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Frankfurt-Niederrad Anwohner fürchten Verdrängung

Am Haardtwaldplatz im Frankfurter Stadtteil Niederrad kämpfen Anwohner gegen den neuen Wohnungseigentümer, der teuer saniert.

20.05.2016 15:34
Karina Wilczok
Loft statt Dachboden: Sanierung in der Donnersbergstraße. Foto: Rolf Oeser

Unangekündigte Bauarbeiten, plötzliche Kaufangebote für gemietete Dachböden und steigender Mieterschwund – Anwohner am Haardtwaldplatz sind wütend. Nach einem Eigentümerwechsel baut der neue Besitzer alles um – die verbleibenden Mieter fürchten, dass auch sie vertrieben werden sollen.

Schon seit vielen Jahren steht die Hälfte der ehemaligen Wohnungen der Deutschen Bundesbank leer. Aktuell sind 45 der 101 Wohnungen bewohnt. Ursprünglich waren die Zwei- und Dreizimmerwohnungen in der Trifels-, Kalmit- und Donnersbergstraße für Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes angedacht. Die Noratis GmbH kaufte die Wohneinheiten Ende 2014 auf. Derweil führt die Firma Modernisierungsarbeiten durch.

Karin Rauch aus der Donnersbergstraße, Sprecherin der Bewohner, leistet seit Jahren Widerstand gegen Noratis. Für die Anwohner sind die Bauarbeiten eine Farce, denn dringende Reparaturen werden vom Eigentümer aufgeschoben. So gibt es veraltete Wasserrohrleitungen, die Wasserschäden verursachen, feuchte Keller, alte Heizkörper, Gasdurchlauferhitzer und asbestverseuchten Gasschächte.

Neuer Lift statt Heizung

Statt dort anzusetzen, soll ein Lift eingebaut werden und Balkone sollen angebaut, beziehungsweise vergrößert werden. Auf der Grünfläche im Innenhof sollen 17 Parkplätze entstehen. Zusätzlich soll das Dachgeschoss zu Wohnraum ausgebaut werden. Aktuell haben die Bewohner des Hauses dort Abstellräume gemietet. Noratis bot dafür jedem 1500 Euro, sollte er die Fläche aufgeben.

„Wir Mieter wurden kaum über Baumaßnahmen informiert“, sagt sie. Über Handwerker, die in der Siedlung arbeiten, haben sie bruchstückhaft Informationen erhalten. „Im vergangenen Sommer besuchten uns unangekündigt Mitarbeiter von Noratis und drängten uns, die Wohnungstüren zu öffnen“, sagt Rauch. Die Mieter fühlten sich durch solche unangemeldete Besuche und Anrufe seitens Noratis unter Druck gesetzt.

„Am liebsten wäre es Noratis, wenn wir Verbliebenen alle wegziehen. Dann können sie in Ruhe auch unsere Wohnungen mittelmäßig modernisieren“, sagt Rauch. „Danach werden sie die Wohnungen statt für acht für 12,50 Euro vermieten.“

Noratis entgegnet, mit einem zweiseitigen Schreiben in den Fluren die Anwohner im Januar informiert zu haben. Auch sei der persönliche Kontakt zu den Mietern gesucht worden. „Wir haben sie darauf hingewiesen, dass unser Mitarbeiter drei Wochen für Fragen vor Ort sind“, so der kaufmännische Leiter bei Noratis, André Speth. Mieter, die sich nicht zurückmeldeten, habe der Mitarbeiter zu kontaktieren versucht. Auch sei extra ein Büro in einer leerstehenden Wohnung eingerichtet worden. „Auf das Angebot sind aber nur wenige Anwohner eingegangen“, sagt Speth.

„Wir haben eine Renovierungsliste aufgenommen, die nicht nur die neuen Balkone vorsieht, sondern beispielsweise auch die Sanierung der leerstehenden Wohnungen und Erneuerung der Heizung.“ Mehrere Millionen Euro will Noratis laut Speth dafür investieren.

Die verbliebenen Mieter gehen gegen Noratis vor. Viele sind dem Verein Mieter helfen Mietern beigetreten. Rauch schließt auch eine Klage nicht aus: „Wir wollen weder ausziehen, noch unsere Wohnungen als Eigentum kaufen.“ Würden die Mieten tatsächlich stark steigen, fürchtet Rauch, dass sie mit der Rente nicht über die Runden komme werde.

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