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Frankfurt-Gallus Pioniere der Industriekultur

In den 20ern und 30ern produzierte die Firma Bünte & Remmler im Frankfurter Gallus Bauhaus-Leuchten. Stadtteilhistorikerin Irmgard Lauer-Seidelmann geht der Geschichte des Unternehmens in ihrem neuen Buch nach.

Stadtteil-Historikerin Irmgard Lauer-Seidelmann vor dem ehemaligen Fabrik-Standort. Foto: Andreas Arnold

Stadtteilhistorikerin Irmgard Lauer-Seidelmann geht der vergangenen Größe des Gallus nach. Die liegt, weitgehend unbeachtet, unter Industriegeschichte vergraben. International renommierte Betriebe, wie Braun, dessen legendäre Rasierapparate im Gallus erfunden wurden, und die Adlerwerke, hatten ihren Stammsitz im Stadtteil.

Ein weiterer, wohl weniger bekannter Betrieb, war die Lampenfabrik Bünte & Remmler. „Mit der Herstellung von Petroleumlampen fingen Victor Bünte und Franz Remmler 1880 an“, erzählt die heute 82 Jahre alte, ehemalige SPD-Stadtverordnete, Lauer-Seidelmann. Aus der Wagner & Co Petroleumlampen-Fabrik, die ihren Sitz in Berlin hatte, lösten sie die Frankfurter Niederlassung heraus und führten sie als eigenständigen Betrieb erfolgreich weiter.

„Als die beiden 1899 damit begannen, an der Lahnstraße eine neue Fabrik zu errichten, hatten sie es geschafft.“ Das Grundstück war 10.000 Quadratmeter groß und bot auf einem Block zwischen Lahn- und Krifteler sowie Mainzer Landstraße genügend Platz zur Entwicklung und Fertigung. Drei Fabrikschlote ragten dort fortan in den Himmel.

Gleichzeitig nahmen die Brüder „die Herstellung von Gasbeleuchtungskörpern auf“, wie es in der Firmenchronik heißt. Bis zum Ersten Weltkrieg wuchs der Betrieb zu einem der wichtigsten Lampen-Hersteller in ganz Deutschland. „In den 20er und 30er Jahren war Bünte & Remmler einer der wenigen Produzenten von ‚Bauhaus-Leuchten‘. Die Entwürfe der Lampen stammten unter anderen von Wilhelm Wagenfeld“, berichtet Lauer-Seidelmann. Wagenfeld war ein Bauhaus-Schüler und gilt als ein Pionier des Industriedesigns. Das machte auch Bünte und Remmler zu Pionieren der Industrie- und Designkultur. Heute sind die Lampen, die unter dem Namen BUR verkauft wurden, in Sammlerkreisen begehrt.

Lauer-Seidelmann hat für ihr neues Buch über die Lampenfabrik mit vielen Menschen gesprochen, die damals bei Bünte & Remmler arbeiteten. „Die erzählen, dass sie die Leuchten in Handarbeit hergestellt haben, alles wurde mit der Hand gemacht.“

Krieg überstanden

Das Metall wurde per Hand geschliffen, in der ‚Schirmnäherei‘ wurden die Lampenschirme genäht, dass Messing wurde poliert, es wurde vernickelt und galvanisch verzinkt. Die Firma unterhielt eine eigene Dreherei, Bohrerei und Fräserei. „Es war ein sehr vielseitiger Betrieb.“ Von der Montage bis zum Versand wurde alles an der Lahnstraße gemacht. Bis zu 1600 Menschen arbeiteten damals für Bünte & Remmler.

Bis 1962 ging das so. Den Zweiten Weltkrieg überstand der Betrieb, er hatte zunächst von der Kriegsproduktion und wohl auch von Zwangsarbeit profitiert, wurde dann teilweise zerstört, konnte aber schnell wieder aufgebaut werden. Weil die Söhne von Bünte und Remmler allerdings ihrerseits keine Söhne hatten, verkauften sie ihr Unternehmen an den Kunststofflampenhersteller Hoffmeister und Sohn aus Lüdenscheid. Der verlagerte sich nach und nach auf Immobiliengeschäfte. „1971 wurde an der Lahnstraße das letzte Montageband abgeschaltet“, sagt Lauer-Seidelmann. Nach 91 Jahren endete damit die Lampenfabrikation im Gallus.

Ihr neues, selbstverlegtes Buch stellt Irmgard Lauer-Seidelmann am 28. Februar, 14 Uhr, in der Begegnungsstätte, Frankenallee 206 bis 210, vor.

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