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Frankfurt Junkies verstören Nachbarn im Bahnhofsviertel

Die Stadt will mehr Polizei gegen Drogenprobleme im Bahnhofsviertel einsetzen. Die Anwohner haben in einem offenen Brief an die Stadt geschildert, dass sie sich in ihrem Viertel nicht mehr sicher fühlen.

30.03.2012 21:45
Julia Frese
Alltag im Bahnhofsviertel: Das Elend der Drogenkranken. Foto: Rolf Oeser

Für die Bewohner des Bahnhofsviertels sind Drogenabhängige kein ungewohnter Anblick. Doch die Situation habe sich in den letzten Jahren derart verschärft, dass sie sich in ihrem Viertel nicht mehr sicher fühlten, schrieben vergangene Woche 84 Bürger in einem offenen Brief an die Stadt. Ein Unterzeichner berichtete, er sei von einem Drogenkonsumenten verfolgt, überfallen und geschlagen worden, einer schwangeren Frau waren von einer Drogenabhängigen Tritte in den Bauch angedroht worden.

Bei einem Treffen mit Ordnungsdezernent Markus Frank und Gesundheitsdezernentin Manuela Rottmann listeten die Bürger nun auf, an welchen Stellen sie sich besonders bedroht fühlen. „Wir sind sehr dankbar für die Hinweise der Anwohner und können unsere Leute dadurch zielgerichtet einsetzen“, so Frank. Auch über städtebauliche Veränderungen werde nachgedacht, um mehr Licht an dunkle Orte gelangen zu lassen und den Drogenhändlern und -süchtigen die Chance zu verbauen, ihre Ware zu verstecken.

Die Ecken, an denen Anwohner Drogenhandel beobachtet haben, sollen in Zukunft stärker von der Polizei kontrolliert werden. „Wir schauen uns die Orte konkret an und treten auch mit den Hauseigentümern in Kontakt“, sagt Frank. Zusätzlich versucht das Projekt „Offensive Sozialarbeit, Sicherheit, Intervention, Prävention“ den Drogenkonsum durch den Einsatz von Sozialarbeitern zu kontrollieren. Drogenkonsumenten, die halbwegs stabilisiert sind, versuchen Sozialarbeiter in andere Viertel umzusiedeln, um sie vor Rückfällen zu schützen.

Zunehmende Angst im Bahnhofsviertel

Die Frankfurter Drogenpolitik, die durch die Zusammenarbeit von Sozialarbeitern und Polizei Hilfe und Repression kombiniert, ist international ein Vorbild. Die Zahl der Drogentoten in dieser Stadt sei in den vergangenen Jahren kontinuierlich gesunken, so Rottmann. „Gescheitert ist der Frankfurter Weg nicht, er steht nur vor einer neuen Herausforderung.“

Als eine Ursache für die zunehmende Angst im Bahnhofsviertel sieht die Umweltdezernentin den Anstieg der psychisch Kranken unter den Drogenkonsumenten. „Diese Menschen sind eine Bedrohung im öffentlichen Raum.“ Zum anderen trage die Kriminalität im Drogenmilieu zur Unsicherheit der Menschen bei. Alexander Kießling von der hessischen Landespolizei weist darauf hin, dass sich der Drogenhandel weiterentwickelt habe. Crack könnten Abhängige inzwischen als Fertigprodukt – als Pfeife mit integriertem Stein – kaufen. Die Droge sei damit noch leichter zugänglich geworden und ziehe mehr Menschen in die Sucht.

Wichtig sei, dass die Polizei schnell erkenne, wo Stress unter Drogenabhängigen entstehe, so Rottmann. Dabei können die Anwohner eine große Hilfe sein. Frank und Rottmann wollen sich in Zukunft regelmäßig mit den Bewohnern des Viertels zusammensetzen, um auszumachen, an welche Ecken die Polizei stärker präsent sein sollte.

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