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Frankfurt-Höchst Zwei in einem

Das erfolgreichste Blasorchester des Stadtteils ist gleichzeitig der Musikverein Unterliederbach. Und das kam so: Die Unterliederbacher betrieben früher eine erfolgreiche Bigband. Darauf wurde die Hoechst AG aufmerksam. Das Blasorchester Hoechst war damit geboren.

17.12.2014 12:28
Georg Grodensky
Bläser erzeugen eine gute Atmosphäre auf Festen. Foto: Monika Müller

Ein Weihnachtsmarkt ist eine stimmungsvolle Sache. Es durftet, es glitzert, es dampft in der Kälte. Auch festliche Klänge dürfen nicht fehlen. Die können vom Band kommen, schöner ist aber in echt. „Ein Blasorchester bringt Atmosphäre“, sagt Franz Lindenthal. Der 64-Jährige kennt sich aus. Nicht nur spielt er Saxophon beim Blasorchester Höchst. Er ist auch der Vorsitzende.

Eigentlich steht er sogar zwei Clubs in einem vor. Das Orchester ist gleichzeitig der Musikverein Unterliederbach. Das kam so: Die Unterliederbacher betrieben früher eine erfolgreiche Bigband. Darauf wurde die Hoechst AG aufmerksam. Und weil die großen Chemiewerke alle eigene Blasorchester unterhielten, fragten die Rotfabriker nach, ob der Musikverein das übernehmen würde. „Sie wollten lieber Vereine aus der Umgebung unterstützen, als etwas Eigenes gründen“, sagt Gunhild Dörholt, die Schriftführerin. Das Blasorchester Hoechst war geboren.

Die Verbindung war eng: Das Orchester spielte auf Aktionärsfeiern, bei Lehrlingsverabschiedungen, auch große Konzerte in der Jahrhunderthalle. „Man musste sich um die Einnahmen keine Sorgen machen“, sagt Lindenthal. Als sich die Hoechst AG Anfang der 90er aufzulösen begann, schon.

Nicht nur die finanzielle Förderung brach weg, auch die Mitgliedszahlen gingen zurück, ein neuer Proberaum musste her. Die Gruppe geriet aber nicht in Panik. „Wir halten das so lange aufrecht, wie wir spielfähig sind“ – das war die Losung, so Lindenthal.

Tatsächlich hat sich das Orchester durchgebissen. „Ein Kollege hat einen Proberaum in Zeilsheim aufgetan“, erzählt Lindenthal, eine Bekannte einen Lagerraum. Die endgültige Rettung war ein Engagement im Schauspiel Frankfurt. Das Orchester wurde für ein Stück von Dea Loher gebucht. Das brachte Geld – und Aufmerksamkeit. „Es war ein kritisches Stück, über das sich viele aufgeregt haben“, sagt Lindenthal. Schwierig obendrein: „Wir haben es erst bei der dritten Aufführung verstanden.“

Seinen Namen behielt das Orchester bei, allerdings mit „ö“ statt „oe“. „Wir waren bekannt unter dem Namen.“ Die Höchster bleiben ja auch Unterliederbacher. „Wir sind Mitglied in beiden Vereinsringen“, sagt Gunhild Dörholt, „fühlen uns da und dort verwurzelt.“ Beide Vereinsringe arbeiten ohnehin eng zusammen.

Ein Höchster derzeit nicht dabei

Die 25 Mitglieder des Orchesters kommen aus der ganzen Region, aus dem Frankfurter Westen, dem Taunus, den südlichen Vororten. Nur ein Höchster ist derzeit nicht dabei. „Wir hatten einen“, sagt Lindenthal und lacht. Der ist aber gerade 84 geworden und spielt nicht mehr mit.

Wichtig ist anderes. „Es macht riesig Spaß, in einer so motivierten Gruppe zu spielen“, sagt Lindenthal. Auftritte gibt es reichlich. Auf Bürgerfesten, beim Schlossfest. In der Weihnachtszeit sind die Musiker jedes Wochenende gefragt. „Wir haben ein gutes Niveau“, sagt Lindenthal. Eine Reihe würde er dennoch gerne reaktivieren – und sucht dafür noch Mitstreiter. Bis 2010 konnten Musikvereine noch im Palmengarten auftreten. „Es ist schade, dass das eingeschlafen ist.“

Das Orchester probt montags von 20 bis 22 Uhr, in St. Markus Nied, Nieder Kirchweg 12. Informationen unter: www.blasorchesterhoechst.de

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