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Frankfurt-Höchst Der Kümmerer

Für sein ehrenamtliches Engagement erhält Ernst-Josef Robiné von der Stiftergemeinschaft Justinuskirche die Ehrenplakette der Stadt.

Ernst-Josef Robiné im verwunschenen Kirchgarten. Foto: peter-juelich.com

Ernst-Josef Robiné ist ein höflicher Mensch. Deswegen lächelt er nur, wenn ihm Besucher der Justinuskirche Funktionen andichten. Mal titulieren sie ihn als Gärtner, mal als Hausmeister, oder als „Pfaff“. Ein bisschen stimmen alle drei Varianten. Offiziell ist Robiné Vorsitzender der Stiftergemeinschaft Justinuskirche. Für sein ehrenamtliches Engagement wird ihm Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) am Samstag die Ehrenplakette der Stadt überreichen.

„Ich bin eigentlich kein Freund von so etwas“, sagt Robiné bescheiden. Er nehme die Auszeichnung stellvertretend entgegen für alle, die sich mit ihm um die Justinuskirche bemühten. Der 70-Jährige spricht auffallend oft von „wir“, wenn er über die Arbeit für Erhalt und Promotion des Kirchenhauses redet. Er ist ein Kümmerer, ein Koordinator, der tatkräftig vorneweg geht. „Man muss die anderen mitreißen“, sagt er.

Aufgaben gibt es genug. Die Justinuskirche stammt aus der Karolinger Zeit, wurde 830 bis 850 erbaut. Sie ist das älteste erhaltene Gebäude in Frankfurt und eine der ältesten Kirchen in Deutschland. Zwischen 30 000 und 70 000 Euro sammelt die Stiftergemeinschaft jedes Jahr ein und finanziert damit die Restaurierung von Gebäudeteilen oder Bildern. Die Eigentümer, das Bistum und die Pfarrei, schießen etwa nochmal so viel zu.

Besagte Arbeiten kann ein Handwerker aber nicht einfach so erledigen. Bis zu drei Denkmalämter sind beteiligt, von Stadt, Land und Kirche. Außerdem noch das Kuratorium der Stiftergemeinschaft und der Beirat. Den Austausch koordiniert Robiné. Er betreut auch die zwölf Freiwilligen, die während der Öffnungszeiten auf das Haus aufpassen und Fragen beantworten. Gut 10 000 Besucher schauen sich im Jahr dort um, Menschen aus der ganzen Welt.

Robiné gehört auch zu dem kleinen Kreis, der den Kirchgarten pflegt. Es ist ein verwunschenes Fleckchen zwischen Kirche und Mauer, dahinter fließt der Main. Insekten fliegen geschäftig umher, es duftet nach Kräutern. 300 bis 400 verschiedene Pflanzenarten wachsen hier. „Vor ein paar Jahren habe ich einen ganzen Urlaub mit dem Bestimmungsbuch hier verbracht.“ Der Garten ist öffentlich zugänglich, zu den Besuchszeiten der Justinuskirche, sommers dienstags bis sonntags von 14 bis 17 Uhr.

Bereitet den Rückzug vor

Viele Besucher sind ganz erstaunt, eine so prächtige Wildnis mitten in Höchst zu entdecken. Zuweilen entfalten die Gewächse eigenartige Kräfte: „Die Leute kommen, sich die Blumen anzuschauen. Dann schütten sie ihr Herz aus“, erzählt Robiné.

Der Gartenfreund ist 1973 der Arbeit wegen aus dem Saarland nach Höchst gekommen. Bei der Hoechst AG war er in der Personalabteilung tätig. 1984 hat ihn Hoechst-Vorstandler Erhard Bouillon zum Geschäftsführer des frisch gegründeten Fördervereins ernannt. „Er kannte meine Interessen“, sagt Robiné. Er sei katholisch sozialisiert, wisse also was ein Messgewand sei und was ein Tabernakel – der kunstvoll gestaltete Schrein für die geweihten Hostien. „Heute muss ich bei Führungen Kindern aus zehn verschiedenen Nationen erklären, dass es kein Vogelhäuschen ist.“

Und Messgewänder sind nicht einfach Talare, die im Schrank hängen. Es sind edle und alte Roben, Schenkungen von Adligen. „Die Damen hatten kostbare Ballkleider“, erzählt Robiné. Wenn aber der Herr des Hauses verstarb, durften sie die Kleider nicht mehr tragen. Oft vermachten die Witwen sie dann der Kirche. So finden sich in der Justinuskirche edelste Stoffe mit schmucken Stickereien.

Was aber noch entscheidender sein dürfte: Robiné hat schon immer gerne alte Sachen restauriert oder aufgemöbelt. Eigentlich wollte er auch Schreiner werden. Die Bewerbung beim Handwerksbetrieb vor Ort war allerdings erfolglos. Der Schreiner habe ihn gemustert und dann gesagt: „Schau Dir die halbe Portion an! Der muss aufs Büro.“

Robiné hat beide Welten für sich erschlossen, Büro und Handwerk. Jetzt bereitet er allerdings so langsam seinen Rückzug vor. Beruflich ist er ohnehin schon im Ruhestand. Nächstes Jahr soll zudem ein anderer den Vorsitz der Stiftergemeinschaft übernehmen. Robiné hat genug koordiniert. Er wird sich auf seine Tätigkeiten als Hausmeister, Gärtner und Seelsorger konzentrieren.

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