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Frankfurt-Griesheim Bahn eröffnet riesige Zugwerkstatt

Wenn ein ICE schlapp macht, dann landet er vielleicht bald in Griesheim. Dort hat die Bahn gerade 40 Millionen Euro in ein neues Werk gesteckt. Wahlkämpfer Boris Rhein hat es eingeweiht.

Ein ICE fährt ins neue Werk.

Wer möchte da nicht mitreisen, wenn sich Boris Rhein im Frühling des nächsten Jahres einen Wunsch erfüllt. In acht Stunden von Frankfurt nach Marseille mit dem ICE düsen.

Am Mittelmeer mit Berthold Huber einen Aperitif trinken und dann mit 230 Sachen zurück in die Heimat düsen. Wenn der hessische Innenminister und der Vorstand DB Fernverkehr dann ohne Pannen wieder im Hauptbahnhof eingelaufen sind, dann haben die Arbeiter, Techniker und Ingenieure im Werk drei des Griesheimer Instandhaltungswerks alles richtig gemacht.

100 neue Mitarbeiter sind seit diesem Montag mit dafür verantwortlich, dass es im europäischen Eisenbahnnetz harmonisch zugeht, obwohl dort noch extreme elektronische Disharmonien herrschen.

30 Hebeböcke liften einen kompletten Zug

Reisende bekommen die Spannungen im Schienennetz zwischen Deutschland und Frankreich gar nicht mit. Im Grenzort Forbach gleitet so ein ICE einige Meter völlig ohne Strom in Richtung Nachbarland. Der „deutsche“ Stromabnehmer für die 15000 Volt Wechselstrom wird gegen den „französischen“ Stromer, der 25000 Volt und Gleichstrom verträgt, ausgetauscht.

Dass das klappt, dafür sind die Blaumänner in Griesheim verantwortlich. In der nagelneuen , 40 Millionen Euro teuren Werkshalle werden die Hochgeschwindigkeitszüge im Winter enteist, nach Scheckbuch gewartet und es können einmalig in ganz Deutschland in einem Ruck alle Drehgestelle gewechselt werden.

Für diesen Kraftakt sind 30 Hebeböcke notwendig, die den 200 Meter langen Zug liften. Das alles spart Kosten und Zeit, so dass der ICE den Reisenden schneller für Ausflüge nach Brüssel, Straßburg, Paris, Wien, Amsterdam und irgendwann im Jahre 2013 auch für einen Trip unter dem Ärmelkanal hindurch nach London zur Verfügung steht. Fahrgäste sollten unbedingt die Griesheimer Arbeitnehmerschaft in ihre Gebete miteinschließen, denn diese ist auch fürs Klima in den Zügen zuständig.

Das Werk kann als einziges in Deutschland Zugabteile auf 45 Grad heizen und damit Klimaanlagen auf ihre Tauglichkeit geprüft werden. Legendäre Saunafahrten wie an vergangenen Hitzetagen sollen durch ordentliche Wartung vermieden werden.

Der Sonderzug kommt zu spät

Dass Boris Rhein, im Hessenland eigentlich für Sicherheit und Ordnung zuständig, dem Werk drei den politischen Segen aus Wiesbaden spenden durfte, war der Tatsache geschuldet, dass der für Verkehr zuständige Kabinettskollege Dieter Posch (FDP) verhindert war. So war die feierliche Bahn-Zeremonie für den christdemokratischen OB-Kandidaten eine willkommene Gelegenheit "den deutschen Verkehrsknotenpunkt" und seine enorme Wirtschaftskraft über den grünen Klee zu loben.

Rhein wertete die „hervorragende Investition“ auch als Bekenntnis der Bahn zum Standort Frankfurt, wo 14000 DB-Mitarbeiter beschäftigt sind. Bahnvorstand Berthold Huber nannte die Errichtung des Werkes in Griesheim, mit jetzt 250 Monteuren, einen Schritt „in eine bessere Gegenwart und eine verheißungsvollere Zukunft“. Ab 2016 werden hier auch die IC-X, die moderneren und viel schnelleren Nachfolger der IC-Züge instand gehalten.

Die Tücken des deutschen Bahnverkehrs bekamen die internationalen Gäste zu spüren. Der Sonderzug von Griesheim zum Hauptbahnhof brauchte fast eine halbe Stunde für die drei Kilometer.

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