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Frankfurt-Gallus Junkies und Kunst

Drogenabhängige und geheilte Ex-Konsumenten beschäftigen sich in Kooperation der Fachhochschule künstlerisch mit ihren Biografien. Die entstandenen Arbeiten zeigt das Gallustheater.

Die Ausstellung zeigt eine ganze Reihe an filmischen Arbeiten. Foto: Rolf Oeser

Es sind Geschichten, die unter die Haut gehen, im Wortsinn. Aktive und ehemalige Drogenabhängige haben gemeinsam mit Studenten der Fachhochschule (FH) Frankfurt unter dem Titel „Highlife Frankfurt“ Kunstprojekte verwirklicht. Am Sonntagabend im Gallustheater stellten sie ihre Arbeiten vor.

Ein biografischer Film berichtet aus dem Leben der Süchtigen. Den Text haben die Drogennutzer verfasst. Passanten auf der Straße lesen die Passagen vor. Das klingt dann so. Über Heroin: „Du kotzt, und du fühlst dich gut, wie ein Orgasmus durch den Hals.“ Über chemischen Drogen: „Ich habe es genossen, jemandem in den Armen zu liegen und zu tanzen.“ Über Kokain: „Wir haben uns in der Wohnung eingeschlossen und Koks geballert, dann habe ich die Fliesen mit der Rasierklinge zerkratzt.“

Geschichten über Missbrauch, Selbstmordversuche, Suchtdruck und Beschaffungskriminalität werden erzählt.

Hundert ehemals oder weiterhin Süchtige waren beteiligt. Sie sind in Programmen von neun Einrichtungen der Frankfurter Drogenhilfe aktiv. Die Studenten der Sozialen Arbeit, die „Praxiserfahrung sammeln wollten“, wie Studentin Lea Karger sagte, hätten mit den Beteiligten in den zwei Semestern insgesamt 16 Kunstprojekte verwirklicht. Theater gespielt, Filme gemacht, Bilder gemalt.

Und eine CD mit zahlreichen Songs wurde professionell aufgenommen. Sie sei das „Highlight“ aller Arbeiten, sagte FH-Professorin Ulrike Pfeifer, die Soziale Arbeit unterrichtet. Im voll besetzten Gallustheater führten die Musiker am Sonntag einige ihrer Songs auf. „Es gibt besseres im Leben als Kiffen und Knast“, rappte einer. Daraufhin tobte der Saal.

„Jeder Mensch ist ein Künstler“, sagte Bernhard Kayser, ebenfalls Professor für Soziale Arbeit an der FH, und zitierte damit Josef Beuys. In jedem stecke eine kreative Kraft, um sich auszudrücken, so Kayser. Er will Kunst als „universelle Sprache“ verstanden wissen, die jeder sprechen könne. Kunst biete Möglichkeiten des Ausdrucks, zum Formulieren der eigenen Standpunkte und zur Arbeit an der eigenen Persönlichkeit.

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