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Frankfurt Hommage an Gustav Diessl

Das Filmmuseum Frankfurt erinnert an den Schauspieler, der vor 70 Jahren starb

Gustav Diessl
Gustav Diessl im Film ?Nora?. Bild: dif Foto: (Extern)

Es sind die großen Schauspieler der 30er und 40er Jahre des vorigen Jahrhunderts, die es Rosemarie Killius angetan haben. Menschen, deren Wirken geprägt war von der NS-Zeit. Die sich entscheiden mussten, ob sie sich einspannen lassen von der Propagandamaschine – oder sich widersetzen und damit ihre Karriere und im schlimmsten Fall sogar ihr Leben riskieren.

Killius, die einst an der Frankfurter Goethe-Universität lehrte, beschäftigte sich mit Joachim Gottschalk („Du und ich“), der mit einer Jüdin verheiratet war. Als seine Familie deportiert werden sollte, beging er gemeinsam mit Frau und Sohn Suizid. Auch forschte sie über die vor einem Jahr verstorbene Anneliese Uhlig, die nach einem Konflikt mit Propagandaminister Joseph Goebbels nach Italien gegangen war.

Und nun ist es Gustav Diessl, mit dem sich Killius beschäftigt. Das Deutsche Filmmuseum in Frankfurt widmet dem 1948 gestorbenen Schauspieler am Dienstag einen ganzen Abend. Killius wird eine Einführung halten, auch Diessls Sohn, Fritz Diessl-Curzon, hat sich angekündigt. Gezeigt wird der Film „Nora“, über den die „Filmwelt“ im Jahr 1944 schrieb: „Der Blick des Zuschauers wird besonders gelenkt durch die Kunst von Gustav Diessl.“

Auch bei dem 1899 in Wien geborenen Schauspieler stellt sich die Fragen nach seinem Wirken in der NS-Zeit. Rosemarie Killius führt darüber sogar eine Auseinandersetzung mit der Stadt Wien. Die Forscherin würde an seinem Geburtshaus gerne eine Gedenktafel anbringen lassen – wie sie es auch am Haus der Familie Gottschalk in Frankfurt-Sachenhausen getan hat. Doch die Behörden in der österreichischen Hauptstadt lehnten ab. Diessl sei zumindest ein Profiteur des NS-Regimes gewesen, ließen sie Killius wissen.

Die Frankfurterin sieht das anders. Zwar habe sich die Parteiführung damals gerne mit Schauspielerinnen und Schauspielern umgeben – auch mit Diessl. „Er war aber ein recht unpolitischer Mensch“, sagt Killius. Sie kennt sogar Briefe, in denen sich Diessl über Goebbels lustig macht und ein Ende der Schreckensherrschaft herbeisehnt.

Die Stadt Wien konnte Rosemarie Killius damit noch nicht überzeugen. Doch wer sie kennt, weiß: Die Behörden in Österreich werden nicht das letzte Mal von ihr gehört haben.

 

Nora, 31. Juli, 18 Uhr, Deutsches Filmmuseum, Schaumainkai 41, Frankfurt.

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