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Frankfurt Lutz Sikorski ist tot

Frankfurts Verkehrsdezernent Lutz Sikorski, langjähriger Grünen-Chef der Mainmetropole, starb in der Nacht zum Mittwoch, 5. Januar, nach längerer Krankheit. Am 2. Januar war er 61 Jahre alt geworden. Ein Nachruf.

Stadtgespraech Radwege
Lutz Sikorski erklärt und verteidigt seine Verkehrspolitik. Foto: Alex Kraus

Frankfurts Verkehrsdezernent Lutz Sikorski, langjähriger Grünen-Chef der Mainmetropole, starb in der Nacht zum Mittwoch, 5. Januar, nach längerer Krankheit. Am 2. Januar war er 61 Jahre alt geworden. Ein Nachruf.

Beim letzten Gespräch war er noch so optimistisch. Es werde schon wieder, hatte Lutz Sikorski am Telefon vor Weihnachten gesagt. Und er meinte damit seine Rückkehr in die Frankfurter Kommunalpolitik, aus der eine tückischen Krankheit ihn seit Monaten verbannt hatte. Da war er noch mal zu spüren, der Optimismus, das positive Denken, das diesen Mann in einem Vierteljahrhundert im Römer nie verlassen hatte.

Doch dieses Mal hatte sich der Politiker getäuscht. Der Frankfurter Verkehrsdezernent hat den Kampf gegen seine Krankheit verloren, er ist im Alter von gerade einmal 61 Jahren gestorben. Am 2. Januar war sein Geburtstag.

25 Jahre hat er an führender Position die Politik im Römer mitbestimmt, das ist für die kurzlebige Kommunalpolitik eine sehr lange Zeit. Doch das allein war es nicht, das ihn aus den Reihen hervorhob. Er war ein in jeder Hinsicht ungewöhnlicher Grüner. Offizier der Bundeswehr. Geschäftsführer eines Unternehmens der chemischen Industrie. Ein Realpolitiker im besten Sinne. Man müsse auch die andere Seite kennen, pflegte er zu sagen. Um sie verstehen zu können.

Bei den Radikalökologen, dem Flügel der Grünen um Jutta Ditfurth und Manfred Zieran, der die Anfänge der Partei in Frankfurt prägte, ist ihm das immer schwer gefallen. Man stand sich recht unversöhnlich gegenüber in der Römer-Fraktion, in die Sikorski 1985 als einer von zwei Geschäftsführern eintrat. Der geborene Nürnberger, aber bekennende Frankfurter und leidenschaftliche Bornheimer Lutz Sikorski hat immer nach Verbindendem über Parteigrenzen hinweg gesucht.

Anerkennung von allen Seiten

Das verschaffte ihm früh Anerkennung auch über Parteigrenzen hinweg, Ende der 80er Jahre namentlich bei den Sozialdemokraten in Frankfurt. Sikorski gehörte zu den Architekten der ersten rot-grünen Römer-Koalition nach dem Sieg von SPD und Grünen bei der Kommunalwahl 1989. Es herrschte damals große Aufbruchstimmung in der Stadt. Endlich Wohnungsbau. Endlich eine Umweltpolitik, die diesen Namen verdiente, mit Tom Koenigs als erstem Dezernenten. Endlich eine aktive Schulpolitik, mit der früheren Lehrerin Jutta Ebeling als Protagonistin.

Der schlagfertige Sikorski, ein kluger Taktiker der Macht, steuerte die Rathaus-Fraktion der Grünen durch alle Fährnisse, bald auch als Vorsitzender. Doch auch er konnte die innere Erosion dieses Bündnisses in den 90er Jahren nicht verhindern. Die Sozialdemokraten demontierten ihren Oberbürgermeister Volker Hauff, der 1991 entnervt aus Frankfurt floh. Ein konservativer Teil der SPD träumte von der Großen Koalition mit der CDU. Als sich Sikorski öffentlich kritisch mit den Machtstrukturen bei den Frankfurter Stadtwerken auseinandersetzte, gar von einem Sumpf sprach, der trockengelegt gehörte, verweigerten ihm Abweichler der Sozialdemokraten die Wahl zum hauptamtlichen Stadtrat, zum Umweltdezernenten, seinem Traum. Es war der Anfang vom Ende von Rot-Grün.

An diesem Rückschlag litt der Grüne auch persönlich lange.

Der wesentliche Baumeister

Aber er gab nicht auf. Organisierte die Opposition der Grünen in den Jahren der Kommunalpolitischen Plattform von CDU und SPD im Römer. Brachte die Grünen als Teil des Vierer-Bündnisses mit CDU, SPD und FDP wieder zurück an die Macht. Und erlebte eine späte, aber um so größere Genugtuung, als 2006 die schwarz-grüne Koalition im Frankfurter Rathaus zustande kam, wieder mit ihm als einem wesentlichen Baumeister. Mit mehr als zehn Jahren Verspätung gelang ihm dann doch noch die Wahl in die Stadtregierung. Seine politische Leidenschaft, seine Beharrlichkeit, diente einer umwelt- und menschengerechten Verkehrspolitik.

Und er wurde gehört, auf allen Seiten. Seine Positionen wurden angenommen; seit er krank war, haben ihn Viele, nicht zuletzt die OB, bei öffentlichen Anlässen vermisst. Sikorski hatte erreicht, dass Frankfurt konsequent sein Radwegenetz ausgebaut hat. Und dass Fußgängern mehr Raum eingeräumt wurde, nicht nur im Nordend. Sein Weg war der des Kompromisses. Er verstand sich nicht als Revolutionär, sondern als Reformer innerhalb des Systems. Meist mit Humor, mit der für einen Politiker seltenen Fähigkeit zur Selbstironie. Sein früher Tod ist ein großer Verlust, Auch für die Stadt. Er hat sich um Frankfurt verdient gemacht.

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