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Frankfurt-Höchst Neuer Blick auf Flüchtlinge

Schüler einer Arbeitsgemeinschaft des Friedrich-Dessauer-Gymnasiums in Frankfurt-Höchst drehen einen Dokumentarfilm über Flüchtlinge. Es ist nicht das erste Mal, dass sie sich einem aktuellen Thema widmen.

Abdiranman Mohamed berichtet über seine Erfahrungen in Deutschland. Foto: Andreas Arnold

Im großen Saal des Friedrich-Dessauer-Gymnasiums ist auch nach der letzten Schulstunde am Dienstagnachmittag noch viel los. Etwa fünfzig Schüler und Lehrer sitzen vor der Bühne. Am Podium steht die 16-jährige Ulrike Küst: „Kriminelle Flüchtlinge sollten abgeschoben werden?“, fragt sie in die Runde. Schnell werden Stimmzettel gehoben. Grüne Zettel bedeuten „ich stimme zu“, gelben „ich stimme nicht zu“. Hier und da werden die Zettel noch mal gewechselt. „Enthaltungen sind nicht erwünscht. Wir wollen ein möglichst breitgefächertes Meinungsbild“, sagt Johanna Annau (16), die mit Küst am Podium steht.

Die beiden Schülerinnen gehören zur AG „Friedrich-Dessauer-Gymnasium in Aktion“. Seit einigen Wochen arbeiten die 15 Schüler der Arbeitsgemeinschaft an einem Dokumentarfilm über Flüchtlinge. Bei der Vorführung des Films „Flüchtling – Eine Frage der Perspektive“ lud die AG gestern zu einer Diskussionsrunde.

Vor einem Jahr gründeten die Politikwissenschaftslehrer Julien Halbow und Karima El Ouazghari die freiwillige Arbeitsgruppe. Die Schüler setzen sich hier unter anderem für Tierschutz oder die Rechte Homosexueller ein. „Viele Schüler fanden den Unterricht zu theoretisch und wollten selbst etwas bewegen“, sagt Ouazghari, „deshalb wollten wir ihnen eine Plattform schaffen.“ Bei den wöchentlichen Treffen sollen den Schülern Kontakte für gemeinnützige und politische Projekte vermittelt werden.

Für den Film hat Ouazghari, die ehrenamtlich Flüchtlinge unterrichtet, den Kontakt zu Abdiranman Mohamed hergestellt. Der Somalier ist vor zwei Jahren aus seiner Heimat geflohen. Im Film erzählt er von Vorurteilen nach der Silvesternacht in Köln, den Problemen bei der Wohnungssuche und der Sprachbarriere, die er so schnell wie möglich überwinden möchte, um Freunde und einen Job zu finden.

Um möglichst viele Meinungen für den Film einzuholen, haben die Schüler neben Mohamed auch Passanten auf der Zeil interviewt. Dass es bei der Befragung vor allem Befürworter für die Flüchtlingshilfe gegeben habe, sei zum einen typisch für das weltoffene Frankfurt, zum anderen seien alle anderen nicht bereit gewesen, sich vor der Kamera zu äußern, sagt Halbow und verteidigt die Schüler damit gegen kritische Stimmen in der Diskussionsrunde.

Für die Schüler der AG ist das Projekt über die Flüchtlingssituation eine Herzensangelegenheit. Bereits im vergangenen Jahr hat sich ein Teil der AG regelmäßig mit unbegleiteten Jugendlichen getroffen, die in Höchst untergekommen waren. Vor kurzem wurde die Unterkunft aufgelöst. „Das war schlimm, als diese feste Gruppe sich trennen musste“, erinnert sich die 16-jährige Simone Dinis Costa.

Die Schüler aus den Zuschauerreihen sehen das Projekt positiv. „Wir haben das Thema jetzt so lange im Unterricht besprochen und mit dem Film hat man mal einen neuen Blick auf die Situation“, sagt die 17-jährige Vivian Hill.

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