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Frankfurt-Gallus Wahrzeichen und Treffpunkt

Die ehemalige Galgenwarte prägt bis heute das Stadtbild im Gallus. Schon 2013 hat die Stadt 3,8 Millionen Euro für eine Neugestaltung bereitgestellt.

09.12.2016 15:14
Jöran Harders
1850 wurde aus der Galgenwarte die Galluswarte. Foto: Bockheler

Unaufgefordert reicht Özcan Özdemir einer Frau ein Päckchen Zigarettentabak über den Tresen. „Das ist eine Stammkundin“, sagt der Kioskbetreiber. Daher weiß er schon im Voraus, welchen Tabak die Frau haben möchte. Und auch, dass sie mit einem ganzen Stapel Kleingeld bezahlt, kommt für Özdemir nicht überraschend.

Seit dreizehn Jahren steht der 35-Jährige fast jeden Tag im Wasserhäuschen an der Galluswarte und hat in dieser Zeit die Gewohnheiten seiner Kunden kennengelernt. „Viele bleiben stehen und trinken ihr Bier. Da unterhält man sich auch mal.“ Tagsüber sei es jedoch vor allem Laufkundschaft, die er bediene. „Die meisten kaufen Zigaretten oder Süßigkeiten“, erzählt Özdemir.

Die Trinkhalle im Turm, die Özdemirs Familie 2003 übernommen hat, ist eines von zwei Wasserhäuschen, die in einem Anbau der Galluswarte untergebracht sind, der aus der Nachkriegszeit stammt. Beide sind nicht nur Kiosk, sondern auch Treffpunkt für den Stadtteil. Während der Fußball-Meisterschaften hat Özdemir an seinem Büdchen einen Fernseher aufgestellt. So wurde das Wasserhäuschen zur Public Viewing Area.

Bis 1850 hieß die Galluswarte Galgenwarte. Der Name leitet sich vom nahegelegenen Galgenfeld her, auf dem im Mittelalter Verurteilte hingerichtet wurden. Erbaut wurde die Warte im Jahr 1414 als Teil der Frankfurter Stadtbefestigung. Seitdem steht sie als städtebauliche Konstante an ihrem Ort, der heute der zentrale Verkehrsknotenpunkt des Gallusviertels ist.

Bereits seit einiger Zeit gibt es Pläne, das historische Bauwerk aufzuhübschen und eventuell auch wieder der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Schon 2013 stellte der Magistrat dafür 3,8 Millionen Euro bereit. Im Gespräch war unter anderem eine Neugestaltung der Verkehrsinsel, auf der sich die Warte befindet. Sollten diese Pläne umgesetzt werden, wären die Tage der beiden Trinkhallen vermutlich gezählt. Sie könnten ebenso verschwinden wie die öffentlichen Toiletten, die sich ebenfalls in dem Anbau des Turms befinden.

Wie auch die Friedberger und die Bockenheimer Warte diente die Galluswarte seit 1886 als Abluftschacht für die damals neue städtische Kanalisation. Das Rohr, das dafür in den Turm eingesetzt wurde, ließ die Stadt im Zuge eines Umbaus in den Jahren 2008 bis 2010 abschneiden und eine durchsichtige Bodenplatte darüber legen. Über Metall-Leitern ist die Turmspitze seitdem zu erreichen.

Die Möglichkeiten einer Nutzung des Turms sind allerdings begrenzt. Denn mit einer Höhe von 25 Metern und einem Durchmesser von weniger als dreieinhalb Metern ist die Galluswarte ein doch eher kleines Gebäude. Und darüber, ob die Schließung der Wasserhäuschen tatsächlich dazu beitragen würde, die Aufenthaltsqualität an der Warte zu erhöhen, kann man sicher trefflich streiten. Özcan Özdemir würde wohl widersprechen.

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