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Frankfurt Morddrohungen gegen Cappelluti

Die Geschäftsführerin der Frankfurter Grünen geht AfD-Fraktionschef Alexander Gauland scharf an – und der Mob tobt.

Alexander Gauland
Mit ihrem Handy-Video von ihrem Aufeinandertreffen mit Alexander Gauland machte sich Daniela Capelluti in rechten Kreisen mehr als unbeliebt - und erntet nun Morddrohungen. Foto: Youtube/D.Capelluti

Es sind Kommentare jenseits aller Grenzen. „Wir werden nach der Wende viele neue Gefängnisse und geschlossene Psychiatrien brauchen“, schreibt ein User auf dem Netzwerk „PI News“. Ein anderer ergänzt: „Die Gefängnisse werden nicht reichen.“ Und ein weiterer Kommentar lautet schlicht: „Der gehört die Fresse poliert.“ Seit Daniela Cappelluti, Geschäftsführerin der Grünen, ein Video veröffentlicht hat, in dem sie den Fraktionschef der AfD im Bundestag, Alexander Gauland, scharf angeht, stehen jede Menge Hass-Beiträge im Netz. Und da einer der Schreiber auch Cappellutis Privatanschrift und ihre Telefonnummer veröffentlicht hat, bekommt sie mittlerweile sogar Morddrohungen, wie die Geschäftsführerin im Gespräch mit der FR bestätigte.

Aufgenommen hat Cappelluti das Video am vergangenen Sonntag. Zehntausende Eintracht-Fans feierten auf dem Römerberg den Pokalsieg ihrer Mannschaft. Auch die Grüne wollte hin und traf in der Altstadt auf Alexander Gauland, der sich gemeinsam mit einer Begleiterin das wiederaufgebaute Viertel anschaute.

Cappelluti schaltete die Kamera ihres Handys ein und sprach Gauland an. „Sehr geehrter Herr Gauland, ich würde Sie bitten, die neue Altstadt Frankfurts zu verlassen“, sagte sie. Der Tag seines Besuchs sei zumindest falsch gewählt, denn in unmittelbarer Nähe werde die Eintracht gefeiert, und „wir haben den besten Präsidenten, wir haben eine super internationale Mannschaft.“ In Richtung von Gaulands Begleiterin ruft sie noch: „Es macht keine Freude, wenn sich der Herr Gauland heute die Altstadt anguckt.“ Nach 50 Sekunden endet der Film. In einem folgenden Video steht Cappelluti auf dem Dom und sagt in die Kamera, sie habe Gauland erfolgreich aus der Altstadt vertrieben.

Zuspruch von CDU-Leuten

Die ersten Reaktionen auf die Videos waren fast durchweg positiv. Die Filme erhielten viele „Likes“, in den Kommentaren wurde Cappelluti ausdrücklich gedankt. Die Stimmung änderte sich erst, als der frühere Fraktionschef der BFF, Wolfgang Hübner, das Thema auf „PI News“ aufgriff. Hübner, der zeitweise der AfD angehörte, den früheren Bundespräsidenten Joachim Gauck als „Gesinnungsrassisten“ bezeichnet und von einem „Teilaustausch des deutschen Volkes“ gesprochen hatte, schrieb von einem „unerhörten Angriff auf das Grundrecht der bürgerlichen Bewegungsfreiheit“.

Hübner forderte, Cappelluti müsse „umgehend aller Positionen in der Partei enthoben werden“ – ebenso wie der CDU-Vorsitzende Jan Schneider. Schneider hatte unter Cappellutis Beitrag auf „Gefällt mir“ geklickt, wie auch der Stadtverordnetenvorsteher Stephan Siegler (CDU), der noch einen spöttischen Kommentar („Wollte nur mal nach den Nachbarn schauen“) hinzufügte.

Hübner, der mittlerweile keine politischen Ämter mehr inne hat, kündigte an, die BFF werde das Thema nach Möglichkeit schon in der heutigen Plenarsitzung der Stadtverordneten aufgreifen. Doch die aktiven BFF-Leute wiegelten ab. Womöglich werde er das Video kurz ansprechen, sagte Patrick Schenk, einen dringlichen Antrag werde die BFF aber nicht stellen: „Wir wollen aus einem Nebenkriegsschauplatz kein Stalingrad machen.“

Cappelluti wollte am Mittwoch keine Fragen zu dem Video beantworten. Dafür sagte Bastian Bergerhoff, Kreisvorsitzender der Grünen, er könne sich vom Vorgehen der Geschäftsführerin nicht distanzieren, da deutlich werde, dass sie als Privatmensch gehandelt habe. „Als Partei ist es aber nicht unser Stil, Auseinandersetzungen mit der AfD auf diese Art zu führen“, sagte Bergerhoff.

Dass Gauland die Altstadt verlassen habe, sei vermutlich gut für ihn gewesen: „Er hätte sich keinen Gefallen getan, wenn er die Nähe der Eintracht-Fans gesucht hätte.“ Damit spielte Bergerhoff auf die Auseinandersetzung zwischen Eintracht-Präsident Peter Fischer und der AfD an. Fischer hatte erklärt, es könne niemand Mitglied bei der Eintracht sein, der die Partei wählt.

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