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Frankfurt Heimatgefühle im Rebstockpark

Nicht nur Frankfurter aus vielen Ländern schwatzen und schlemmen beim internationalen Fest.

Afrikanisch-Karibisches Kulturfest
Passende Outfits für das Afrikanisch-Karibische Kulturfest auf dem Rebstockgelände. Foto: Rolf Oeser

Die Bühne ist voll. Beim „Afrikanischen und Karibischen Kulturfest“ am Sonntagnachmittag, im hinteren Teil des Rebstockparks, haben Kinder die Bretter erklommen, auf denen an diesem Wochenende ein halbes Dutzend Musiker und Bands aufgetreten sind und mit Reggae- sowie Hip-Hop-Beats eingeheizt haben. Jetzt sind aber die Kleinsten dran. Mit einem Mikro in der Hand zeigt ein gut gelaunter Vortänzer dem Nachwuchs Schritte und Bewegungen, die Kinder nachmachen. Mal winken sie in die Menge, mal werfen sie die Arme von rechts nach links oder springen in die Luft. „Guck mal, wie ich tanze, Füße bewegen, genau“, ruft der Animateur. Und die meisten Mädchen und Jungen machen fröhlich mit. Nur einige schauen etwas irritiert. Ihre Eltern stehen vor der Bühne, halten den spontanen Auftritt mit ihren Handys fest und werden auch aufgefordert, die Hüften zur Musik zu schwingen.

Auf rund 4000 schätzt Joachim Schäfer vom Veranstalter, dem „Afrikanischen und Karibischen Kulturverein“, die Besucherzahl am Samstag und Sonntag. Bei der 23. Ausgabe des Festes unter dem Motto „Let’s get together and feel alright“ (Lasst uns zusammenkommen und uns gut fühlen) – frei nach dem Reggae-Musiker Bob Marley – gibt es, wie gewohnt, einen Markt mit farbenfroher Kleidung, Spielzeug, Schmuck, hölzernen Masken und anderem Kunsthandwerk. An einem Stand sitzt ein Jugendlicher still auf einem Stuhl, während ihm eine Frau lange Zöpfe flechtet. Besucher bleiben immer wieder vor den zahlreichen Essensständen stehen und inspizieren Speisekarten sowie Terrinen, in denen Köstlichkeiten verschiedener afrikanischer Länder dampfen. In einem Zelt liest die nigerianische Autorin Beatrice Onyegbule Onyele aus ihrem Roman „Chikwe – es bleibt ein Traum“, der von ihrer Heimat handelt.

Tania und William Anane aus Praunheim sitzen mit ihrer Familie und Freunden auf Bierbänken. Sie essen Fisch, Reis, Salat, Spinat und gebratene Banane von einem ghanaischen sowie einem äthiopischen Stand. Vier Generationen sitzen zusammen an einem Tisch. „Ich mag die Stimmung auf dem Fest mit Jung und Alt, raus aus der Stadt und dem Alltag“, berichtet die 37-Jährige, die neben ihren zwei kleinen Kindern und ihrer Schwiegermutter auch ihren Großvater, Hermann zur Strassen, mitgebracht hat. Der Neunzigjährige hat sich zusammen mit seinem Schwieger-Enkel William Anane eine Silberdose auf dem Markt gekauft. Anane gefällt besonders die Vielfalt an dem Kulturfest. „Jeder, der ein bisschen weltoffen ist, trifft sich hier“, sagt der 39-Jährige. Für seinen Kumpel Tony vermittle das Fest auch „Heimatgefühl“.

Alexander Sträter sitzt neben dem äthiopischen „Streetfood“-Stand seiner Frau Senait auf einem Teppich, den er auf der trockenen Wiese ausgebreitet hat. Mit einer kleinen Pfanne röstet er Kaffeebohnen, die er danach in eine schwarze, gusseiserne Kanne füllt. Dazu kommt eine Gewürzmischung aus Ingwer, Kardamom und Zimt. Zwei Tässchen ohne Henkel reicht Sträter Tuba Inan und ihrer Freundin Zerrin Ibis. Während Ibis Fotos von der Kaffeezubereitung macht, probiert Inan die schwarze Flüssigkeit ohne Milch und Zucker. „Er ist sehr stark, aromatisch, aber lecker“, befindet die 32-Jährige und ergänzt: „Anderer Geschmack, andere Kulturen“. Es gebe für sie „so viele Farben“ auf dem Fest zu entdecken. Dabei sei alles gemischt, sagt die Höchsterin. Ähnlich formuliert es Besucher William Anane. Für ihn sei es wichtig, dass sich auf dem Kulturfest „alle Nationen“ treffen und kennenlernen würden. Wie Frankfurt auch, sei das Fest international, fügt der gebürtige Ghanaer hinzu.

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