Lade Inhalte...

Frankfurt Nicht gucken, nur anfassen

„Fühlen, Wirken, Wählen“ lautet das Motto im Dialogmuseum. Dabei bewerten Besucher die Haptik von Stoffen.

Frankfurt. Dialogmuseum. TAGESHONORAR.
Amelie versucht im Dialogmuseum, ihren Namen in Punktschrift zu schreiben. Foto: Renate Hoyer (Renate Hoyer)

Hinter dem Vorhang ist es stockdunkel. Selbst wenn die Stoffe nicht in Boxen lägen, in die man hineingreifen muss, wären sie nicht zu sehen. Doch das macht gar nichts. Denn um die Optik der Textilien, die etwa als Couchbezug oder Vorhang Verwendung finden könnten, geht es beim Haptik Award, den die Landesinnung der Raumausstatter am Mittwoch auf der Frankfurter Messe Heimtextil verleiht, ausnahmsweise nicht. „Fühlen, Wirken, Wählen“ lautet das Motto an diesem Tag im Dialogmuseum. Anfassen ist erlaubt, gucken nicht.

Viele Besucher des Museums nutzen am Sonntag nach dem Gang durch die Ausstellung „Dialog im Dunkeln“ die Chance, als Jury für den Publikumspreis des Haptik-Awards zu fungieren. So leicht ist das nicht, auch weil es im Dunkeln kaum möglich ist, sich Notizen zu machen. Besonders gern hat eine junge Frau einen Stoff angefasst, den sie als weich und fluffig beschreibt. Doch war das Nummer 4? Oder doch Nummer 5? Ihr fällt es doch noch ein: Der vierte Stoff war eher kunststoffartig.

Mit eher gemischten Gefühlen geht das Museum ins neue Jahr. Das privat geführte soziale Unternehmen mit 30 fest angestellten Beschäftigten, von denen drei Viertel schwerbehindert sind, sucht dringend neue Räume. Der Mietvertrag für das Museum im Ostend läuft Ende des Jahres aus. Doch bisher hat Klara Kletzka, die geschäftsführende Gesellschafterin, nichts gefunden, was die gemeinnützige Gesellschaft finanzieren könnte. Schon die jetzige Miete von 250 000 Euro im Jahr kann sich das kleine Museum, das das Bewusstsein und die Akzeptanz für behinderte und sozial benachteiligte Menschen verbessern will, eigentlich nicht leisten.

Denn die Einnahmen sind eingebrochen, seit die städtischen Museen Kindern und Jugendlichen freien Eintritt bieten. Laut Kletzka sind vergangenes Jahr nur noch etwa 53 000 Besucher gekommen, fast 5000 weniger als im Jahr davor. Das bedeute für das Dialogmuseum mit einem Jahresumsatz von etwa 1,3 Millionen Euro Mindereinnahmen von 50 000 Euro.

Kletzka hofft, dass die Stadt dem Museum bei der Suche nach einem Raum helfen kann. Man stehe bereits mit Planungsdezernent Mike Josef (SPD) und Bau und Liegenschaftsdezernent Jan Schneider (CDU) in Kontakt. Sie spüre dort das Interesse, das das Museum weitermachen kann, sagt Kletzka – und hofft auch auf einen höheren Zuschuss. Bisher bekommt das Museum 100 000 Euro im Jahr. Für 2018 hat sie 170 000 Euro beantragt.

 

Das Museum , Hanauer Landstraße 145, ist Dienstag bis Freitag von 10 bis 17 Uhr (in den Ferien bis 18 Uhr), Samstag 11 bis 19 Uhr und Sonntag 11 bis 18 Uhr geöffnet. www.dialogmuseum.de

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen