkilometer haben sich vor ihnen noch weitere Teilnehmer zum Gehen entschlossen.

Plötzlich kommen Läufer aus der Gegenrichtung, scheinbar im Vollsprint. Es ist die Spitzengruppe, von den langsamsten werden sie beklatscht. Christian Spaich von der TSG Oberursel ist dabei. Er braucht für fünf Kilometer 17 Minuten und 23 Sekunden. Er ist der schnellste an diesem Tag auf der kürzeren Distanz.

Im Wald haben die Teilnehmer zwischen den Bäumen hindurch immer wieder einen Blick auf die nahe Bürostadt. Die Veranstalter haben im vergangenen Jahr für eine Laufstrecke durch das Geschäftsviertel gekämpft. Doch die Stadt habe es ihnen mit Verweis auf die hohe Zahl innerstädtischer Laufveranstaltungen untersagt, so Christopher Biaesch, der die Idee zum Bürostadtlauf hatte.

Die große Digitaluhr am Ziel zeigt 59 Minuten und 50 Sekunden an. Von der Decken und Kollegen sind zurück auf der Tartanbahn der Sportanlage Hahnstraße. Und sie haben sich entschlossen, die letzten Meter zu laufen. „Ja“, schreit ihr Kollege Wolf im Ziel, „unter einer Stunde!“

Nach ihnen trudeln noch einige 10-Kilometer-Läufer ein. Als letzte an diesem Tag erreicht Sigrid Beck das Ziel, nach einer Stunde und 24 Minuten. Sie ist 77 Jahre alt. Die Hitze, sagt sie, sei kein Problem gewesen.

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