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Frankfurt-Niederrad Bürostadt wird zum Vorbild

Der Wandel der Bürostadt Niederrad zum urbanen Quartier hat begonnen. An der Hahnstraße werden 336 neue Mietwohnungen gebaut.

26.01.2017 13:06
Jöran Harders
Auf einem Grundstück an der Ecke zur Goldsteinstraße werden insgesamt 20 000 Quadratmeter Wohnfläche geschaffen. Foto: Bien-Ries AG

„Als wir vor zehn Jahren angefangen haben, darüber nachzudenken, wie man aus der Bürostadt ein gemischt genutztes und urbanes Quartier machen können, sind wir für dieses Vorhaben auch von Fachleuten belächelt worden.“ Doch seitdem, erzählt Mark Gellert, Sprecher von Planungsdezernent Mike Josef (SPD), habe sich viel getan. Zwar habe der Wandel der Bürostadt gerade erst begonnen – dennoch habe das Projekt schon jetzt Vorbildcharakter.

Denn nicht nur in Frankfurt seien in den 1960er und 70er Jahren mit der Bürostadt und der Nordweststadt große monostrukturelle Stadtviertel zum Arbeiten oder zum Wohnen entstanden. „Damals hat man so gebaut. Heute wollen die Menschen dort, wo sie arbeiten, auch leben“, stellt Gellert fest. Die Umgestaltung der Bürostadt könne daher auch für andere Orte ein Beispiel dafür sein, wie in der Nachkriegszeit entstandene städtische Strukturen so verändert werden können, dass sie den Erfordernissen der heutigen Zeit entsprechen.

„Zu Beginn unserer Planungen sind wir davon ausgegangen, dass es in der Bürostadt ein Potenzial für etwa 3000 Wohneinheiten mit Platz für rund 7500 Menschen gibt.“ Doch schon jetzt sei abzusehen, so Gellert, dass diese Zahl überschritten werde. Aktuell seien rund 4000 Wohneinheiten vorgesehen.

Gerade begonnen wurde mit dem Bau von 336 Mietwohnungen an der Hahnstraße. Dass im Viertel auch solche „ganz normalen Wohnungen“ entstehen, sei sehr wichtig, damit sich der Bürostandort tatsächlich zu einem lebendigen und lebenswerten Quartier entwickeln könne. Denn bei den bisher fertiggestellten Gebäuden handele es sich überwiegend um Wohnheime und so genannte Micro-Apartments, die vor allem für Leute gedacht seien, die dort am Wochenende nicht bleiben.

„Wenn wir heute in der Stadt bauen, brauchen wir eine gewisse Dichte“, sagt der Vorstand der Bien-Ries AG, Wolfgang Ries. Bien-Ries ist gemeinsam mit der süddeutschen GBW-Gruppe für die Umsetzung des 75 Millionen Euro teuren Bauprojekts an der Hahnstraße verantwortlich. Anstatt Wohnhochhäuser zu errichten, sei es besser, „sich an einer Architektur zu orientieren, an die sich das Auge schon gewöhnt hat“. „Eine solche Architektur ist für die Menschen in ihrer Dimensionalität begreifbar“, erläutert Ries.

An der Hahnstraße sieht der Entwurf daher Häuser mit dreistöckigen seitlichen Gebäuderiegeln vor, auf die höhere Gebäudeteile aufgesetzt sind. Durch die Riegel entstehen außerdem Innenhöfe als grüne Inseln. „Das sind Bezugspunkte für die Bewohner, die dafür sorgen, dass sie sich in ihrem neuen Zuhause wohlfühlen“, glaubt Ries. Auf dem 12 000 Quadratmeter großen Grundstück an der Ecke zur Goldsteinstraße werden insgesamt 20 000 Quadratmeter Wohnfläche geschaffen.

Nachdem die ersten gut 700 neuen Wohnungen in der Bürostadt fertig sind, sind nun laut Mark Gellert die nächsten Schritte an der Reihe. „Es muss ein Freiraumkonzept geschaffen werden und wir müssen uns Gedanken über Schulstandorte, ergänzende Infrastruktur und einen Grünzug machen.“ Mit dem Bau der ersten Wohnungen sei auch die Nachfrage nach Büros im Viertel wieder gestiegen. „2006 standen 30 Prozent der Büroflächen leer. Das hat sich mittlerweile geändert.“

Diskutiert wird seit längerer Zeit auch über einen neuen Namen für die Bürostadt, die zum Teil auf Schwanheimer, zum Teil auf Niederräder Gemarkung liegt. Bei der Stadt wird die Umwandlung der Bürostadt unter dem Arbeitstitel „Lyoner Viertel“ vorangetrieben. „Die Entscheidung darüber, wie die Bürostadt künftig heißen soll, hat aber der Ortsbeirat zu treffen“, stellt Gellert fest.

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