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Frankfurt-Gutleut Der Bienen-Flüsterer

Bienen sind seine Leidenschaft: Der Hobby-Imker Thorsten Herget kümmert sich im Gutleut um drei Bienenvölker. Um seine Erfahrungen mit Gleichgesinnten zu teilen, hat er einen Stammtisch ins Leben gerufen. Den Hype um die Stadtimkerei betrachtet Herget jedoch mit Skepsis.

Imker Thorsten Herget ruft einen Bienenkisten-Stammtisch ins Leben. Foto: christoph boeckheler*

Bienen sind seine Leidenschaft: Der Hobby-Imker Thorsten Herget kümmert sich im Gutleut um drei Bienenvölker. Um seine Erfahrungen mit Gleichgesinnten zu teilen, hat er einen Stammtisch ins Leben gerufen. Den Hype um die Stadtimkerei betrachtet Herget jedoch mit Skepsis.

Thorsten Herget kommt mit dem Fahrrad – mit Plastik-Biene am Lenker – angefahren, um nach den Bienen im Frankfurter Garten zu schauen. Im Moment halten seine Schützlinge noch Winterschlaf, er zieht eine Platte unter der Kiste hervor, in der sie leben. An den Kot-Rückständen kann er erkennen, wo der Bienenknäuel sitzt. „Die kuscheln sich dicht um die Königin herum und wenn die äußeren Bienen frieren, kriechen sie nach innen“, erklärt er. Wobei die Tiere nun langsam erwachen: Sie entfernen die Leichen aus ihrer Kiste, räumen auf und fliegen bald aus.

Thorsten Herget ist 40 Jahre alt, wohnt im Gutleut und startet in seine vierte Saison als Hobby-Imker. Er hat drei Völker in seinem Schrebergarten am Rebstock und er kümmert sich um die drei Völker im Frankfurter Garten. Er liebt es, Bienen, die übrigens meldepflichtig sind, zu beobachten. „Es vermittelt Ruhe und ist meditativ.“ Er glaube daran, zu den Bienen eine Beziehung aufzubauen, „ich glaube, sie erkennen, dass ich nichts Böses will.“ Bienen haben ihn schon immer interessiert, sagt der Erzieher in Teilzeit, „ich habe mich schon lange mit dem Bienensterben und kritischem Konsum beschäftigt.“ Vor allem das Konzept der Bienenkiste überzeugte ihn, eine Alternative zur klassischen Imkerei. Die Bienenkiste, das ist eine einfache, leere Holzkiste mit Flugloch. Für den Rest müssen die Bewohner selbst sorgen, wesensgemäßes Imkern nennt man das.

Man kann es auch so sagen: In der Bienenkiste ist die Biene einfach Biene. Den Honig, den sie produziert, darf sie behalten, um darauf zu überwintern. So muss kein Zuckerwasser zugefüttert werden. Natürlich hat Herget dadurch selbst kaum Ertrag. Aber darum geht es ihm ja nicht. Eher um den Erhalt der Bienen selbst.

Außerdem wird den Bewohnern das Vermehren selbst überlassen. Wenn eine neue Königin den alten Stamm übernimmt und die alte Königin mit ein paar treuen Kumpanen auszieht, um eine neue Heimat zu finden, lässt Herget das zu und schafft beiden Stämmen ein Zuhause.

Skepsis gegenüber Stadtimker-Hype

Dann darf die Königin bei Herget so alt werden, wie ihre Gene, beziehungsweise ihre Arbeiterinnen es erlauben. Bienen sind nämlich gar nicht so sozial, wie man gemeinhin annimmt: Wenn die Königin nicht mehr leistungsstark ist, wird sie getötet. Genauso ergeht es den kranken Tieren.

Damals, 2011, als Thorsten Herget anfing mit dem wesensgemäßen Imkern, war er noch recht alleine unterwegs. Daher gründete er einen Bienenkisten-Stammtisch. Gut zehn bis dreißig Leute kommen jede Woche nach Frankfurt, sie haben Bienen in Kisten oder wollen sich welche zulegen. Es kommen Rentner wie Studenten, Akademiker wie Arbeiter. „Wir tauschen uns über die Haltung und die Bienen aus und fachsimpeln“, sagt Herget.

Rund 20 Stunden im Jahr muss man sich um ein Bienenvolk kümmern. Doch Herget investiert deutlich mehr. Seit vergangenem Jahr leitet er die Bienengruppe im Frankfurter Garten und beantwortet den Besuchern mittwochs und samstags ihre Fragen. Aus dem Stammtisch hat sich eine Bienenkisten-Regio-Gruppe zur wesensgemäßen Imkerei gebildet. Zudem fängt er Schwärme ein. Finden Bürger einen Schwarm, kommt Herget. Auf einer Schwarmbörse werden sie an Imker vermittelt. Einen Schutzanzug braucht Herget dabei nicht. „Meine Stiche kann ich an beiden Händen abzählen.“ Schwarmbienen seien nicht aggressiv.

Auch, wenn der bienenfreie Winter schön gewesen sei, sagt Herget, erfülle ihn die Arbeit mit tiefer Zufriedenheit. Es gibt viel zu tun: Er soll einen Bienenschwarm auf der Dachterrasse des neuen Gesundheitsdezernats versorgen. Und im September will er das erste Bienen-Festival veranstalten, bei denen die Imker im Fokus stehen und über ihre Arbeit informieren sollen. Es gebe zwar immer weniger alte Imker mit sehr vielen Völkern, dafür kämen viele Hobbyimker mit ein oder zwei Völkern nach, sagt er.

Den Hype zum Stadtimkern sieht er dennoch skeptisch. Schon heute beginnen Leute viel Geld mit der Hobby-Imkerei zu machen. „Einerseits merken die Leute, dass etwas falsch läuft. Andererseits wird das teils auch ausgenutzt, dann kann die Stimmung schnell kippen.“

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