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Frankfurt im Krieg Das neue Gedenken in der Altstadt

Eine neue Bronzeplatte vor dem Frankfurter Dom nennt nicht nur Bombenopfer, sondern auch den Aggressor Deutschland.

Neue Altstadt Frankfurt
Blick in die neue Frankfurter Altstadt. Foto: Peter Jülich

Mehr als 73 Jahre sind vergangen, seit die Frankfurter Altstadt bei schweren Bombenangriffen zum großen Teil zerstört wurde. Wenn in einem Jahr, im September 2018, die neue Altstadt zwischen Dom und Römer feierlich eingeweiht wird, soll auch an diese Bombennächte und die Menschen erinnert werden, die dabei starben.

Auf dem Platz vor dem Dom wird eine große Bronzeplatte in den Boden eingelassen. Doch war früher nur von den „Bombenopfern“ und von den deutschen Gefallenen die Rede, erweitert sich künftig die Perspektive: Zum ersten Mal will die Stadt auch deutlich machen, dass es Deutschland war, das seine europäischen Nachbarstaaten mit einem Angriffskrieg überzogen hatte.

„Die Erinnerungsarbeit in Frankfurt ändert sich“, sagt Kirsten Grote-Beer, Fachreferentin im städtischen Kulturdezernat. Sie wird die Pläne für die Gedenkbronze am Montag, 25. September, im Dom-Römer-Ausschuss des Stadtparlaments vorstellen.

Tatsächlich hatte es seit den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts im Gebiet der früheren Frankfurter Altstadt bereits eine große Boden-Gedenkplatte gegeben. Sie war vor dem Technischen Rathaus in die Erde eingelassen. Auf dieser runden Bronze mit einem Meter Durchmesser gab es allerdings nur die Opfer-Perspektive. Von den 5559 „Bombenopfern“ der Stadt Frankfurt und ihren 14 701 Gefallenen im Zweiten Weltkrieg war da die Rede.

Platz vor dem Dom soll umgestaltet werden

Akribisch wurde aufgelistet, dass die Bombenangriffe in der Stadt 17 Millionen Kubikmeter Schutt hinterließen. Als das Technische Rathaus abgerissen wurde, um der neuen Altstadt Platz zu machen, verschwand auch dieser Gedenkstein. „Er wurde bei einer Baufirma eingelagert“, erinnert sich Michael Guntersdorf, der Geschäftsführer der städtischen Dom-Römer GmbH.

Doch die Fachleute im städtischen Kulturamt ließ das nicht ruhen. Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) und ihr Team wollen, dass die Bronzeplatte in den Boden auf dem Domplatz eingelassen wird.

Freilich soll sie um einen neuen Außenring ergänzt werden, dessen Inschrift auf den Aggressor Deutschland hinweist. Die Details werden am Montag im Dom-Römer-Ausschuss präsentiert werden.

Der Platz vor dem Dom soll ohnehin im Zuge der neuen Altstadt umgestaltet werden. In einem gemeinsamen Antrag haben CDU, SPD und Grüne das Ziel formuliert, dass die neue Platzfläche bis zur Einweihung der Altstadt im September 2018 vollendet ist.

Neue Bäume will man pflanzen lassen, der Durchgangsverkehr soll verbannt werden. Der Domplatz soll dadurch tatsächlich eher zu einer Fläche von Ruhe und Einkehr werden. Allerdings wird er stark von Touristen frequentiert. Bereits im städtischen Etat 2017 wurden drei Millionen Euro für die Umgestaltung zur Verfügung gestellt. Das Geld stammt aus dem kommunalen Haushalt „Schöneres Frankfurt“ zur neuen Gestaltung von Straßen und Plätzen.

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