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Frankfurt-Nied „Ein schlechter Start“

Christine Lühn, die Kinderbeauftragte in Nied, spricht im Interview über den holprigen Start des neuen Gymnasiums im Stadtteil, Elternarbeit in den Grundschulen und Störung des Unterrichts durch drohenden Baulärm

19.03.2015 15:32
Ferdinand Sander
Christine Lühn, Kinderbeauftragte in Nied. Foto: christoph boeckheler*

Frau Lühn, Sie haben eine zehn Jahre alte Tochter, die im nächsten Schuljahr eine weiterführende Schule besuchen wird. Kommt das neue Gymnasium in Nied in Frage?
Eher nicht. Das hat einen ganz praktischen Grund. Meine Tochter hat gesagt, dass sie nicht in einem Container unterrichtet werden möchte.

Und was ist Ihre Meinung dazu?
Das neue Gymnasium hat einen schlechten Start hingelegt. Die Pläne sind zum Beispiel nicht im Ortsbeirat diskutiert worden. Im Stadtteil haben wir die Informationen nur aus der Tagespresse bekommen – und das erst ab Januar.
Ist das zu spät?
Ja. Bis zum fünften März müssen die Eltern der Grundschule mitteilen, auf welche weiterführende Schule ihr Kind gehen soll. Darüber machen sich die Eltern schon zu Beginn des vierten Schuljahrs Gedanken. Viele Schulen haben deswegen schon im Vorjahr einen Tag der offenen Tür angeboten. Das Elterngespräch über das neue Gymnasium gab es aber erst im Februar dieses Jahres. Da sind viele nicht mehr bereit, sich auf noch eine Schule einzulassen. Ich habe auch von niemandem gehört, dass sie ihr Kind bei der neuen Schule angemeldet haben.

Dabei bietet eine neue Schule doch auch neue Chancen.
Allerdings. Mir scheint zum Beispiel das gesellschaftswissenschaftliche Profil der Schule sehr vielversprechend zu sein. Das gibt es in anderen Schulen schließlich nicht.

Haben Sie Ideen, wie man Eltern und Kinder für die Schule begeistern kann?
Die Eltern interessieren sich dafür, wie die Arbeit der Schule aussehen wird. Dieses Konzept sollte man im Ortsbeirat vorstellen. Man sollte die Informationen unbedingt auch in die Grundschulen tragen. Man muss nachholen, was bisher versäumt worden ist.

Viele Eltern befürchten, dass die Kinder der Fridtjof-Nansen-Schule nun jahrelang unter Baulärm leiden müssen, weil nebenan die neue Schule gebaut wird. Wie schätzen Sie das ein?
Die Bauarbeiten muss man mit der Schule abstimmen und auch dort für Verständnis werben. Vielleicht ist es möglich, die besonders lärmintensiven Bauphasen auf die Schulferien zu legen.

Halten Sie den gewählten Standort trotzdem für gut?
Allerdings, schließlich ist die Mainzer Landstraße sehr nah. Die Schule wäre mit der Straßenbahn und der S-Bahn gut zu erreichen. Viele Nieder Schüler besuchen das Goethe-Gymnasium und nehmen lange Anfahrtswege in Kauf. Eine Schule in der Nähe ist mit Sicherheit attraktiver.

Wie, glauben Sie, wird sich das neue Gymnasium entwickeln?
Man muss die Strukturen im Ort mit anbinden. Die Schule könnte mit Sportvereinen oder Musikschulen zusammenarbeiten. Dann sagen auch die Menschen: „Ja, die Schule gehört zu unserem Stadtteil.“. Es kann gut werden, ganz bestimmt – wenn man offen ist für Diskussionen.

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