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Frankfurt Neonazis Nazi-Parolen an Bildungsstätte

Die Außenwand der Anne-Frank-Gedenkeinrichtung wurde mit Neonazi-Parolen verunstaltet. Die Einrichtungsleitung sieht einen Zusammenhang zu vergangenen Vorfällen. Die Polizei hingegen geht von "üblichen Schmierereien" aus: "So etwas kommt hin und wieder vor."

"Sieht einen Zusammenhang zwischen den Vorfällen", Meron Mendel, Direktor in der Jugendbegegnungsstätte Anne Frank. Foto: christoph boeckheler*

Unbekannte haben am Wochenende Neonazi-Parolen neben die Eingangstür der Anne-Frank-Bildungsstätte in der Hansaallee geschmiert. In dunkelroter Farbe waren dort am Sonntag die Schriftzüge „Heil Hitler“, „Der Russe ist Jude“ sowie „88“ zu lesen – die Zahlenkombination steht in Nazi-Kreisen für den Hitlergruß. Auch ein Hakenkreuz war mit roter Farbe an die Wand geschmiert.

Eine Mitarbeiterin der Bildungseinrichtung entdeckte die Schmierereien, als sie am Sonntag die Ausstellungsräume unweit der Stadtbahnstation Am Dornbusch aufschließen wollte.

„Es ist schade, dass es selbst in einer so offenen und multikulturellen Stadt wie Frankfurt zu solchen Taten kommt“, bedauerte der Direktor der Bildungsstätte, Meron Mendel, am Montag den Vorfall. Man habe sofort die Polizei gerufen und Anzeige gegen unbekannt erstattet. „Es ist Konsens in der Frankfurter Zivilgesellschaft, jedem Ansatz von Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus entschieden entgegenzutreten“, so Mendel.

Nicht der erste Angriff

Sorge bereitet dem Direktor die Tatsache, dass es sich bei den angebrachten Parolen nicht um den ersten Angriff auf die Bildungsstätte und das Gedenken an Anne Frank handelt. So habe man bereits im Mai 2012 Drohanrufe erhalten: Unbekannte hatten damals antisemitische Nachrichten auf dem Anrufbeantworter der seit 1997 existierenden Bildungsstätte hinterlassen.

Ende 2013 wurde dann die Informationsstele vor Anne Franks Geburtshaus im nahegelegenen Marbachweg zertrümmert. Und etwa zur gleichen Zeit verschwand in einer Nacht-und-Nebel-Aktion ein Bäumchen auf dem Gelände der Anne-Frank-Schule am Sinaipark: Unbekannte hatten den dort eingepflanzten Ableger des Kastanienbaums vor dem Amsterdamer Anne-Frank-Haus abgesägt. „Es drängt sich der Verdacht auf, dass die neonazistischen Vorfälle der Vergangenheit mit den aktuellen Schmierereien in Zusammenhang stehen“, so Mendel.

Kein Zusammenhang laut Polizei

Dieser Meinung ist man bei der Frankfurter Polizei nicht: Laut deren Pressesprecher Manfred Vonhausen lässt sich jedenfalls kein Zusammenhang zwischen den Taten herstellen – auch, weil bislang kein Täter gefasst wurde. Den nun aufgetauchten Parolen an der Anne-Frank-Bildungsstätte will man denn auch keine besondere Brisanz zuschreiben. Vielmehr könne man einen solchen Vorfall „mit den üblichen Schmierereien gleichsetzen“, die man in der Stadt finde. „So etwas kommt hin und wieder vor“, so Vonhausen.
Erst vor wenigen Wochen hatten Unbekannte das Haus einer jüdischen Aktivistin im Ostend mit Hakenkreuzen beschmiert.

Die Bildungsstätte Anne Frank ist dienstags bis freitags, 10 bis 17 Uhr und sonntags, 12 bis 18 Uhr, geöffnet. Mehr Informationen zu aktuellen Ausstellungen und Workshops im Internet unter www.bs-anne-frank.de.

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