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Frankfurt Grüneburgplatz Neuer Name für den Grüneburgplatz

Die Adresse der Goethe-Uni könnte künftig „Norbert-Wollheim-Platz 1“ lauten: Der zuständige Ortsbeirat hat am Montag die Umbenennung beschlossen. Doch ob die Namensänderung tatsächlich kommt, ist noch nicht ganz geklärt. Norbert Wollheim hat als Zwangsarbeiter für die IG Farben das KZ überlebt.

Der Ortsbeirat möchte den Grüneburgplatz in Norbert-Wollheim-Platz umbenennen. Doch so einfach ist das nicht. Foto: christoph boeckheler*

Die Adresse der Goethe-Uni könnte künftig „Norbert-Wollheim-Platz 1“ lauten: Der zuständige Ortsbeirat hat am Montag die Umbenennung beschlossen. Doch ob die Namensänderung tatsächlich kommt, ist noch nicht ganz geklärt. Norbert Wollheim hat als Zwangsarbeiter für die IG Farben das KZ überlebt.

Der Grüneburgplatz vor dem IG-Farben-Haus der Goethe-Universität soll in Norbert-Wollheim-Platz umbenannt werden. Das hat der Ortsbeirat 2 am späten Montagabend beschlossen. Gegen die Stimmen von CDU und FDP hatte sich das Stadtteilgremium mehrheitlich für die Umbenennung ausgesprochen, die von verschiedene Initiativen bereits seit Jahren gefordert wird.

Außerdem soll auch die erste neue Straße auf dem Gelände des geplanten Kulturcampus den Namen eines verdienten Bürgers bekommen: Ein neuer Durchgang von der Sophienstraße zur Gräfstraße, nördlich des Bockenheimer Depots, soll nach Gabriel Riesser, dem Vizepräsidenten des Paulskirchen-Parlaments von 1848, benannt werden.

Ob auf den Briefköpfen der Goethe-Universität – nur die hat eine Adresse am Grüneburgplatz – mit dem Beschluss des Ortsbeirates tatsächlich bald „Norbert-Wollheim-Platz 1“ stehen wird, scheint dennoch nicht ganz sicher. Zwar bestätigt Mark Gellert, Sprecher des Planungsdezernats, dass die Benennung von Plätzen und Straßen zu den Rechten des Ortsbeirats zähle und dass das Stadtvermessungsamt nur für den „administrativen Teil zuständig“ sei. Die Stadt könne aber nicht „über den Eigentümer hinweg“ entscheiden. Eben das sei hier der Fall. Der Grüneburgplatz, begrenzt durch Bremer- und Fürstenberger Straße, befinde sich „nicht im Besitz der Stadt“, sondern auf dem Gelände der Goethe-Universität, sagte Gellert. Die Umbenennung müsse demnach „im Einvernehmen“ mit der Goethe-Uni erfolgen. „Die Uni hat keine Verfügungsgewalt“, meint hingegen Günter Heilmann (Grüne), der den Antrag zur Umbenennung in den Ortsbeirat eingebracht hatte. Die Adresse sei „amtlich“ und der Ortsbeirat sei für die Benennung allein zuständig, so Heilmann.

Der Vorschlag, den Platz nach Norbert Wollheim umzubenennen, ist bereits über zehn Jahre alt. Überlebende des Konzentrationslagers Buna/Monowitz hatten sich schon 2004 für einen „Norbert-Wollheim-Platz“ eingesetzt. Stadt und Universität hatten die Umbenennung damals abgelehnt. Grüneburgplatz sei ein traditioneller Name, hieß es.

Im KZ Buna/Monowitz, unweit von Auschwitz, waren in der NS-Zeit die Zwangsarbeiter des Chemiekonzerns IG Farben inhaftiert. Zehntausende starben dort durch „Vernichtung durch Arbeit“, wie die Überlebenden angeprangert hatten. Norbert Wollheim überlebte und war später der erste ehemalige Häftling, der die IG Farben erfolgreich auf Entschädigung verklagte. Auch deswegen wurde er zum Vorbild für viele andere Überlebende.

Der Studienkreis „Deutscher Widerstand 1933-1945“ hatte den Vorschlag der Umbenennung bei einer Tagung im Januar an der Goethe-Uni wieder aufgegriffen (die FR berichtete). Vorstand Cora Mohr sieht „einen unglaublichen Erfolg“ in dem Beschluss. Die Universität hatte laut dem stellvertretenden Uni-Sprecher Dirk Frank „noch keinen Anlass“, sich mit dem Vorstoß zu befassen. „Wir werden uns positionieren, wenn der Beschluss uns vorliegt“, sagte der Uni-Sprecher am gestrigen Dienstag auf Anfrage der FR.

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