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Frankfurt Kleinmarkthalle Lob der Frau

Michaela Frieser hat in der Kleinmarkthalle einen Stand. Mit einem Schild wird die Markthändlerin bundesweit bekannt. Die Aufschrift: „Nette Aushilfe gesucht – 4 Männer oder 1 Frau.“ Jetzt kann sich Michaela Frieser auf Facebook kaum vor Freundinnen und Freunden retten.

Michaela Frieser in der Kleinmarkthalle neben dem Schild des Anstoßes. Foto: Christoph Boeckheler

An ihr kommt niemand vorbei. Wer vom Liebfrauenberg aus Frankfurts traditionsreiche Kleinmarkthalle betritt, steht vor dem Stand von Michaela Frieser. Prachtvolles Obst und Gemüse türmen sich da, dass es eine Art hat. Die Friesers aus Sachsenhausen: Das ist eine Markthändler-Dynastie mit viel Tradition. „Wir sind hier mit unserem Stand seit 1938“, sagt die Frau, die das Sagen hat.

Wobei bekannter als Michaela ihre Mutter Roswitha ist. Eine Frau, die vor nichts und niemandem Respekt oder gar Angst hat. Ihr Mundwerk ist in Frankfurt berühmt-berüchtigt – und wer bei den Friesers kauft, der muss sich auf manchen Scherz gefasst machen. Doch die Mutter zählt mittlerweile 74 Jahre, kümmert sich liebevoll um ihren Hund und hat sich aus dem Tagesgeschäft ziemlich zurückgezogen.

Ihre Tochter aber steht ihr absolut nicht nach in Sachen Humor. Zum Beispiel: „Ich mach alles im Bett – solange ich net uffstehe muss.“ Doch jetzt hat sie einen Wirbel ausgelöst, der ihr selbst ein wenig unheimlich ist.

Alles begann damit, dass die Markthändlerin eine neue Hilfskraft suchte. Also beschrieb sie ein kleines Pappschild mit den Worten: „Nette Aushilfe gesucht – 4 Männer oder 1 Frau.“

Seitdem ist die Sachsenhäuserin bundesweit bekanntgeworden. Bei Facebook gewann sie mehrere Tausend Freundinnen und Freunde, das Fernsehen war auch schon da. Und vor allem gab und gibt es viele schöne und engagierte Gespräche mit Männern. Der junge Mann, der Michaela am Stand hilft, fasst die Reaktionen seiner Geschlechtsgenossen so zusammen: „Die sind schon angepisst.“

Anwalt warnt vor Klage

Ein Rechtsanwalt, berichtet die Marktfrau, habe ihr klargemacht, dass sie eine Klage wegen Diskriminierung riskiere. Tatsächlich hat Frieser das Schild aus einer Laune heraus geschrieben – und meint es nur halb ernst. Aber dass Männer einfach weniger bringen als Frauen, das entspringe nun mal „meiner langjährigen Erfahrung“. Da lacht die Händlerin der vier Jahreszeiten. Und erzählt wieder einen Witz: „Alle Babys komme gleich uff die Welt – den Schlaue fällt aber dann des Schwänzche ab!“ Frieser kann sich ausschütten vor Lachen über so was. Zwei Männer, die sich eigentlich für die prachtvollen Äpfel interessiert haben, gucken allerdings völlig indigniert.

Und dann schwärmt die Sachsenhäuserin noch ein bisschen von Frauen. „Wir können mehrere Dinge auf einmal tun – wir sind multitasking.“ Ach ja, am Stand der Friesers arbeiten übrigens „zwei Buben, der Vater, ich und zwei Mädchen“. Die seien von der Suchanzeige alle begeistert.

Die Marktfrau lässt sich jedenfalls nicht ins Bockshorn jagen. „Wir Frauen sind schmerzfrei, wir jammern nicht.“ Auf das umstrittene Schild hin hätten sich übrigens bisher vor allem Männer als potenzielle Aushilfe gemeldet. Michaela Frieser hat sich noch nicht entschieden.

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