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Frankfurt-Goldstein Ein Dorf steht Kopf

Die Festwoche des Sportvereins VfL markiert den Höhepunkt des gesellschaftlichen Lebens im Frankfurter Stadtteil Goldstein. Und nicht nur für Anwohner lohnt sich ein Besuch.

Die „Schlippcher“ bei ihrem Trophy-Sieg 2015. Foto: VfL Goldstein

Einheimische bezeichnen die Siedlung, den Osten Schwanheims, gerne als dörflich – mit Großstadtanbindung. Das pulsierende Zentrum Frankfurts liegt ja nicht weit weg – Theater, Kino, Konzerte, alles ist in der Nähe zu finden.

In Goldstein selbst sind die Freizeitvergnügen dann eher bodenständig. Sport steht ganz vorne an, entweder im Verein oder einfach in der Natur. Der Wald liegt direkt vor der Haustür, der Fluss ebenfalls. Ein gastronomisches Angebot gibt es, halt etwas versteckt. Wer ausgehen möchte, geht zum Inder oder dem Griechen in den Kleingartenanlagen, oder ins Restaurant im Bürgerhaus und die Vereinsgaststätte des VfL Goldsteins.

Besagter Club hat aber noch einen weiteren Pfeil im Köcher, das größte Fest des Stadtteils nämlich, die Goldsteiner Woche. Und die markiert den Höhepunkt des gesellschaftlichen Lebens: „Wenn mal was los ist, dann kommen auch alle“, sagt Andreas Gallon dazu und feixt. Der 40-Jährige ist stellvertretender Vorsitzender des VfL Goldsteins. Mit Pressewart Lars Schmidt ist er ins Lokal im Haus Goldstein gekommen, um die anstehende Festwoche des Vereins vorzustellen.

Die Festwoche an der Sportanlage Zur Waldau beginnt am Sonntag, 22. Mai, auf dem Beach-Handball-Platz. Dort spielen die jüngsten Sportler das Turnier der Minis aus. Beachhandball ist ähnlich wie Hallenhandball, nur können die Spieler den Ball nicht auf dem Boden prellen, der ist ja aus Sand. Das macht den Sport dann eben noch ein Stückchen rasanter. Das Handball-Turnier ist aber auch die Grundlage des Festes, überhaupt der Anlass, mal wieder so richtig zu feiern.

Kulinarische Weltreise

„Das Turnier gibt es schon sehr lange“, sagt Gallon, genauer: seit 1959. Ein Sommerspektakel außerhalb der Halle war es schon immer. Zunächst traten die Akteure auf einem Hartplatz an, später dann auf Rasen. Als die Stadt 2009 zum Internationalen Turnfest ein Beachhandball-Feld errichtete, stiegen die Sportler auf Sand und Badehose um. Donnerstag treten die Jugendlichen an, Samstag spielen die Erwachsenen-Teams.

Das alleine wäre schon eine Reise nach Goldstein wert, doch inzwischen hat das Rahmenprogramm der Festwoche dem Sport den Rang abgelaufen. Erst hatte jemand die Idee, die Siegerehrung mit einem Festzelt aufzuwerten. Dann kam das „Spiel ohne Grenzen“ dazu, dann hatte jemand die findige Idee: „Wenn eh ein Festzelt da ist, können wir ja auch am Samstag Programm machen“, sagt Gallon.

Und so geschah’s. Offizieller Start der Feier ist inzwischen der Nationalitäten-Abend am Mittwoch. „Es ist eine kulinarische Weltreise in wenigen Stunden“, sagt Gallon. An rund 15 Ständen gibt es Speis und Trank aus fremden Ländern – aus Japan, Frankreich, Rumänien, Kroatien, Thüringen. „Die Thüringer geht richtig gut“, schwärmt Gallon.

Evi Ziegler und Monika Ebert hätten einst die Idee gehabt, erzählt Gallon. „Wir haben so viele internationale Mitglieder im Verein, die könnten sich doch mal präsentieren“, so ihr Gedanke. „Der Verein hat sogar den Integrationspreis der Stadt Frankfurt bekommen“, sagt Gallon.

Kein Wunder also, dass am alles zum Fest flaniert, was in und um Goldstein herum Rang und Namen hat, etwa die Goldsteiner Rosenkönigin. Von all zu weit her kommen die Standbetreiber auch gar nicht, eben aus Goldstein, Schwanheim, Niederrad. Sie sind alle in irgendeiner Form mit dem Verein verbunden, haben eine persönliche Beziehung zu uns“, sagt Gallon.

„Wir versuchen, für jeden etwas anzubieten“, sagt Pressewart Las Schmidt zur Programmgestaltung. Am Fronleichnams-Donnerstag gibt es ab 13 Uhr ein Kinderfest. Das Spielmobil der Sportjugend Hessen bringt Kletterwand, Hüpfburg, Geschicklichkeitsspiele, Schminke und Betreuer mit. Auch Jumper, das Maskottchen des VfL, wird im großen Krokodils-Kostüm seine Aufwartung machen. Abends führt dann Comedian Bodo Bach im Festzelt sein neues Programm „Auf der Überholspur“ vor.

Der Freitag steht im Zeichen des „Spiels ohne Grenzen“, logischerweise „Goldstein-Trophy“ getauft. Den Erlös des Abends spendet der Verein dem Kobelt-Zoo. Vergangenes Jahr war die Goldsteiner Tafel Nutznießer. Es ist halt ein Stadtteilfest, gar „das letzte große Fest in Goldstein“, wie Gallon sagt. Und das sei wichtig „für den Ort, um das Gemeinschaftsgefühl zu pflegen.

Das funktioniert. Immerhin stemmen die 1050 Vereinsmitglieder das komplette Fest. „Über 150 Dienste sind zu vergeben“, sagt Lars Schmidt. Alle helfen ehrenamtlich, für den Abbau am Montag nehmen sie sich sogar einen Urlaubstag. „Das ist das Besondere an Goldstein, der Zusammenhalt ist groß“, sagt Gallon.

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