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Frankfurt-Hauptwache Scientology macht Stimmung gegen Psychiatrie

Ein Scientology-Ableger macht auf der Hauptwache mit reißerischen Sprüchen Stimmung gegen psychiatrische Behandlungen. Gesundheitsdezernent Majer spricht von „Hetze“.

Scientology-Zelt auf der Hauptwache. Foto: Christoph Boeckheler

Das Zelt soll auffallen. Breit und strahlend weiß steht es auf der Hauptwache, an allen Seiten hängen Plakate mit reißerischen Sprüchen. „Psychiatrie ist organisierte Kriminalität“ ist da zu lesen, oder „Psychiatrie – TodKamp statt Hilfe“. Drinnen geht es ähnlich effekthascherisch weiter: Auf Schautafeln mit Schockfotos und in kurzen Filmchen wird gezeigt, wie gefährlich jegliche Form der Psychiatrie ist – zumindest aus Sicht der Ausstellungsmacher. Elektroschocks, frei erfundene Diagnosen, Kinder, die zur Einnahme von schädlichen Psychopharmaka gezwungen werden: Die Ausstellung in dem Zelt zeichnet ein düsteres und undifferenziertes Bild von Geschichte und Praxis der Psychiatrie.

Hinter der Wanderausstellung, die auf der Hauptwache noch bis Montag kostenlos zu sehen ist, steht der in München ansässige Verein „Kommission für Verstöße der Psychiatrie gegen Menschenrechte Deutschland“ (KVPM). Nur wer den am Eingang verteilten Infozettel sehr genau liest, erfährt, dass der Verein der umstrittenen Scientology-Organisation nahesteht. Scientology, in den 50er-Jahren in den USA gegründet und dort offiziell als Religion anerkannt, wird in Deutschland oft als sektenartige Organisation kritisiert und vom Verfassungsschutz beobachtet. 

Die Weltanschauungsbeauftragten des Bistums Limburg und der evangelischen Landeskirchen in Hessen, Johannes Lorenz und Oliver Koch, teilen in einer gemeinsamen Stellungnahme zu der Zelt-Ausstellung mit, KVPM sei eine „Tarn- und Unterorganisation“ von Scientology. Scientology-Aussteiger berichteten „von enormem psychischem Druck, finanziellen Abhängigkeiten und Problemen sowie ständiger Überwachung“, so die Experten. 

Frankfurts Gesundheitsdezernent Stefan Majer (Grüne) meldete sich am Freitag ebenfalls zu Wort. „Hier wird Meinungsfreiheit zur Hetze missbraucht“, sagte Majer. In Frankfurt gebe es ein hervorragendes Netzwerk psychiatrischer Kliniken. René Gottschalk, Leiter des Gesundheitsamts, kritisierte, die Ausstellung vermittele „in Form von Verschwörungstheorien gemeinsame Machenschaften zwischen Pharmaindustrie, Psychiatern und ,der Psychiatrie‘“. Mit der Realität in Frankfurt habe das nichts zu tun. Auch die Chefärzte der vier großen Frankfurter Kliniken bewerteten die Ausstellung im Zelt als „falsch und irreführend“.

Bernd Trepping, den Präsidenten von KVPM, ficht die Kritik an der Ausstellung nicht an. Selbstverständlich sei die Schau „möglichst plakativ“, man wolle schließlich auf Menschenrechtsverletzungen hinweisen, die in Psychiatrien verübt würden, sagte er der Frankfurter Rundschau. Dass er nicht offensiv auf die Nähe zu Scientology hinweise, lässt Trepping ebenfalls nicht gelten. „Wenn ich’s groß draufschreibe, heißt es gleich, ich mache Werbung für Scientology.“ Er lade alle ein, sich selbst ein Bild von der Ausstellung zu machen.

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