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Frankfurt-Niederrad Absage an Quartiersbus

Eine Buslinie, die Bürger in entlegene Ecken fährt, das fordert der Ortsbeirat seit langem für Niederrad. Nun hat die Stadt erneut dem Ansinnen eine Absage erteilt - aus wirtschaftlichen Gründen wie es heißt.

13.01.2017 17:50
Jöran Harders
In Oberrad gibt es einen Quartiersbus, doch die Niederräder müssen darauf verzichten. (Archivbild) Foto: Christoph Boeckheler

Einen Quartiersbus wird es in Niederrad vorerst nicht geben. Das teilt der Referent des Umweltdezernenten, Thomas Erhard, mit. Allerdings soll das Konzept dieser Buslinien im Rahmen der Fortschreibung des Nahverkehrsplans erneut geprüft werden, hieß es.

In einer Stellungnahme des Magistrats werden wirtschaftliche Gründe für den Verzicht auf den Quartiersbus angeführt. Vorrang genießen zunächst „notwendige Angebotsverdichtungen auf bereits bestehenden Buslinien“, heißt es in der Stellungnahme.

Die Niederräder SPD reagierte enttäuscht auf die Absage. Die Stadt Frankfurt vergebe die einmalige Chance, den schnell wachsenden Stadtteil Niederrad auf gute infrastrukturelle Beine zu stellen, sagte etwa die Ortsbeirätin und stellvertretende Vorsitzende des SPD-Ortsvereins Petra Korn-Overländer. Im Hinblick auf die Umwandlung der Bürostadt in ein gemischtes Viertel sei es jetzt an der Zeit über Verbesserungen des Nahverkehrs nachzudenken, ergänzt Ortsvereinsvorsitzende Stefanie Then.

Ein Quartiersbus, der allen Bewohnern Niederrads die Möglichkeit gibt, den gesamten Stadtteil – auch in der Querverbindung von Nord nach Süd – zu nutzen, hätte den Modellcharakter der Umwandlung noch verstärkt. Die Stadt hätte zeigen können, wie Infrastrukturen geschaffen werden, bevor neue Bewohner in ein Viertel ziehen, findet Stefanie Then.

Zwar sei Niederrad gut an den öffentlichen Nahverkehr angebunden. Doch nach Ansicht der SPD muss der Nahverkehr innerhalb des Stadtteils verbessert werden. Die Wege zu den Haltestellen der Straßenbahn- und Buslinien, zum S-Bahnhof und zum Stadtteilzentrum Bruchfeldstraße seien für viele Bewohner Niederrads einfach zu weit. Vor allem Senioren könnten die Stationen zu Fuß oft nicht erreichen, meint die SPD.

Daher fordert der Ortsbeirat 5 bereits seit Jahren eine Quartiersbuslinie. Zuletzt stellten die Stadtteilpolitiker im September 2016 einen Antrag, mit dem sie sich für diese Ergänzung des Angebots des öffentlichen Nahverkehrs ausgesprochen haben.

Derzeit gibt es vier Linien

Quartiersbusse steuern gezielt diejenigen Viertel an, die etwas abseits der Straßenbahn- und Schnellbahnstationen liegen. Im Frankfurter Stadtgebiet gibt es derzeit vier solcher Buslinien.

In Oberrad verbindet die Linie 81/82 den Süden des Ortsteils und den Friedhof mit der Haltestelle Buchrainstraße. In Zeilsheim fährt die Linie 57 vom Bahnhof zur Siedlung Taunusblick. In Eschersheim ist die Linie 69 östlich der Eschersheimer Landstraße unterwegs. Von Nieder-Erlenbach fährt die Linie 25 über Harheim zur S-Bahn-Station Berkersheim.

Bereits ab 2011 hat es konkrete Planungen für einen Quartiersbus in Niederrad gegeben. 2013 wurde das Vorhaben aber aufgegeben, ebenfalls aus Kostengründen. „Alle Fraktionen im Ortsbeirat 5 haben die Forderung der SPD nach einem Quartiersbus unterstützt. Das zeigt, dass die Politiker im Frankfurter Süden die Dringlichkeit einer solchen Buslinie für Niederrad erkannt haben“, sagt Ortsbeirätin Petra Korn-Overländer.

Es sei nicht nachzuvollziehen, warum die Stadt dieser Einschätzung nicht folgt. Die SPD werde sich jedenfalls weiter für den Quartiersbus einsetzen. „Wir werden noch einmal mit dem Verkehrsdezernat reden“, kündigt Petra Korn-Overländer an.

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