Lade Inhalte...

Frankfurt Heldenmarkt Konsum mit gutem Gewissen

Der Heldenmarkt im Bockenheimer Depot in Frankfurt zieht fast 4000 Besucher an. Bei rund 80 Anbietern von Bio- und Fair-Trade-Produkten sowie Ökostromanbietern und alternativen Finanzdienstleistern können sie sich über bewussten Konsum informieren.

Die meisten Besucher wollten sich vor allem informieren. Foto: Oeser

Eric Martiné wirft einen ungläubigen Blick in Richtung des Messestandes von Thilo Grauheding. Der Zahnarzt aus dem Hunsrück zeigt Martinés Schwester gerade, wie man mit einem Miswakzweig aus Pakistan umweltschonend die Zähne putzen kann. „Man braucht keine Zahnpasta und produziert dadurch beim Zähneputzen auch keinen Plastikmüll mehr“, schwärmt Grauheding. Unter dem Namen „Swak“ vertreibt er seit 2009 das Holz in Kombination mit dem Griff einer traditionellen Einbüschelzahnbürste. Das Misstrauen in Eric Martinés Gesicht weicht schnell: „Ich finde das hier richtig interessant.“

Zum ersten Mal hat die Berliner Agentur Forum Futura am Wochenende ihre Messe für nachhaltigen Konsum – den Heldenmarkt – nach Frankfurt gebracht. Rund achtzig Anbieter von Bio- und Fair-Trade-Produkten sowie Ökostromanbieter und alternative Finanzdienstleister füllten das Bockenheimer Depot zwei Tage lang mit Markthallen-Flair. Dazu kamen Gesprächsrunden und Bühnenpräsentationen wie etwa eine vegane Kochshow. Fast 4000 Besucher kamen. „Damit sind wir absolut zufrieden“, sagt Veranstalter Daniel Sechert. Auch 2014 soll der Heldenmarkt wieder nach Frankfurt kommen.

„Ich hätte nicht gedacht, dass ein solches Messekonzept aufgeht“, gesteht Andrew Murphy. Dass so viele Menschen neun Euro Eintritt für eine Messe über nachhaltigen Konsum bezahlen, überrascht den Bonner Vermögensberater. Murphy bietet Geldanlagen an – mit dem Versprechen, damit zum Beispiel ausschließlich in erneuerbare Energie zu investieren.

Hört man sich bei den Besuchern um, so erfährt man, dass es diesen auf dem Heldenmarkt vor allem um Informationen geht. Wie investieren alternative Banken das angelegte Geld? Was kommt beim Kauf von Fair-Trade-Kleidung wirklich beim Produzenten an? Mit anderen Worten: Wie kann man durch bewussten Konsum auch etwas bewirken?

Soulmusik, Linsensuppe und Curry

Auch Udo Pfeifer aus dem südhessischen Groß-Umstadt ist an diesem regnerischen Samstag mit derlei Fragen nach Bockenheim gekommen. Der Lehrer hat „die Stände aller Stromanbieter abgeklappert“. Jetzt weiß er, zu welchem er demnächst wechseln wird.

Monika Galaes indes ist extra aus Nürnberg gekommen und etwas enttäuscht darüber, auf der Messe „nicht noch mehr Bio-Klamotten“ gefunden zu haben.

Am Samstagnachmittag haben sich die Gänge im Bockenheimer Depot etwas gelichtet. Aus den Boxen perlt entspannte Soulmusik, es riecht nach Linsensuppe und Curry.

Michael Schwenn-Grohmann aus Bad-Nauheim steht an einer Mitmach-Station und stapelt unterschiedlich dicke Holzscheiben aufeinander. Zuvor musste er Fragen beantworten: Ob er mit saisonalen Produkten koche oder wie oft er tierische Produkte konsumiere. 0,47 Hektar – so groß ist laut dem Metermaß neben dem Turm der ökologische Fußabdruck des FR-Lesers. „Ich hätte gedacht, dass es weniger wäre“, gibt dieser leicht enttäuscht zu – auch wenn der Wert weit unter dem angegebenen Bundesdurchschnitt liegt.

Unterschrift für Tempo 30

Norman aus Mainz indes fand gar keine Holzscheiben, die sein Konsumverhalten widergespiegelt hätten. Denn der junge Mann ernährt sich hauptsächlich durch „Containern“ – also das Verwerten noch essbarer Abfälle von Supermärkten.

Dass nicht alle Messegänger den gleichen Nachhaltigkeitsbegriff haben, merkte Martina Lewe: Die Langener Modedesignerin vertreibt unter dem Namen „meinfrollein“ im Internet Strickmützen aus Bio-Baumwolle, bei deren Kauf ein paar Euro an ein Kinderdorf gehen. „Manche kommen mit der Vorstellung an den Stand, für 9,90 Euro hier ein nachhaltiges Produkt kaufen zu können“, wundert sich Lewe: „Wie soll denn das gehen?“

Diese Frage stellte wohl auch manch einer am Stand der Regionalgruppe Rhein-Main des Verkehrsclubs Deutschland (VCD). Hier konnte man mit seiner Unterschrift Tempo 30 als reguläre Höchstgeschwindigkeit in Innenstädten fordern. „Damit das Leben besser wird“, hat jemand auf einen kleinen Zettel geschrieben. Das wäre auch ein gutes Motto für den Heldenmarkt.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen