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Frankfurt Neuer Eigentümer ist Heleba-Tochter

Acht Jahre hat die Hängepartie gedauert. Nun ging das 5000 Quadratmeter große Areal zwischen Berliner Straße und Bethmannstraße für 16,8 Millionen Euro an die BS GmbH. Vielleicht könnte nun ein Luxushotel dort entstehen.

27.07.2010 15:20
Jutta Ochs
Gebäude des ehemaligen Bundesrechnungshofs in Frankfurt

Auf den Besucherstühlen vor dieser dunklen Holztür mit Kassettenstruktur sind gewiss schon einige unruhig hin und her gerutscht. Im schmalen Gang des labyrinthischen Amtsgerichtsgebäudes bietet nur eine gut gepflegte Palme Ablenkung. Das Auge wandert unwillkürlich immer wieder zur Schrift „Immobiliarzwangsvollstreckung“. Angeschlagen neben der Tür ist eine „öffentliche Sitzung“, Verfahren 844/456/2003. Es ist „Zuschlagsverkündigungstermin“. Verkündet wird am Dienstagvormittag das weitere Schicksal des Bundesrechnungshof-Areals zwischen Bethmann- und Berliner Straße.

Die sachlich-freundliche Rechtspflegerin, deren schmächtiges Amtszimmer zum Gewicht der Entscheidung nicht zu passen scheint, sagt die zwei entscheidenden Sätze: „Zuschlag erteilt, Einwände zurückgewiesen.“ Damit hat das seit knapp acht Jahren brach liegende Areal nun eine neue Eigentümerin. Es ist die BS GmbH und Co KG, dahinter steht die OFB Projektentwicklungsgesellschaft, die wiederum zur Helaba-Gruppe gehört, sowie als Projektpartner Fay Projects GmbH. Für 16,8 Millionen Euro hat die Frankfurter Gesellschaft das rund 5000 Quadratmeter große Grundstück mit teilausgeschlachteter Rechnungshof-Ruine ersteigert. Das erscheint ein gutes Geschäft, ist das Grundstück in direkter Nachbarschaft des Römers doch 2002 mal für mehr als 30 Millionen Euro verkauft worden.


„Die gemeinsame Projektentwicklung wird in enger Abstimmung mit der Stadt Frankfurt dieses Quartier aufwerten und in gewachsene Strukturen integrieren“, erklärte am Dienstag die OFB. Es freue ihn „sehr, dass wir diese für die Innenstadt bedeutsame Entwicklung nun endlich beginnen dürfen“, sagt Alois Rhiel, Vorsitzender der OFB-Geschäftsführung. Das „langjährige Ringen um diese brachliegende Immobilie“ finde ein Ende. Nun sei der Weg für eine „zukunftsfähige Nutzung“ frei. Wie genau diese „zukunftsfähige Nutzung“ aussehen soll, wird allerdings nicht erklärt. Deutlicher wird auch nicht Wolfgang Heid von Fay Projects, der eine „nachhaltige Immobilie“ verspricht, die sich „harmonisch in die Umgebung einfügt“. Nach wie vor gültig ist der Beschluss des Stadtparlaments , dass dort ein Luxushotel entstehen soll. Möglich sind zusätzlich etwas Wohnraum und einige Büros, allerdings kein Bürohaus. Im Planungsdezernat ist man derweil „hocherfreut“ und findet es „großartig“, dass es nun eine Lösung für das Problemstück im Herzen der Stadt gibt. Der im Urlaub weilende Planungsdezernent Edwin Schwarz (CDU) lässt ausrichten , dass er sich besonders über die Bereitschaft des „Frankfurter Unternehmens“ zur ganz engen Zusammenarbeit freue.

Noch kann der neue Voreigentümer innerhalb von 14 Tagen Beschwerde eingelegen


Mit dem ursprünglichen Investor hatte es ja nicht mehr viel Freude gegeben. Das war damals die längst insolvente Eurogrund AG. Grundstückseigner war – bis gestern – die Wolf und Partner GbR. Deren Vertreter, Franz Liebing, kämpfte in mehreren Versteigerungsterminen gegen einen zu niedrigen Preis. Es ging um den Rest seiner Schuldenlast gegenüber der Hauptgläubigerin, der Royal Bank of Scotland. Letztmals kämpfte Liebing im Juni, jetzt ist gegen seine Beschwerden entschieden und eben der Zuschlag an die OFB erteilt worden, die nun amtlich Bundesrechnungshof-Eigentümerin ist. Möglich ist allerdings noch, dass der neue Voreigentümer innerhalb der nächsten 14 Tage Beschwerde vorm Landgericht einlegt.


Den Durchbruch in lange festgefahrener Lage hat sehr wahrscheinlich die Stadt selbst bewirkt. Liegenschaftsamtsleiter Alfred Gangel hatte den Vorschlag aufgebracht, dass Abteilungen der Kämmerei, die jetzt im Römer-Nordbau untergebracht sind, in einen Rechnungshof-Flügel einziehen könnten. Und zwar in den, der unter Denkmalschutz steht, nicht abgerissen werden darf und daher auf einige vormals interessierte Käufer offenbar abschreckende Wirkung hatte. Aus Investorensicht ist mit der Stadt ein Großmieter und -nutzer für den denkmalgeschützten „Problemteil“ des Gebäudekomplexes gefunden. Die Stadt kann durch den Umzug wiederum einen weiteren Teil des Vorhabens Kulturmeile Braubachstraße verwirklichen. In das Erdgeschoss des Nordbaus sollten ja Läden einziehen. Das nahezu acht Jahre brach liegende Rechnungshof-Areal hat die gesamte Entwicklung im Viertel zwischen der Westseite des Römers und der Weißfrauenstraße gehemmt. Edwin Schwarz erhofft sich einen „deutlichen Schub“ für die gesamte Herzregion Frankfurts.

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