Lade Inhalte...

Frankfurt-Gallus Geschichte verbindet

Stadtteilhistoriker werben mit Broschüren für ihren Stadtteil. In einer Geschichtswerkstatt tauschen sie und Besucher sich zweimal im Monat über lokalhistorische Themen aus.

Die Galluswarte steht im Zentrum des Frankfurter Stadtteils. Foto: Christoph Boeckheler

Im Stadtteilbüro an der Frankenallee gibt es mindestens zwei Mal im Monat viel zu besprechen. Dann präsentiert sich dort die Geschichtswerkstatt Gallus und Besucher und Mitglieder tauschen sich angeregt über lokalhistorische Themen aus.

Die ehrenamtlichen Stadtteilhistoriker bieten ihre Publikationen mit Titeln wie „600 Jahre Galluswarte“, „Bünte & Remmler Leuchtenfabrik“ oder „Kamerun – das sind wir“ zum Verkauf an. Zusätzlich erscheinen monatlich die kostenlosen Informationsblätter mit dem Titel „Die Geschichtswerkstatt Gallus berichtet“ zum Mitnehmen.

Auf jeweils vier Seiten beschäftigt sich darin jeweils eins der zehn Mitglieder mit einem historischen Thema aus dem Quartier. 48 Ausgaben sind bereits erschienen. „Wir haben eine Auflage von 250 Stück, dazu 120 Digital-Abonnenten, die die Ausgabe per Mail erhalten“, sagt Helga Roos, Vorsitzende der Geschichtswerkstatt. Die Werkstatt ist 2007 im Rahmen des Förderprogramm „Soziale Stadt“ entstanden. Ziel ist es, gemeinsam die Geschichte des Gallus zu erforschen, mit öffentlichen Veranstaltungen die Geschichte des Stadtteils in die Gegenwart zu holen und das Interesse der Bewohner für ihr Gallus zu wecken.

Heimlich Swing gehört

In der November-Ausgabe widmet sich Markus Henning der „Swing-Jugend“ in den 30er und 40er Jahren und lässt auch die Erinnerung von einem großen Fan der Szene einfließen. Ludwig Schneider, 88, war begeisterter Anhänger des Swings, eine oppositionelle Jugendkultur während der Zeit des Nationalsozialismus, die nach Machtergreifung der Nazis unter Strafe gestellt wurde.

„1944 begann ich mich für die Swing-Jugend zu interessieren“, erinnert sich Schneider. Als Zeitzeuge berichtet er von den versteckten Orten, an denen sich die Szene traf, etwa im „Schumann-Theater“ gegenüber des Hauptbahnhofs, Karl- / Ecke Taunusstraße. „Das war früher ein Zirkus, dann Varieté und später Theater“, sagt Schneider. Henning ergänzt: „Auch im heutigen Restaurant Menzza, früher Hellerhof, auf der Idsteiner Straße, gab es Konzerte“.

Henning und Schneider haben sich beim Straßenfest auf der Frankenallee kennengelernt. Als gebürtiger Gallusianer weiß Schneider viel über sein Viertel zu berichten. „Hochinteressant“, findet das Markus Henning. Der 53-Jährige ist erst vor anderthalb Jahren aus Berlin ins Gallus gezogen und wohnt gegenüber des Stadtteilbüros. „Ich bin geschichtlich interessiert und kann den für mich neuen Stadtteil durch meine Mitgliedschaft in der Geschichtswerkstatt besser kennenlernen“, erklärt er sein Engagement. „Dann geht man mit anderen Augen durch den Stadtteil“, sagt er. Als Beispiel nennt er die Adlerwerke. Seitdem er erfahren habe, dass dort ab 1943 das KZ Katzbach existierte, habe er einen anderen Blick auf die ehemalige Maschinenfabrik.

Die Geschichtswerkstatt Gallus trifft sich regelmäßig im Stadtteilbüro, Frankenallee 168, allerdings zu keinen festen Terminen. Infos beim Caritas-Quartiersmanagement, Telefon 97 32 99 70.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen