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Frankfurt-Innenstadt Ein Kaufmann und Sozialreformer

Der ehrenamtliche Stadtteilhistoriker Wolfgang Storm erforscht das Leben des Kaufmanns Jakob Latscha, der einst eine Ladenkette im Rhein-Main-Kette hatte. Latschka war nicht nur Unternehmer, sondern auch Sozialreformer. Er versuchte, unter anderem die Wohnungsnot zu bekämpfen.

Wolfgang Storm interessiert sich für Jakob Latscha. Foto: Andreas Arnold

Der Name Latscha begleitet Wolfgang Storm seit seiner Kindheit. „Latscha liefert Lebensmittel“ war ein griffiger Werbeslogan des Kaufmanns Jakob Latscha gewesen, der 1882 sein erstes Kolonialwarengeschäft am Allerheiligentor eröffnete. Bis zu seinem Tod 30 Jahre später wuchs die Anzahl auf mehr als 70 Filialen im gesamten Rhein-Main-Gebiet.

Storm hat als Kind im Westend gewohnt. „Einen Latscha-Laden gab es um die Ecke“, sagt er. Die Ladenkette hätten Kinder und Enkel bis in die 1970er Jahre weitergeführt, ehe sie an das Unternehmen Leibbrand verkauft worden sei, so Storm. Den 75-Jährigen fasziniert vor allem die soziale Ader des Einzelhandels-Unternehmers. Latscha habe sich nicht nur für Sonntagsruhe und den Ladenschluss um 20 Uhr eingesetzt, sondern auch versucht, die Wohnungsnot zu bekämpfen. „Er hatte das große Anliegen, sogenannte kleine Leute mit Wohnraum zu versorgen“, sagt Storm. Davon zeugten die Wohnsiedlungen Buchschlag und Waldheim, im Offenbacher Stadtteil Rumpenheim.

Begeistert von der Landschaft

„Mich interessiert, was den Mann bewegt hat, sich als Sozialreformer einzusetzen“, sagt Storm, der als Stadtteilhistoriker der Polytechnischen Stiftung Jakob Latschas Spuren verfolgt. Dessen Glaube als Mennonit einer Evangelischen Freikirche habe dazu beigetragen, vermutet der Hobby-Historiker.

Als Vorstandsmitglied des „Christlichen Vereins junger Männer“ (CVJM) sei er mit den Kirchenmitgliedern öfter per Zug nach Buchschlag gefahren, um Feldgottesdienste abzuhalten. „Der Bahnhof und das Forsthaus waren damals die einzigen Häuser, die dort standen“, berichtet Storm. Dem Landwirtssohn habe die Gegend so „wunderbar gefallen“, dass er eine Wohnsiedlung in dem Waldgebiet errichten wollte. Den Großherzog, Eigentümer der Fläche, konnte er von seinem Vorhaben überzeugen. Nur, dass dieser wohlhabende Bewohner bevorzugte. Schließlich entstand die „Villenkolonie“ Buchschlag, die, wenn auch mit anderen Vorstellungen, auf Latscha als Gründer zurückzuführen sei. Eine „Jakob-Latscha-Straße“ erinnert an den Kaufmann.

Seit fast 30 Jahren wohnt auch Wolfgang Storm in der Kolonie. Der pensionierte Jurist arbeitete mit einem Urenkel Latschas zusammen, der 1994 verstorben sei. Für Storm ist Latscha außer diesen Anknüpfungspunkten ein Vorbild, weil er „nicht nur nach seinem Betrieb schaute, sondern auch etwas zurückgeben wollte“. Wie Latscha im christlichen Verein und der Inneren Mission der Kirche, engagiert sich auch Storm für junge Leute. Er unterstützt bei dem Projekt „Alt hilft Jung“ der Bundesarbeitsgemeinschaft Wirtschafts-Senioren als Mentor Jugendliche aus sozial weniger gut gestellten Familien auf dem Weg zu ihrem Schulabschluss und bei der anschließenden Bewerbung.

Wie Latscha sein soziales Engagement und seine Tätigkeit als Unternehmer verknüpfen konnte, möchte Storm noch herausfinden. Im Institut für Stadtgeschichte hat er das Latscha-Firmenarchiv mit „knapp neun Regalmetern“ nach Informationen durchforstet. Seine Ergebnisse plant er bis Ende seines Ehrenamtsstipendiums im Frühjahr in einer Broschüre festzuhalten.

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