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Frankfurt Hitze treibt die Leute ans Wasser

Es gibt viele Strategien, mit dem Hochsommer im Wonnemonat Mai umzugehen – mancher treibt sogar Sport.

Freibad Eschersheim
Dafür ist Verspiegelung gut: In der Sonnenbrille eines Badegastes spiegeln sich das Schwimmbecken des Freibads Eschersheim und der Schwimmmeister auf der Brücke. Foto: Rolf Oeser

Wenn das Thermometer um 9 Uhr früh bereits 19 Grad anzeigt, ist das ein eindeutiges Signal. Zum einen für Schulkinder, dass es wohl hitzefrei geben wird, zum anderen für alle anderen, dass man unbedingt raus muss, um die Sonne zu genießen. Nun hat erstere Zielgruppe das Problem, dass Samstag sowieso schulfrei ist. Das freut die zweite Gruppe, denn sie kann das Wetter fast problemlos nutzen. Und so ist das nördliche Mainufer in Frankfurt an diesem Tag mit Scharen von Menschen bevölkert.

Beinahe jeder hat kurze Kleidung gewählt, um der Hitze etwas ihre Kraft zu nehmen. Die Menschen gehen, joggen und radeln den Asphalt rauf und runter. Eine Segway-Gruppe bahnt sich im Slalomlauf ihren Weg durch die Menschen. Unweit des Eisernen Stegs legt ein Ausflugsschiff an und spuckt seine zahlreichen Passagiere aus, bevor es mindestens die gleiche Zahl wieder aufnimmt. Am Ufer weht ein angenehmer leichter Wind, und im Schatten lässt sich die Hitze gut ertragen. Der Himmel ist blau, und nur wenige Wolken sind dort zu sehen.

Bootsfahrt auf der Nidda

Zwei junge Frauen haben im Schatten Unterschlupf gesucht und sitzen auf einer rosa Decke. „Wir sind noch verkatert von gestern“, sagt Verena mit müder Stimme. Beide wollen heute einfach nur entspannen und den Tag genießen. Antonia, die zweite junge Frau, findet, dass es mehr abgesperrte Rückzugsräume in Frankfurt geben müsste, an denen kein Verkehrslärm die Menschen stört. „Damit man die Sonne genießen kann“, sagt sie. Verena verrät noch, dass sie eigentlich ins Freibad wollten, doch irgendwie seien sie heute zu faul dafür.

Was die beiden Frauen nicht geschafft haben, haben andere in die Tat umgesetzt. Das Freibad in Eschersheim ist gut besucht. Mehr als 940 Gäste haben sich bis zum Nachmittag bereits ein Ticket gekauft. Sie liegen verstreut auf Handtüchern und Decken auf den Rasenflächen des Bades. Andere haben sich Liegen besorgt und bräunen sich.

Ein rosa Flamingo gleitet etwas holprig über das Wasser. Es ist der Schwimmring eines kleinen Mädchens, das sich dem Beckenrand nähert. Unweit kicken zwei Jungs mit einem Ball und dreschen ihn teilweise äußerst knapp an den auf dem Rasen liegenden Menschen vorbei.

Auch Timo Bonn und seine Frau Nina sind im Freibad. Sie beobachten Sohn Lias, wie er am Wasserspiel etwas Abkühlung sucht. „Wir wollten schon zu Pfingsten ins Bad, aber da war noch geschlossen“, sagt Nina Bonn. Tatsächlich haben vier der sieben Frankfurter Freibäder erst am 26. Mai aufgemacht – und die Menschen haben sich danach gesehnt. Lias kommt zu den Eltern zurück. „Und wie war es?“, fragt seine Mutter. „Kalt“, antwortet er. Das empfindet auch Cornelia Amann so. „Das Freibad hier ist das nahste für mich, aber auch das kälteste“, sagt sie und lacht.

Sie sei spontan ins Bad gekommen, weil Enkelin Alina zu Besuch ist und baden wollte. Nun sitzen beide auf der Decke und mischen ihre Uno-Karten für die nächste Runde. Das neunjährige Mädchen sagt: „Ich lese die „Drei Fragezeichen Kids“, da kommen auch Reporter vor. Die stellen Fragen – genau wie du.“

Wenige Meter neben dem Eingang zum Bad stehen drei Menschen am Ufer der Nidda. Die Frau und die beiden Männer, ihre Namen möchten sie nicht verraten, wollen eine Bootsfahrt machen. Einer der Männer pumpt das Schlauchboot auf, der Schweiß steht ihm bereits auf der Stirn. „Wir hatten schon lange die Idee gehabt und haben sie nun umgesetzt“, sagt er und macht eine Pause vom Pumpen. „Bootfahren ist geil“, sagt die Frau und verrät noch, dass alle drei hier in der Nähe wohnen. Ihr Ziel sei das Brentanobad und das Wetter einfach optimal für so einen Ausflug.

An einer ganz anderen Stelle, nämlich in der Grünanlage „Bockenheimer Anlage“, macht eine Gruppe Menschen Rast im Schatten der Bäume. „Wir sind Zeugen Jehovas und kommen eigentlich aus Bruchsal“, berichtet ein Mann. Sie seien extra aus Baden-Württemberg angereist, um die Gruppen hier vor Ort zu unterstützen. Wenn das Wetter schön sei, sei auch die Stimmung der Menschen besser. Das merke er bei der Arbeit an solchen Tagen.

Ebenfalls in der Grünanlage gehen zwei Männer in Kreisen über den Rasen. Der eine ist Romeo Jackson. Er ist persönlicher Fitnesstrainer und coacht Menschen auch im Hinblick auf ihren Lebensstil. Sein Schützling heute ist Rudi Holtkamp. „Es ist unser zweites Training“, sagt Holtkamp. „Wir sind heute rausgegangen zum Trainieren. Für mich kann es nie heiß genug sein“, erzählt der Trainer. Das Workout werde diesmal 45 Minuten dauern; beide wollen es nicht übertreiben, und wichtig sei es, an so einem Tag viel zu trinken. „Der Wille ist da“, sagt Jackson mit Blick auf seinen Kunden. Dann geht es an die nächste Station. An einem Baum hat der Trainer ein Seil befestigt. Holtkamp nimmt es in die Hand, lehnt sich zurück und macht ein paar Kniebeugen.

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