Lade Inhalte...

Frankfurt-Innenstadt Spielerisch den Ernstfall trainieren

Nachwuchssanitäter zeigen ihr Wissen und Können beim Kreiswettbewerb des Jugendrotkreuzes. In sechs Disziplinen treten Gruppen im Alter von sechs bis 16 Jahren an.

Wettbewerb
Versorgen unter Zeitdruck: Schüler der Textorschule setzen bei Statisten Verbände. Foto: Renate Hoyer

Bisher hat Andrea Hartenfeller ruhig zugeschaut. Hier und da einen Hinweis gegeben, keinen großen, nur gerade so, dass die Kinder eine kleine Orientierung bekommen. Jetzt aber, nach acht, neun Minuten wird sie ein wenig bestimmter. „Entscheidet Euch mal für eine Seite!“, sagt sie. Vor ihr auf dem Boden dreht Vincenco den vermeintlich Bewusstlosen hin und her, von rechts nach links und wieder zurück. Verletzte versorgen unter Zeitdruck – das ist Teil des Kreiswettbewerbs des Jugendrotkreuzes (JRK) Frankfurt am Samstag in der Geschäftsstelle des Deutschen Roten Kreuz in der Seilerstraße.

In sechs Disziplinen treten dabei sieben Gruppen im Alter von sechs bis 16 Jahren in dem vom Deutschen Roten Kreuz organisierten Wettbewerb an. „Die Kinder und Jugendlichen sollen hier ihr Wissen präsentieren können“, sagt Kreisleiter Franz Philippe Bachmann. Doch Rotes Kreuz, meint Bachmann, sei nicht nur Pflaster kleben. Man habe einen öffentlichen Auftrag, über humanitäres Recht aufzuklären und all das, was damit einhergehe. Die Teilnehmer sollen daher auch darstellen, wie sie beispielsweise eine Flüchtlingsfamilie integrieren würden, oder etwa Allgemeinwissensfragen beantworten.

Vincenco hat sich nach einiger Zeit entschieden, wie er den Bewusstlosen denn nun dreht. Gemeinsam mit seiner Gruppe von der Bornheimer Louise-von-Rothschild-Schule hatte er zuvor zehn Minuten Zeit, drei Verletzte zu versorgen. „Realitätsnahe Notfallsimulation“ nennt Bachmann aufgemalte Platzwunden und vorgetäuschte Bewusstlosigkeit. „Unecht“ nennt es Hilal, die gemeinsam mit Vincenco die Verletzten versorgen musste und der scheinbar die Dramatik der Wirklichkeit fehlte.

Mit Spiel und Spaß motivieren

Andrea Hartenfeller nimmt darauf allerdings keine Rücksicht. Sie hat zu bewerten, was die Kinder gezeigt haben. Haben sie einen Notruf abgesetzt? Welche Maßnahmen wurden eingeleitet, und alle Verletzungen erkannt? Aber ebenso, wie die Gruppe als Team zusammengearbeitet hat. „Das war schon gut“, sagt Hartenfeller. Bei der stabilen Seitenlage allerdings hätte sie sich mehr gewünscht. 51 von 70 Punkten gibt es am Ende für die Station. Nicht allzu schlecht also.

Für Bachmann ist der Wettbewerb auch deshalb wichtig, weil die Kinder so mit Spiel und Spaß motiviert würden und dabei blieben. 600 Mitglieder zählten aktuell die Jugendorganisationen des DRK in Frankfurt, sagt Bachmann. Damit könne man zufrieden sein. Die meisten seien dabei in einer der 20 Schulgruppen organisiert. Außerhalb davon sähe es dürr aus, „wegen der Ganztagsschulen fehlt den Kindern die Zeit“.

Dennoch, eine Gruppe aus Bergen-Enkheim ist ebenfalls dabei. In einem Raum stellen Riva und Oscar mit den anderen Jugendlichen aus ihrer Gruppe vor, wie sie Flüchtlinge beim DRK integrieren würden. Der Vater könne beispielsweise als Krankenwagenfahrer arbeiten. Ob er das denn einfach so machen könne, fragt die junge Dame, die die Einfälle zu bewerten hat. Nein, meint Oscar, dafür bräuchte er natürlich schon eine Ausbildung als Notfallsanitäter.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen