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Frankfurt-Griesheim SGL Carbon schließt Standort Griesheim

Der Standort von SGL Carbon im Frankfurter Stadtteil Griesheim ist bald Geschichte. Der Wiesbadener Konzern will das Areal bis Ende des Jahres räumen. Die Arbeitsplätze von 150 Mitarbeitern sind gefährdet.

SGL Carbon hat schon seit langem Schwierigkeiten in seinem traditionellen Kerngeschäft mit Graphitelektroden, die vor allem bei der Stahlherstellung eingesetzt werden. Im Sommer 2015 hatte der in Wiesbaden ansässige Konzern mitgeteilt, dass er das entsprechende Geschäftsfeld bis Ende 2016 verselbstständigen will, um dessen „nachhaltige Wettbewerbsfähigkeit“ sicherzustellen. Vergangenen Montag haben dann die 150 Mitarbeiter am Traditionsstandort Frankfurt-Griesheim erfahren, dass das für sie wohl nicht gilt: Der Standort soll bis Ende des Jahres geschlossen und geräumt werden.

Die Produktion werde schrittweise heruntergefahren, teilte SGL auf Anfrage mit. Das Unternehmen reagiere „damit auf die anhaltend schwierigen Marktbedingungen für Graphitelektroden“, hieß es. „Der Zeitplan sowie das weitere Vorgehen sind Gegenstand der nun beginnenden Verhandlungen zum Interessenausgleich und Sozialplan zwischen Unternehmen und Betriebsrat.“ Es sei das Ziel des Unternehmens, „den mit der Schließung verbundenen Stellenabbau sozialverträglich umzusetzen“. Marco Rosenlöcher, stellvertretender Bezirksleiter der Gewerkschaft IG BCE, fordert das Unternehmen auf, die Mitarbeiter sozial abzusichern. Die Belegschaft habe einen hohen Altersdurchschnitt und viele seien schon seit 30 Jahren im Werk. „Außerdem sollte geprüft werden, ob es Möglichkeiten für eine Nachnutzung des Geländes gibt“, so Rosenlöcher, „damit dort Arbeitsplätze gesichert oder neu geschaffen werden können.“

Am Standort Griesheim hat es schon in den vergangenen Jahren einen stetigen Personalabbau gegeben, vor rund sieben Jahren haben dort noch deutlich mehr als 200 Menschen gearbeitet. Er sei aber auch schon seit Jahren durch eine zu geringe Auslastung gekennzeichnet, sagt SGL, sie habe zuletzt bei etwa 40 Prozent gelegen. Bereits vor drei Jahren wurde deshalb Kurzarbeit eingeführt. Das Unternehmen sagt aber auch offen: „Zudem sind die Kosten in Griesheim im Vergleich zu den anderen Graphitelektroden produzierenden SGL-Standorten in Europa, USA und Asien deutlich höher.“

Seit 1894 am Ort

Die Graphitelektroden aus Griesheim werden zur Produktion von Elektrostahl benötigt, die Nachfrage danach ist aber durch die Überkapazitäten chinesischer Produzenten gering. Graphitelektroden stehen deshalb seit längerem unter Preisdruck, so SGL, die Situation habe sich zuletzt verschärft. In Griesheim werden seit 1894 Graphitelektroden hergestellt, zuerst von der Chemischen Fabrik Elektron. Nach dem zweiten Weltkrieg ging die Produktion an Siemens und Hoechst, bevor der Frankfurter Traditionskonzern sich dann im Zuge des SGL-Börsengangs 1995 von dieser Beteiligung trennte.

SGL Carbon hatte 2014 bereits Graphitelektrodenwerke in Kanada und Italien geschlossen und befindet sich seit längerem in einem Restrukturierungsprozess. Das Unternehmen setzt auf Carbonfasern, einen Hightech-Werkstoff, der sehr viel leichter als Aluminium oder Stahl ist, aber ebenso steif wie diese. SGL betreibt dafür gemeinsam mit BMW ein Werk in den USA, dessen Produktionskapazität 2014 verdoppelt wurde. Insgesamt aber ist SGL in Turbulenzen und hat zuletzt schwache Geschäftszahlen vorgelegt. Bereits im Juli 2015 wurde bekanntgegeben, den Geschäftsbereich mit dem Graphitelektrodengeschäft abtrennen zu wollen.

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