Lade Inhalte...

Frankfurt Frankfurts Altstadt zu Füßen

Der höchste Punkt des Bauprojekts im Herzen Frankfurts ist fertig. Eine Zeitkapsel soll künftigen Generationen Hinweise geben.

Nachdem die Zeitkapsel in der Spitze versteckt ist, wird der Deckel noch vernietet. Foto: christoph boeckheler

Marion Spanier-Hessenbruch lässt erst ein paar Münzen und dann vier Zeitungsdeckblätter in der zylinderförmigen Aludose verschwinden. Die Bauingenieurin hat Mühe, denn das Papier ist zu hoch. Ein Bauarbeiter nimmt ihr die metallene Zeitkapsel ab und bugsiert die Blätter mit sanfter Gewalt doch noch hinein. Dann wird die Kapsel verlötet und mit dem Kran auf die höchste Stelle der neuen Altstadt gebracht. In der Spitze des Hauses Goldene Schere soll der Zylinder die kommenden Jahre überdauern.

„Wir feiern heute das Knopffest“, sagt Holger Schmidt, Leiter der Zimmerei Bennert. So sei es schon in der Vergangenheit Tradition gewesen, wenn ein Turm bekrönt wurde. In diesem Fall heißt die Spitze eben Knopf. Diese kleine Art Richtfest ist ein weiterer Meilenstein bei der Rekonstruktion und dem Teilneubau der Frankfurter Altstadt. Zwischen 240 und 250 Bauarbeiter werkeln derzeit an der Fertigstellung der 35 Gebäude. „Wir liegen im Plan“, sagt Michael Guntersdorf, Geschäftsführer der mit dem Großprojekt betrauten Dom-Römer-Gesellschaft. Er rechnnet damit, dass die Wohnungen im nächsten Frühjahr bezogen werden können.

60 neue Wohnungen werden in der Altstadt entstehen, dazu kämen noch etwa 30 Läden. Welche es genau werden, würde sich Mitte Mai entscheiden. Bewerber gebe es eine Vielzahl. Auch an den Gesamtkosten des Projekts von knapp 200 Millionen Euro solle sich nichts ändern.

Das Haus Goldene Schere ist eines von 15 Rekonstruktionen in dem Areal zwischen Dom und Römer. „Es war aus dem späten 18. Jahrhundert“, erklärt Guntersdorf. Die Stiftung Lelbach hat es gekauft. Im oberen Teil des Gebäudes sollen vier Wohnungen entstehen und unten soll ein Café seinen Platz finden. Welches, das werde sich ebenfalls Mitte Mai entscheiden. Das Dach des Turmes der Goldenen Schere ist mit Schiefer gedeckt. Oben drauf kommt eine Spitze aus Metall. „Sie sieht etwas aus wie der obere Teil einer Pickelhaube aus Kaiser Wilhelms Zeiten“, sagt Schmidt. Die Firma Bennert hat an sechs Gebäuden mitgearbeitet und die aufwendigen Zimmererarbeiten ausgeführt.

Dass eine Zeitkapsel mit alten Dokumenten und Geld in der Spitze versteckt wird, hat Tradition. Auch früher schon wurden bei Gebäuden solche Fundstücke eingearbeitet. „Dort waren dann auch Geburts- oder Sterberegister und eine Liste mit Preisen für Brot, Butter und Bier üblich“, so Schmidt. Zukünftige Generationen sollen dann anhand der Preise der Tageszeitungen auf die heutigen Brötchenpreise schließen, erklärt Projektmanager Matthias Leißner.

Bis auf das Haus Goldene Waage werden alle Gebäude verputzt sein. Der Geschäftsführer der Dom-Römer-Gesellschaft begründet dies mit den Plänen, anhand derer die Altstadt rekonstruiert wird. Auch auf diesen Zeichnungen waren die Häuser verputzt gewesen.

Als die Kapsel mit dem Kran den Weg auf die Kuppel gefunden hat, verstecken sie Spanier-Hessenbruch und Leißner in der Pickelhaube. Hoch oben lässt sich der Detailreichtum der neuen Altstadt erkennen – Stuckverzierungen an den Fassaden, ein Spruch am Haus zur Flechte, das Belvederchen der Goldenen Waage. „Der zukünftige Altstadtcharme lässt sich schon erahnen“, kommentiert Schmidt den beeindruckenden Ausblick.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
  • Nutzungsbasierte Onlinewerbung
  • Mediadaten
  • Wir über uns
  • Impressum