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Frankfurt-Höchst Protest im Sitzen

Die Höchster wollen ihre Bänke auf der Köingsteiner zurück. Eine Senioreninititative protestiert auf Klappstühlen gegen den Abbau der Sitzgelegenheiten.

Die Senioreninitiative Höchst beim Sit-in auf der Königsteiner Straße - auf Klappstühlen, denn die Stadt hat die Bänke entfernt. Foto: christoph boeckheler*

Zwei Bänke stehen noch in der Höchster Fußgängerzone, auf der Königsteiner. Sie sind besetzt. Der Dienstagnachmittag ist freundlich mild. Auch auf den vielen Stühlen, die Bäcker, Eissalon, Kramgeschäfte und sonstige Läden vor die Tür gestellt haben, sitzen die Menschen und plaudern. In Höchst ist der öffentliche Raum gut besucht.

Vor dem Rewe-Markt hat es sich ein Gruppe älterer Menschen auf mitgebrachten Klappstühlen gemütlich gemacht. Die Senioreninitiative hat ein Sit-in organisiert, ein Protest-Sitzen. Mit Demo-Banner und mehreren Schildern. Die Gruppe will darauf aufmerksam machen, dass es um den öffentlichen Raum im Quartier doch nicht so gut bestellt ist, wie es auf den ersten Blick scheint. Die Stadt hat im vergangenen Jahr vier Bänke von der Kö entfernt und noch nicht ersetzt. Die Senioren sind sauer.

„Es gibt nur noch kommerzielle Sitzplätze“, sagt Waltraud Beck von der Initiative. Also Sitzgelegenheiten, die man nur nutzen darf, wenn man etwas kauft. Die Senioren wollen die öffentlichen Bänke zurück. Und nicht nur sie. Die Passanten unterschreiben bereitwillig die Listen, die Beck und ihre Mitstreiter auf Kladden gespannt haben. Alte und junge Leute, dicke und dünne. Manche diskutieren lebhaft mit den Senioren, andere sprechen nur gebrochen Deutsch. Alle vermissen die Bänke. Nach einer Viertelstunde haben bereits 40 Passanten unterschrieben.

Ursula Schmidt zum Beispiel. Mehrmals die Woche gehe sie einkaufen. Da würde sie sich gerne auf dem beschwerlichen Weg mal hinsetzen. Schmidt ist 101 Jahre alt. Sie hat davon gehört, dass die Stadt die Kö umgestalten möchte und dann Bänke wiederkehren könnten. „Darauf möchte ich nicht warten“, sagt sie.

Stadtpolizei soll aufpassen

Vier Samstage lang will die Initiative Unterschriften sammeln, dann will sie das Gespräch mit der Stadt suchen. Beim Ortsbeirat ist sie schon vorstellig geworden. Das Gremium unterstützt das Anliegen. Einstimmig hat der Ortsbeirat die Stadt beauftragt, einen Ortstermin mit den zuständigen Ämtern und den Senioren zu organisieren.

Aber nicht alle sind begeistert. Ein Anwohner schimpft regelrecht. Er sei froh, dass die Bänke weg seien. Dort hätten die Trinker gelagert, krakeelt und Schlimmeres. „Es gibt billiges Bier und die Läden haben lange auf.“ Die Polizei sei oft zu beschäftigt und habe auf Beschwerden nicht reagiert. Deswegen müsse man die Präsenz der Stadtpolizei natürlich erhöhen, finden die Senioren. „Es ist ein Unding, dass die Wache nur bis 20 Uhr besetzt ist“, sagt Beck.

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